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Nichts ist eindeutig

Es gibt Zeiten, da wird persönliche Geschichte schlagartig politisch. Als die in Kiew geborene Autorin Katja Petrowskaja im Vorjahr für die Fragmente zu ihrem Roman „Vielleicht Esther“ den Bachmann-Preis gewann, war nicht abzusehen, dass sich zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung dieses Frühjahr die Ukraine im Komplettumbruch befinden würde. Petrowskaja, Jahrgang 1970, ist Kind der Sowjetunion und blickt hinter die Geschichten jener Familienmitglieder, die scheinbar alle so gleich waren. Doch in ihrem Atlas, der von Berlin bis tief hinter Kiew reicht, gibt es keine eindeutigen Identitäten: „Ich dachte auf Russisch, suchte meine jüdischen Verwandten und schrieb auf Deutsch.“ Zugehörigkeit lässt sich nicht binnen einer Woche entscheiden, das macht dieses brillante Werk deutlich.

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