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Mehrere Fehlalarme

Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord ist seit 8. März verschollen. Bis jetzt konnte trotz intensivster Suche keine Spur des Flugzeugs gefunden werden. Was die Ermittlungen bisher ergaben:

8. März: Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines teilt mit, der Kontakt der Boeing 777-200 zur Flugkontrolle sei kurz nach dem Start abgerissen. Das Flugzeug mit überwiegend chinesischen Passagieren war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Der Funkkontakt brach kurz vor Erreichen des vietnamesischen Luftraums ab. Im Seegebiet vor Vietnam beginnt eine großangelegte multinationale Suche.

9. März: Trotz intensiver Suche mit Flugzeugen und Schiffen fehlt jede Spur von der verschwundenen Maschine. Wiederholt gibt es in den folgenden Tagen falschen Alarm. Es gebe Anzeichen auf den Radaraufzeichnungen, dass das Flugzeug vor dem Verschwinden umgekehrt sei, berichten Ermittler. Ein möglicher Terroranschlag gerät in den Blick, weil zwei Passagiere ihre Flugtickets mit gestohlenen europäischen Pässen kauften.

10. März: Malaysia weitet das Suchgebiet deutlich aus. Experten identifizieren einen der beiden verdächtigen Passagiere. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass auf die Boeing 777-200 ein Anschlag verübt wurde.

11. März: Die beiden verdächtigen Passagiere waren keine Terroristen. Ermittler identifizieren die beiden als Iraner, die mit gestohlenen Pässen nach Europa gelangen wollten. Der malaysische Krisenstab weitet das Suchgebiet auch auf die Meerenge von Malakka vor der Westküste Malaysias aus. Die Gegend liegt fernab der eigentlichen Route nach Peking.

12. März: Das malaysische Militär hat über dem Andamanischen Meer vor der Westküste Malaysias 45 Minuten nach dem Verschwinden der Maschine ein Flugzeug auf seinem Radar gesehen. Ob es sich dabei um die vermisste Boeing handelte, sei aber unklar.

13. März: Das „Wall Street Journal“ meldet unter Berufung auf US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, die Maschine sei noch Stunden nach dem letzten Radarkontakt weitergeflogen. Malaysias Verkehrsminister dementiert den Bericht. Der Unmut vor allem in China - die meisten Passagiere an Bord waren Chinesen - über das Krisenmanagement der malaysischen Regierung wächst.

14. März: Das indische Verteidigungsministerium veröffentlicht eine Karte, auf der die Flugroute an der Stelle des letzten Radarkontakts um etwa 90 Grad abknickt. Demnach könnte die Boeing entlang der Grenze von Malaysia und Thailand bis über den Indischen Ozean geflogen sein.

15. März: Das vermisste Flugzeug flog nach dem Verschwinden vom Radar noch etwa sieben Stunden auf einem neuen Kurs Richtung Westen. Jemand an Bord habe „mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich“ die Kommunikationsgeräte abgeschaltet, berichtet der malaysische Ministerpräsident Najib Razak und bestätigt damit, was noch zwei Tage vorher heftig dementiert wurde.

16. März: Die malaysische Luftfahrtbehörde will nicht ausschließen, dass der Jet an einem unbekannten Ort gelandet sei. Kriminalpolizeiliche Untersuchungen zur Durchleuchtung des Hintergrunds aller 239 Menschen an Bord laufen an. Malaysisa bittet offiziell um internationale Hilfe bei der Suche nach dem Flugzeug. 25 Länder beteiligen sich an der Suche und/oder den Ermittlungen.

17. März: Es läuft eine neue Suche entlang zweier Routen an, die die verschollene Maschine geflogen sein könnte.

18. März: Die Richtungsänderung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit im Cockpit programmiert worden, berichtet die „New York Times“. Nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers ist unklar, wann genau das Kommunikationssystem der Boeing abgeschaltet wurde. Er widerruft damit frühere Aussagen.

19. März: Der US-Sender NBC berichtet, die Kursänderung sei bereits vor der verbalen Abmeldung der Piloten in den Bordcomputer eingegeben worden. Der Chef der malaysischen Zivilluftfahrt dementiert das.

20. März: Experten des australischen Geheimdienstes entdecken auf Satellitenaufnahmen vom 16. März mögliche Wrackteile. Die Suche konzentriert sich nun auf eine abgelegene Region im Indischen Ozean.

22. März: Es wird bekannt, dass ein chinesischer Satellit am 18. März im Suchgebiet mögliche Wrackteile erspäht hat.

23. März: Frankreich veröffentlicht ein Satellitenbild, das mögliche Flugzeugteile im Meer zeigt.

24. März: Laut China wird bei einem Aufklärungsflug ein mögliches Trümmerfeld entdeckt. Auch die Crew eines australischen Aufklärungsflugzeugs entdeckt zwei mögliche Wrackteile. Razak gibt bei einer Pressekonferenz bekannt, dass es keine Hoffnung auf Überlebende gibt. Eine neue Analyse von Satellitendaten lasse darauf schließen, dass MH370 im südlichen Indischen Ozean abgestürzt ist.

