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Erster Weltkrieg auf 1.400 Quadratmetern

Rund zwei Jahre wurde gebaut, auch am Tag vor der Eröffnung wurde in den Hallen der Erster-Weltkrieg-Ausstellung des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) noch vielerorts an Details gefeilt. Am 100. Jahrestag der Ermordung von Franz Ferdinand in Sarajevo konnte das größte HGM-Bauvorhaben seit Jahrzehnten dennoch der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Der Umfang des Bauvorhabens wurde von Museumsdirektor Christian Ortner mit 3,9 Millionen Euro beziffert. Im Rahmen des 2012 mit einem Ideenwettbewerb gestarteten Projekts wurden der Trakt der bisherigen Erster-Weltkrieg-Dauerausstellung samt dem symbolträchtigen Sarajevo-Saal umfangreich erneuert. Unter anderem konnte die Ausstellungsfläche durch Senkung des Raumniveaus und Einziehen einer Zwischendecke um 400 auf 1.400 Quadratmeter erweitert werden.

Verteidigungsminister Gerald Klug und HGM-Direktor Christian Ortner bei der Pressekonferenz

ORF.at/Zita Köver

Zahlreiche Medien aus dem In- und Ausland waren bei der Präsentation vertreten

Erklärtes Ziel: „Über den Tellerrand“ schauen

Ortner machte mit Blick auf die insgesamt 1,2 Millionen Objekte aus der Zeit von 1600 bis Mitte des 20. Jahrhunderts, die das Museum sein Eigen nennt, keinen Hehl daraus, dass man problemlos „drei weitere Häuser“ füllen könnte. Das gilt auch für die Exponate aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Im Rahmen der Umbauarbeiten galt es, nicht nur die rein österreichische Perspektive zu zeigen und eine reine Waffenschau zu liefern, sondern „über den Tellerrand“ zu schauen. Dennoch springen Waffen aller Gattungen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände als Erstes ins Auge.

Eine 81 Tonnen schwere 38-Zentimeter-Belagerungshaubitze, eine durch einen Treffer beschädigte Panzerkuppel aus der schwer umkämpften Festung Przemysl, ein Albatros-Doppeldecker, Granaten ungeheuren Kalibers und auch kurios anmutende Prototypen wie eine Bogenschleuder für Handgranaten dominieren die Säle. Der Grund dafür klingt naheliegend, betrachtet sich das HGM doch als einziges Museum, in dem der militärische Aspekt kompetent dargestellt werden kann.

Verteidigungsminister Gerald Klug und HGM-Direktor Christian Ortner vor dem Attentatsauto

ORF.at/Zita Köver

Ortner und Verteidigungsminister Klug im neu gestalteten Sarajevo-Saal

„Sehr imposant und modern“

In Summe finden in den von Checo Sterneck neu gestaltenen Räume nun 2.000 Objekte Platz, darunter natürlich die bekanntesten Ausstellungsstücke des Hauses: das offene Graef-&-Stift-Automobil des Grafen Harrach, in dem Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo angeschossen wurde, seine blutbefleckte Uniform und die Chaiselongue, auf der er den Verletzungen erlag, sowie eine Attentatswaffe.

Man habe sich für „eine zeitlose, nicht modernen Trends folgende Präsentation“ entschieden, weil die neue Dauerausstellung zumindest zehn bis 15 Jahre bestehen bleiben soll, sagte Ortner: „Wir haben auf Installationen und Emotionalisierung verzichtet und eine nüchterne Darstellung gewählt.“ Außerdem gelte: „Eine Ausstellung kann einen Geschichtsunterricht nicht ersetzen, nur ergänzen.“ „Die neue Ausstellung ist sehr imposant und modern geworden“, sagte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ), der bei der Ausstellungspräsentation die Schau als „eine Hauptsäule der Aktivitäten des offiziellen Österreichs im Ge- und Bedenkjahr zum Ausbruchs des Ersten Weltkriegs“ bezeichnete.

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