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Prognosen und Ergebnisse im Überblick

28 Länder, 28 unterschiedliche Wahlsysteme, 751 Abgeordnetenplätze im Europaparlament und rund 400 Millionen Wahlberechtigte: Bei der Europawahl ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. 21 Länder wählten allein am Sonntag. Die Hochrechnungen (berücksichtigen auch Wahlkarten) aller Länder in alphabetischer Reihenfolge:

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Belgien (21 Sitze): Die Neu-Flämische Allianz der Nationalisten im Norden Belgiens fuhr die stärksten Gewinne ein und ist mit 16,45 Prozent Wahlsieger. Ihr folgen die Christdemokraten in Flandern mit 12,4 Prozent. Bei den französischsprachigen Abgeordneten liegen die Sozialisten und die frankophonen Liberalen vorne.

Bulgarien (17): Die konservative oppositionelle GERB (Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens) von Ex-Premier Bojko Borissow schaffte mit 30,4 Prozent klar den ersten Platz vor den regierenden Sozialisten (BSP) mit 19 Prozent. Die Türken-Partei DPS kam mit 17,4 Prozent an dritter Stelle. Die von einem früheren Talkshow-Moderator geführte Partei Bulgarien ohne Zensur (BWC) kam auf 10,6 Prozent. Die EU-feindliche Ataka verfehlt diesmal den Sprung ins EU-Parlament.

Dänemark (13): Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (Dansk Folkeparti) wurde mit 26,6 Prozent stärkste Kraft des Landes. Mit 19,5 Prozent erreichten die regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt die zweitmeisten Stimmen.

Deutschland (96): Die Union aus CDU und CSU verlor deutlich und kam auf 35,3 Prozent, die SPD legte hingegen klar zu und kam auf 27,3 Prozent. Die Grünen verloren leicht auf 10,7 Prozent, die Linke leicht auf 7,4 Prozent. Die FDP kam nur auf 3,4 Prozent. Die europakritische Alternative für Deutschland (AfD) kam aus dem Stand auf sieben Prozent. Durch den Wegfall einer Prozenthürde können die rechtsextreme NPD, die Piraten, die Freien Wähler, die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die Tierschutzpartei, die Familienpartei und die Partei Die Partei einen Parlamentarier entsenden.

Estland (6): In Estland lieferten sich zwei Parteien aus dem liberalen Lager ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Reformpartei (ER) kam auf 18 Prozent, die Zentrumspartei (KE) auf 17 Prozent. Dahinter reihen sich die Sozialdemokraten (SDE) mit 16 Prozent und die Konservativen (IRL) mit 14,5 Prozent. Die Grünen sind mit elf Prozent ebenfalls mit einem Mandat im EU-Parlament vertreten.

Finnland (13): Die konservative Sammlungspartei des scheidenden Regierungschefs Jyrki Katainen kam auf 22,6 Prozent oder drei Sitze. Die zur liberalen ALDE-Fraktion zählenden Zentristen kamen auf 19,7 Prozent und ebenfalls drei Mandate. Die Sozialdemokraten fielen zurück und sind mit zwei Mandataren vertreten. Die rechtspopulistischen Wahren Finnen erzielten bescheidene Zugewinne und lagen bei 13 Prozent. Je einen Sitz erhielten zudem die Grünen und die Linkspartei.

Frankreich (74): Die rechtsextreme Front National (FN) gewann die Wahl. Laut Hochrechnung kam sie auf 24,9 Prozent nach 6,3 Prozent 2009. Zweitstärkste Kraft wurde die konservative Oppositionspartei UMP mit 20,8 Prozent. Die regierenden Sozialisten von Präsident Francois Hollande kassierten mit nur 13,9 Prozent eine herbe Niederlage.

Griechenland (21): Das oppositionelle Bündnis der radikalen Linken (SYRIZA) wurde wenig überraschend stärkste Kraft. Es kam auf 26,6 Prozent. Die konservative Nea Dimokratia landete mit 22,7 Prozent auf dem zweiten Platz. Die rechtsradikal-rassistische Goldene Morgenröte erreicht 9,4 Prozent - obwohl die gesamte Führung der Partei in Untersuchungshaft sitzt.

Großbritannien (73): Einen deutlichen Erfolg konnte die europafeindliche UKIP mit 27,5 Prozent einfahren. Die Partei schickt 24 Abgeordnete nach Straßburg, elf mehr als bisher. Einbußen müssen die Konservativen von Premierminister David Cameron hinnehmen. Wegen einer Panne war die Auszählung am Montag noch nicht beendet.