25. März: Angehörige der Opfer protestieren in China und kritisieren die Informationspolitik Chinas und Malaysias. Die Suche muss aufgrund des schlechten Wetters eingestellt werden.

26. März: Die Suche wird wieder aufgenommen. Der australische Premier Tony Abbott deutet aber erstmals ein Einstellen der Suchaktion an. Die Hinweise auf die Absturzstelle verdichten sich. Laut Malaysia zeigen neue Satellitenbilder über „hundert mögliche Wrackteile“.

27. März: Auf thailändischen Satellitenaufnahmen sind rund 300 Objekte zu sehen. Die Suche per Flugzeug muss ob des schlechten Wetters wieder eingestellt werden.

28. März: Die Australische Seesicherheitsbehörde (AMSA) ändert das Suchgebiet und dirigiert die Aufklärungsflugzeuge in ein Seegebiet 1.100 Kilometer weiter nordöstlich des ursprünglichen Gebiets um.

2. April: Die „HMS Tireless“ (S88), ein Atom-U-Boot der britischen Royal Navy, trifft im Indischen Ozean ein, um die Suchmission zu unterstützen. Außerdem schickt Großbritannien die „HMS Echo“, ein Vermessungsschiff mit spezieller Sonarausrüstung an Bord.

Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar äußerst sich pessimistisch zu den Chancen der Suchaktion. Es könnte sein, „dass wir die wahre Ursache des Vorfalls nie erfahren“, sagt er vor der Presse in Kuala Lumpur.

4. April: Laut dem Leiter des australischen Einsatzzentrums Joint Agency Coordination Centre (JACC), Angus Houston, beginnt die Suche mit U-Booten und speziellen Unterwasserdetektoren. Die Gesamtgröße des infrage kommenden Gebiets wird mit rund 217.000 Quadratkilometern angegeben.

5. April: Ein chinesisches Schiff fängt Signale auf.

6. April: Auch ein weiteres Schiff fängt Signale auf. Die Eigenschaften passten zu einer Blackbox, heißt es vonseiten des Koordinators für die Suche.

7. April: Australien nennt die zuletzt aufgefangengen Signale „den besten Anhaltspunkt, den wir bisher hatten“.

9. April: Im vermuteten Absturzgebiet spüren Suchmannschaften erneut Signale auf, die von der Blackbox der verschollenen Boeing stammen könnten.

11. April: Die Analyse der aufgefangenen Signale zeigt, dass sie vermutlich nicht von der Blackbox stammen.

30. April: Die Suche mit Schiffen und Flugzeugen wird eingestellt.

1. Mai: Malaysia veröffentlich einen ersten Bericht zum Stand der Suche. Dem Bericht zufolge vergingen 17 Minuten, bis bemerkt wurde, dass die Boeing 777 von den Radarschirmen verschwunden war. Außerdem dauerte es vier Stunden, bis eine Rettungsaktion gestartet wurde.

27. Mai: Fast drei Monate nach dem Verschwinden veröffentlichen Ermittler Originalprotokolle der technischen Kommunikation zwischen Satelliten und dem Flugzeug.

29. Mai: Das JACC teilt mit, dass die bisherige Suche mittels U-Boot-Drohen erfolgslos war. Der Suchradius muss neu definiert werden.

4. Juni: Das australische Verkehrsministerium schreibt die weitere Unterwassersuche öffentlich aus und sucht nach einem Generalunternehmer für die auf rund ein Jahr ausgelegte Aktion.

15. Juni: Einige Angehörige lehnen die von einer Versicherung angebotenen ersten Entschädigungen von 50.000 Dollar (37.000 Euro) ab, solange das Flugzeug nicht gefunden ist. Diese Zahlung könne Ermittler dazu verleiten, bei der Suche nachzulassen, befürchten sie.

17. Juni: Nach Ansicht der britischen Satellitenfirma Inmarsat ist bisher die wahrscheinlichste Absturzstelle nicht abgesucht worden. Das Unternehmen hat auf Basis kurzer Kontakte, die das Flugzeug mit einem seiner Satelliten aufnahm, eine vermutete Absturzstelle im Indischen Ozean errechnet.

18. Juni: Ein neues Forschungsschiff steht im Einsatz. Die „Fugro Equator“ soll den Meeresboden an der vermuteten Absturzstelle nordwestlich der australischen Westküstenstadt Perth vermessen.

26. Juni: Nach Einschätzung der Ermittler ist MH370 vor dem Absturz im Indischen Ozean auf Autopilot geflogen. Andernfalls hätte die Maschine nicht eine so gerade Strecke fliegen können, wie die von Satelliten aufgefangenen elektronischen Signale der Maschine nahelegten, heißt es. Zudem wird das Suchgebiet erneut ausgeweitet.