Ungarns Roma wollen mit Zigeunerpartei ins Parlament

Eine neue politische Kraft sorgt in Ungarn für Aufsehen: Die Zigeunerpartei Ungarns (Magyarorszagi Cigany Part) will bei der Wahl am Sonntag ins Parlament einziehen. Dafür hat sie 61 Kandidaten aufgestellt. „Wir gehen unseren Weg allein und streben nach keinem Bündnis mit anderen Parteien“, sagte Spitzenkandidat Aladar Horvath der APA.

Dabei hatte es lange gedauert, bis sich Vertreter der auf 600.000 Angehörige geschätzten größten ungarischen Minderheit zur Parteigründung entschlossen. „Ja, leider waren wir lange Idealisten. Wir meinten, dass in einer westlichen Demokratie auch Platz für uns Roma ist. Wir dachten, die Parteien der Linken oder Rechten würden unsere Interessen vertreten“, sagte der Rechtsanwalt Horvath. Das sei jedoch ein großer Irrtum gewesen, denn „mit uns Roma befassten sich die Parteien immer nur vor den Wahlen, wenn sie auf Stimmenfang gehen“.

Rund sechs Prozent der Bevölkerung

Derzeit stellt die Minderheit rund sechs Prozent der Bevölkerung, aber nur vier von 386 Parlamentariern. Die Roma bräuchten ihre eigene politische Vertretung, um endlich gleichberechtigte Staatsbürger in Ungarn zu werden, glauben ihre Vertreter. „Ich bin Zigeuner, ich stimme für die Zigeuner-Partei“, lautet der offizielle Slogan der MCP. Die Partei nutzt dabei den ungarischen Ausdruck „Cigany“, den Angehörige der Minderheit für sich selbst verwenden.

Roma in Ungarn beklagen seit Jahren Angriffe von Rechtsextremen. Im Vorjahr wurden drei Männer verurteilt, die aus rassistischen Motiven Wohnhäuser von Angehörigen der Minderheit anzündeten und mehrere Roma ermordeten. Für Ängste sorgt auch die Aktivität der gewaltbereiten „Ungarischen Garde“ und der mit ihr verbündeten Jobbik-Partei, die im Parlament vertreten ist.