Irland (11): Die irischen Wähler straften ihre Regierung ab. Die konservative Fine-Gael-Partei von Premier Enda Kenny kam nur auf 22 Prozent, die mitregierenden Sozialdemokraten (Labour) erzielten nur sechs Prozent der Stimmen und erhalten somit kein Mandat. Unabhängige Bewerber profitierten, so kam die linksgerichtete Sinn-Fein-Partei um Ex-IRA-Mann Gerry Adams auf 17 Prozent, Wahlsieger sind die Unabhängigen mit 24 Prozent.

Italien (73): Die Demokratische Partei (PD) um den seit Februar amtierenden Premier Matteo Renzi ist mit 40,8 Prozent der klare Wahlsieger und schickt 31 Mandatare nach Straßburg. Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo kam auf 21,13 Prozent. Die konservative Oppositionspartei Forza Italia um den wegen Steuerbetrugs verurteilten Ex-Premier Silvio Berlusconi muss sich mit 16,7 Prozent der Stimmen begnügen.

Kroatien (11): Die kroatische Regierungskoalition um die Sozialdemokraten (SDP) erlitt ein Debakel. Laut Hochrechnung erreichte das rechtskonservative Bündnis um die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) 41,4 Prozent der Stimmen (fünf Mandate), die SDP nur 29,8 Prozent (vier Mandate). Je ein Mandat erhielten die grüne Partei OraH und das Bündnis für Kroatien, eine Koalition von mehreren Parteien aus dem rechten und nationalistischen Sektor, mit 9,4 beziehungsweise 6,99 Prozent. Die Arbeiterpartei Laburisti flog aus dem EU-Parlament.

Lettland (8): Der EU-freundliche Einheitsblock von Regierungschefin Laimdota Straujuma gewann klar mit 46 Prozent der Stimmen. Das vor der Wahl favorisierte oppositionelle Harmoniezentrum kam demnach auf Platz zwei vor der sozialdemokratischen SDP. Mit der Russischen Union Lettlands gewinnt auch eine prorussische Partei ein Mandat im EU-Parlament.

Litauen (11): In Litauen ziehen gleich vier Parteien mit jeweils zwei Mandaten ins EU-Parlament ein. Einen klaren Wahlsieger gab es nicht. Die Christdemokraten liegen mit 17,4 Prozent knapp vor den Sozialdemokraten mit 17,2 Prozent. Platz drei belegten die Liberalen mit 16,52 Prozent.

Luxemburg (6): Die oppositionelle Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) konnte im Windschatten der europaweiten Kandidatur ihres Anführers Jean-Claude Juncker klar zulegen. Die CSV verbuchte einen Stimmengewinn von 6,3 Prozentpunkten auf 37,7 Prozent und wird drei der sechs EU-Abgeordneten stellen. Von den Regierungsparteien verloren die Sozialdemokraten am stärksten und landeten nur noch auf Platz vier. Die Grünen schaffen mit 15 Prozent den zweiten Platz vor den Liberalen.

Malta (6): In Malta teilen zwei Parteien die sechs Mandate untereinander auf. Die Labour-Partei von Regierungschef Joseph Muscat kam auf 53 Prozent (vier Mandate). Für die größte Oppositionspartei, die konservative Nationalistische Partei (PN), stimmten 40 Prozent. 75 Prozent der Wahlberechtigten gingen in Malta an die Urnen.

Niederlande (26): Der Rechtspopulist Geert Wilders verlor zwar rund 3,5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2009, blieb laut Hochrechnung aber auf dem dritten Platz und kam auf vier Mandate. Stärkste Parteien sind die linksliberale Partei D66 mit 15,4 Prozent und die Christdemokraten mit 15 Prozent. Erstmals wird auch die niederländische Partei für die Tiere im Parlament mit einem Abgeordneten vertreten sein.

Österreich (18): Die ÖVP blieb mit 26,9 Prozent stärkste Kraft vor der SPÖ (24 Prozent). Beide kamen auf fünf Mandate. Deutlich zugelegt haben FPÖ (19,7) und Grüne (14,5). Auch NEOS schaffte den Einzug (8,14).

Polen (51): Laut Hochrechnung stimmten 32,3 Prozent der Wähler für die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), während auf die liberalkonservative Bürgerplattform (PO) nur 31,3 Prozent der Stimmen entfielen. Als Folge des Scheiterns des Linksbündnisses Europa Plus an der Fünfprozenthürde erklärt Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski seinen Rückzug aus der aktiven Politik.

