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16 Prozent mehr Schüler in Wien

Mit den aktuell wieder diskutierten Sparzwängen in der Bildung wird es in Zukunft insbesondere in Wien noch schwieriger werden, Qualität in der Schule zu erhalten. Die Zuwanderung und der erwartete Anstieg der Kinder und Jugendlichen um knapp 24 Prozent in den nächsten Jahren werden zumindest in Wien noch mehr Investitionen insbesondere im Schulbereich erforderlich machen.

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Während die Schülerzahlen bundesweit - bis auf Niederösterreich - stagnieren, legen sie in Wien bis 2030 um 16 Prozent zu, in den Volksschulen sogar um 20 Prozent. Gerade Wiener Randbezirke wie Favoriten, Donaustadt und Floridsdorf müssten besonders viele Pflichtschüler zusätzlich aufnehmen. Schon in einigen benachbarten Gemeinden in Niederösterreich sei die Zahl der Volksschüler in den Klassen geringer, und im Burgenland habe überhaupt ein Drittel der Schulen insgesamt weniger als 25 Kinder, so Gabriele Schmid, Leiterin der AK-Bildungspolitik.

Allein in den Pflichtschulen Wiens steigt die Schülerzahl bis 2030/31 auf 247.000 – um 22.000 mehr als im vergangenen Schuljahr. „Etwa jedes zweite Kind wird Deutsch nicht als Muttersprache haben“, ergänzt Gabriele Schmid. Dafür brauche es Förderung in Deutsch und in der Erstsprache.

„Verdrängungsprozess“ bei Niedrigqualifizierten

Darüber hinaus muss der Weg zu weiterer Qualifizierung geebnet werden. Wie die Arbeitslosenstatistik zeigt, sind besonders Pflichtschulabsolventen von Arbeitslosigkeit gefährdet. Aufgrund des Wandels der Wiener Wirtschaft in den vergangenen 20 Jahren sind viele Arbeitsplätze im Industrie- und Gewerbebereich verloren gegangen und neue, hoch qualifizierte Jobs vor allem im Dienstleistungssektor entstanden.

Viele Tätigkeiten wurden nicht mehr benötigt, andere wurden wichtiger. So stieg zwar die Zahl der Arbeitsplätze seit 2008 um 2,6 Prozent. Doch im selben Zeitraum nahm auch die Arbeitslosigkeit zu – um 39 Prozent bei Männern und 36 Prozent bei Frauen, erklärt WIFO-Experte Helmut Mahringer. Das sind in absoluten Zahlen insgesamt 23.743 mehr Arbeitslose und 20.170 mehr Beschäftigte seit 2008.

Das wirkt sich vor allem bei Geringqualifizierten aus. Mahringer ortet bereits einen „Verdrängungsprozess“ von Arbeitern aus den traditionellen Gastarbeiterländern wie der Türkei sowie dem ehemaligen Jugoslawien und Zuwanderern etwa aus Ungarn und Rumänien: „Da gibt es Konkurrenz. Und daher hat Wien auch größere Probleme mit unqualifizierten Arbeitern als andere Bundesländer.“ Umso notwendiger seien weitere Qualifizierungen.

Zuwanderer hoch qualifiziert

An der Zuwanderungsstatistik zeigt sich deutlich, dass ein Großteil der neu Zugezogenen hoch qualifiziert ist. So haben von denjenigen, die in den vergangenen vier Jahren nach Wien kamen, rund zehn Prozent die Pflichtschule absolviert, allerdings verfügen 47 Prozent über einen Hochschulabschluss.

Schon bei den Ausbildungen in Wien zeigt sich eine deutliche Polarisierung. Im Österreich-Vergleich ist der Anteil sowohl der Pflichtschul- als auch der Hochschulabsolventen hoch. Das zeigt sich auch bei der Schulwahl. Die entspricht allerdings dem städtischen Trend. Denn während in Wien 50 Prozent eines Jahrgangs die Unterstufe einer AHS besuchen, sind es in Oberösterreich etwa 25 Prozent. In der Landeshauptstadt Linz ist aber der AHS-Anteil noch höher als in Wien.

Niveauunterschiede bei schwachen Schülern

„Auch die Leistungsstreuung in Wien ist sehr groß“, stellt Michael Bruneforth vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) fest. Bei den starken Schülern gebe es kaum Unterschiede im Vergleich mit anderen Bundesländern. Die schwächsten Schüler fielen aber noch weiter zurück. Bruneforth: „Ein Viertel der Schüler verfehlt die Bildungsziele der Schule in Wien.“

Das könne aber nicht auf den Migrationshintergrund von Schülern zurückgeführt werden. Vielmehr seien soziale Unterschiede für schwache Leistungen ausschlaggebend. „Das zeichnet auch ein heterogenes Bild bei der Qualität von Schulen. Da können bis zu zwei Lernjahre Unterschied sein“, so der Bildungsexperte. Von sozialer Segregation betroffene Schulen sollten daher besonders gefördert werden.

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