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Bevölkerung verweigert Unterstützung

Dass Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fattah al-Sisi die sich drei Tage lang dahinschleppende Präsidentenwahl in Ägypten gewinnen würde, war schon vor deren Beginn klar. Sein einziger Gegner, der Linkspolitiker Hamdien Sabahi, war von Anfang an chancenlos. Statt der von Sisi erhofften demokratischen Legitimierung durch eine Wahlbeteiligung von 80 Prozent bekam er jedoch das Gegenteil.

Eigentlich hätte die Wahl zwei Tage dauern und am Dienstagabend zu Ende sein sollen. In einem einigermaßen unkoordinierten Manöver hatte die Wahlkommission jedoch am Dienstagabend entschieden, am Mittwoch noch weiterwählen zu lassen. Angeblich soll die große Hitze am Dienstag viele Wähler abgeschreckt haben. Doch auch die Verlängerung dürfte nicht gefruchtet haben. Selbst laut offiziellen Angaben in der staatlichen Zeitung „al-Ahram“ lag die Wahlbeteiligung bei nur rund 39 Prozent.

Wahlbeteiligung tatsächlich viel geringer?

Es ist zu erwarten, dass die schließlich verlautbarte Wahlbeteiligung höher liegen wird, damit Sisi halbwegs das Gesicht wahren kann. Tatsächlich dürften aber auch die 39 Prozent viel zu hoch gegriffen sein. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Mittwochabend einen westlichen Diplomaten, der nicht namentlich genannt werden wollte, mit der Einschätzung, die Wahlbeteiligung sei in Wahrheit wohl eher zwischen 19 und 28 Prozent gelegen.

Wahlhelfer in einem Wahllokal in Kairo

Reuters/Amr Dalsh

In den Wahllokalen herrschte gähnende Leere

Die Muslimbrüder, deren Präsident Mohammed Mursi vom Militär 2013 gestürzt worden war, hatten zum Wahlboykott aufgerufen. Sie fühlten sich durch die schwache Beteiligung in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Mehrheit der Ägypter die Machtübernahme der Militärführung vom Juli 2013 ablehne. Allerdings führten etliche Nichtwähler auch andere Gründe an. Einige sagten, der Sieg von Sisi stehe ohnehin fest. Andere erklärten, keiner der beiden Kandidaten habe sie überzeugt.

„Nur Stimmen von alten Frauen und Männern“

Sisi sieht sich nicht nur der offenen Gegnerschaft durch Islamisten gegenüber; er hat auch die liberalen Kräfte und die Jugend des Landes, die den Protest gegen den früheren Machthaber Hosni Mubarak trugen, verprellt. „Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein Schlag ins Gesicht für Sisi. Ich hoffe, dass er nun erkennt, dass er nur die Stimmen von alten Frauen und Männern bekommt, aber nicht von uns, der Jugend, die die Mehrheit in diesem Land ausmacht“, zitierte Reuters einen jungen Nichtwähler.

Plakat mit einer Fotomontage aus den gesichtern von Ägyptens ehemaligen Machthaber Hosni Mubarak und dem Militärchef Abdel Fattah al-Sisi

Reuters/Amr Dalsh

Sisis Gegner sehen ihn nur als Verschnitt von Mubarak

Das Wahlergebnis war wenig überraschend. Für Sisi hätten 96,2 Prozent der Wähler gestimmt, berichtete das Staatsfernsehen am Donnerstag nach der Auszählung der meisten Stimmen. Das offizielle Endergebnis soll erst kommende Woche veröffentlicht werden.

Süßes oder Saures

Bis zuletzt hatte Sisis Lager alles versucht, um die Bürger in die Wahllokale zu bringen. Lokale Radiosender hatten am Dienstagabend gemeldet, wer sich nicht an der Wahl beteilige, müsse eine Geldstrafe in Höhe von 500 ägyptischen Pfund (51 Euro) bezahlen. Solche Drohungen hatten allerdings auch bei früheren Wahlen kaum Wirkung gezeigt, da das Geld in der Regel nicht eingetrieben wird. In drei Kairoer Stadtvierteln in der Nähe der Pyramiden wollten Sisi-Sympathisanten Wähler angeblich mit Süßigkeiten in die Wahllokale locken.

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