Portugal (21): Eine Woche nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirms verpassen Portugals Wähler der konservativen Regierung einen Denkzettel. Die „Allianz Portugal“ der Koalitionspartner PSD und CDS/PP liegt mit heftigen Verlusten und 27,7 Prozent der Stimmen auf Rang zwei hinter der Sozialistischen Partei, die laut vorläufigen amtlichen Ergebnissen auf 31,45 Prozent kommt.

Rumänien (32): Rumäniens regierende Sozialisten (PSD) gewannen haushoch. Sie kamen auf 37,40  Prozent. Zweitstärkste Kraft würde weit abgeschlagen die oppositionelle Nationalliberale Partei (PNL) mit 14,8 Prozent. Das in zwei Parteien zersplitterte bürgerliche Lager, das der Europäischen Volkspartei (EVP) nahesteht, kam auf die Plätze drei und vier.

Schweden (20): Vor der Parlamentswahl verpassen die Schweden ihrer Regierung einen kräftigen Dämpfer. Einer Hochrechnung zufolge erreichte die konservative Moderate Sammlungspartei von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt nur 13,6 Prozent der Stimmen. Sie liegt hinter den Sozialdemokraten (24,4 Prozent) und den Grünen (15,3 Prozent). Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten erreichen 9,7 Prozent und somit erstmals Parlamentssitze in Straßburg.

Slowakei (13): Die sozialdemokratische Regierungspartei SMER siegte trotz Verlusten mit 24 Prozent. Die Christdemokraten (KDH) kamen mit 13,21 Prozent auf Platz zwei, dahinter landete die Slowakische Christliche und Demokratische Union (SDKU) mit 7,75 Prozent. Ein Mandat erzielte die außerhalb des nationalen Parlaments stehende Slowakische Ungarnpartei (SMK) dank 6,53 Prozent der Stimmen. Die rechtspopulistische Slowakische Nationalpartei (SNS) verpasste den Einzug.

Slowenien (8): In Slowenien verbuchten die konservativen Parteien einen Erdrutschsieg und konnten fünf der acht Mandate erringen. Die restlichen Mandate teilten sich die neue Liste Ich Glaube, die Pensionistenpartei DeSUS und die Sozialdemokraten (SD). Mit Abstand stärkste Kraft (24,6 Prozent) wurde die Demokratische Partei (SDS) des rechtskräftig wegen Korruption verurteilten früheren Ministerpräsidenten Janez Jansa.

Spanien (54): In Spanien wurden die großen Parteien abgestraft. Trotz großer Verluste konnte die regierende Volkspartei (PP) mit 26 Prozent knapp ihren ersten Platz vor den Sozialisten (PSOE) (23 Prozent) behaupten. Deutlich zulegen konnten die Linken (Izquierda Plural), die ihren Stimmenanteil auf 9,9 Prozent fast verdreifachten. Zur großen Überraschung des Wahlabends avancierte aber die 2013 gegründete linksgerichtete Podemos, die 7,9 Prozent erreichte.

Tschechien (21): Nur vier Monate nach Amtsantritt erleidet Ministerpräsident Bohuslav Sobotka eine Wahlschlappe, seine sozialdemokratische CSSD kommt nur auf 14 Prozent und verliert laut tschechischem Statistikamt drei der bisherigen sieben Parlamentssitze. Stärkste Kraft wird der Koalitionspartner ANO des Großunternehmers Andrej Babis mit 16,1 Prozent.

Ungarn (21): Die rechtskonservative Regierungspartei FIDESZ-KDNP gewann mit 51,49 Prozent der Stimmen (zwölf Mandate) klar. Die rechtsradikale Jobbik-Partei überholte mit 14,68 Prozent der Stimmen (drei Mandate) die Sozialisten, die nur 10,92 Prozent (zwei Mandate) erhielten. Die frühere Regierungspartei landete nur knapp vor der Demokratischen Koalition (9,76 Prozent, zwei Mandate). Das Wahlbündnis Gemeinsam-PM errang 7,22 Prozent und ein Mandat, ebenso die Grünen (LMP) mit 5,01 Prozent.

Zypern (6): Deutlicher Sieg für die proeuropäische konservative Partei Demokratische Gesamtbewegung (DISY): Sie erhielt 37,7 Prozent. Zweitstärkste Kraft wurde die Linkspartei AKEL mit 26,9 Prozent. Die bürgerliche Demokratische Partei kam auf 10,8, die Sozialisten landeten bei 7,7 Prozent.

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