Themenüberblick

Systematischer Einsatz

Hollywood-Star Angelina Jolie hat zum Abschluss einer viertägigen Konferenz Mitte Juni die Weltgemeinschaft zu dauerhaftem Engagement gegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch in Kriegen aufgerufen.

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„Wir haben geschafft, dass das Thema jetzt ganz oben auf der internationalen Agenda steht“, sagte die UNO-Sonderbotschafterin anlässlich des internationalen Gipfels gegen sexuelle Gewalt in Konflikten in London. „Wir müssen dafür sorgen, dass es so bleibt.“ Jahrzehntelang wurde das Thema zumeist verdrängt oder banalisiert. Erst in jüngerer Vergangenheit wird auch in der Öffentlichkeit und Politik immer klarer wahrgenommen, dass sexuelle Gewalt in Konflikten immer wieder systematisch als Waffe, um etwa die Zivilbevölkerung einzuschüchtern, eingesetzt wird.

Sexuelle Gewalt sei kein „Frauenthema“, betonte Jolie. Systematische Vergewaltigungen und Missbrauch könnten Gesellschaften über Generationen traumatisieren oder ganz zerstören. Vergewaltigungen werden deswegen gezielt als Kriegstaktik eingesetzt, um Überlegenheit zu beweisen, wie unter anderem Amnesty International erklärt. Überlegenheit nicht nur über vergewaltigte Frauen, sondern auch über die Männer, die sie nicht beschützen können.

Kerry: Vernachlässigtes Thema

US-Außenminister John Kerry schloss sich der Schauspielerin und dem britischen Außenminister William Hague an und rief gemeinsam mit ihnen dazu auf, Vergewaltigungen nicht als Kriegswaffe einzusetzen. Kerry bezeichnete Vergewaltigungen in Konfliktregionen als eine der beständigsten und eine der am meisten vernachlässigten Ungerechtigkeiten. Zum Abschluss des vierten und bisher größten globalen Gipfels zu diesem Thema forderten Kerry, Hague und Jolie gemeinsam konkrete Schritte, um sicherzustellen, dass die Täter solcher Verbrechen bestraft und den Opfern geholfen wird.

John Kerry, William Hague und Angelina Jolie

APA/EPA/Facundo Arrizabalaga

Kerry, Hague und Jolie am letzten Tag der Konferenz

Zweijährige Kampagne

Die viertägige Konferenz erhielt vor allem dank des Engagements von Jolie große mediale Beachtung. Jolie startete vor zwei Jahren gemeinsam mit Hague eine Initiative, um das Thema auf die internationale Agenda zu setzen. Dafür besuchten die beiden unter anderem die Demokratische Republik Kongo und Bosnien-Herzegowina und sprachen mit Vergewaltigungsopfern. 2011 kam Jolies Film „In the Land of Blood and Honey“ („Liebe in Zeiten des Krieges“) heraus, in dem es um das Schicksal von im Bosnien-Krieg vergewaltigten Frauen geht.

Jüngste schockierende Fälle von Gewalt gegen Frauen, darunter die Entführung von rund 200 nigerianischen Mädchen und die Fälle von Vergewaltigung und Ermordung indischer Mädchen, lenkten zusätzlich Aufmerksamkeit auf die Konferenz.

Angelina Jolie und Brad Pitt

Reuters/Lefteris Pitarakis

Auch Jolies Mann, Brad Pitt, nahm an der Londoner Konferenz teil

1.200 Teilnehmer beim Gipfel

Rund 1.200 Minister, Regierungsvertreter, Anwälte, Aktivisten und Opfer aus mehr als 120 Ländern nahmen an dem Gipfel teil, der sich auf neue internationale Richtlinien für die Strafverfolgung sexueller Verbrechen einigte. Die Bestrafung all jener, die für sexuelle Gewalt in Konflikten verantwortlich sind, war eines von vier Zielen des Gipfels. Weiters riefen Jolie und Hague zu einer verstärkten Ausbildung von Soldaten und Friedenstruppen zum Schutz von Frauen auf, zu verbesserter Unterstützung und Hilfe für Opfer und grundsätzlich zu Maßnahmen, um weltweit das Bewusstsein für das Thema zu stärken.

Protokoll verabschiedet

Bei der Konferenz wurde ein Protokoll verabschiedet, das die Straflosigkeit „wirklich und wahrhaftig beenden“ soll, wie die US-Schauspielerin sagte. Im Bosnien-Krieg seien bis zu 50.000 Frauen Opfer sexueller Gewalt geworden, sagte Jolie. Aber nur etwas mehr als 60 Täter seien dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden. Die Zahl der Verurteilungen wegen Vergewaltigungen in Kriegsgebieten sei „erbärmlich gering“.

Künftig sollten alle Vergewaltiger wissen, dass auch in der Zeit bewaffneter Konflikte Beweise gesammelt würden. „Sie müssen wissen, dass es nach dem Abschluss von Friedensverträgen keine Straffreiheit für Vergewaltigungen gibt.“

„Kultur der Straflosigkeit erschüttern“

Hague äußerte die Hoffnung, das Protokoll werde eine „wichtige Rolle“ dabei spielen, die „Kultur der Straflosigkeit zu erschüttern“. Tausende von Vergewaltigungen in Ländern wie dem Sudan und Syrien seien „absolut ungesühnt“ geblieben. Künftig müsse es gelingen, die Arbeit von Staatsanwälten, Polizisten und Blauhelm-Soldaten besser zu koordinieren. Das Protokoll werde von den britischen Behörden in zahlreiche Sprachen übersetzt, um diesen Prozess voranzutreiben, sicherte Hague zu.

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