Die Übernahme der Schlangengrube

Nicht einmal 48 Stunden nach der Entlassung von Matthias Hartmann hätte man wohl jede Burg-Premiere mit der Gegenwart überblendet. Umso mehr musste das bei Frank Castorfs Interpretation des Wirkens von Richard III. passieren. Hier baute man sechs Stunden Theaterabend in eine sich drehende, schwarze Sado-Maso-Geisterburg. Dabei wurde gar nicht Shakespeares entstelltes Bild des letzten Plantagenet-Herrschers verhandelt, sondern die vor Exkrement-Assoziationen strotzende Interpretation des Frühmodernisten Hans Henny Jahnn. Martin Wuttke übernimmt als Richard die Macht an einem verkommenen Hofstaat, um sich wenig später im Janis-Joplin-Kostüm von einer ergebenen Geliebten schafsgleich anblöken zu lassen. Nur wer ruchloser ist als die Schlangengrube, kann hier überleben.

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