Greenpeace durch Flugaffäre von Vizechefs in Bedrängnis

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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace steht wegen einer Flugaffäre ihres Vizechefs in der Kritik. Greenpeace-Sprecher Mike Townsley sagte gestern, dass Greenpeace-Vize Pascal Husting von seinem Wohnort Luxemburg zur Arbeit „nicht mehr nach Amsterdam fliegt“, sondern künftig den Zug nehmen werde.

Die britische Zeitung „Guardian“ hatte berichtet, dass Husting zweimal pro Monat zwischen seinem Wohnort und der Greenpeace-Zentrale in Amsterdam hin- und herfliege. Die Umweltschützer wurden in der Vergangenheit nicht müde, darauf hinzuweisen, wie schädlich insbesondere Kurzstreckenflüge für das Klima sind.

Greenpeace-Sprecher Townsley warb um Verständnis, indem er auf die Lebenssituation des Vizechefs hinwies: Die Pendelfluglösung sei ein „schwieriger Kompromiss“ für Husting gewesen, der Familie habe und dessen Frau schwanger gewesen sei.

In der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ rechtfertigte sich Hustings selbst mit dem Hinweis darauf, dass er binnen zwei Jahren zweimal umgezogen sei und seine Kinder mit einer neuen Sprache konfrontiert worden seien. Fünf Jahre lang habe er privat kein Flugzeug genutzt.

Umweltschützer kämpfen mit Imageproblemen

Greenpeace verwies zudem darauf, dass die Flugkosten Hustings in Rechnung gestellt worden seien. Die Distanz von rund 400 Kilometern mit dem Auto oder im Zug zurückzulegen hätte deutlich länger gedauert. Anfangs sei Hustings einmal pro Woche gependelt, später zweimal im Monat. „Anfangs war es eine Übergangslösung, aber es hat länger als nötig gedauert“, räumte Townsley ein.

Greenpeace hat bereits mit einem weiteren Imageschaden zu kämpfen: Mitte des Monats wurde bekannt, dass die Organisation durch schwere Fehleinschätzungen bei Währungsgeschäften einen Verlust von 3,8 Millionen Euro erlitten hatte.

Greenpeace Österreich: Regeln werden eingehalten

Vonseiten der Geschäftsführung von Greenpeace in Österreich und Zentral- und Osteuropa hieß es, dass hier die entsprechenden Regeln ausnahmslos eingehalten werden: Flugreisen auf Strecken unter 500 Kilometer seien laut den internen Richtlinien verboten.

Geschäftsführer von Greenpeace in Österreich und Zentral- und Osteuropa, Alexander Egit, sagte, er werde sich „persönlich für Aufklärung einsetzen sowie dafür, dass eine Reihe von Sofortmaßnahmen gesetzt werden, die geeignet sind, um die Managementprobleme bei Greenpeace International rasch zu beseitigen“. Zwar sei kein österreichisches Spendengeld betroffen, dennoch bestehe „die berechtigte Erwartung der Öffentlichkeit, dass Greenpeace hochprofessionelle Managementstandards einsetzt“.