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Casinos Austria gehen leer aus

Die Casinolizenzvergaben für Wien und Niederösterreich sind - wie sich bereits angedeutet hatte - mit einer Überraschung zu Ende gegangen. Zwar wollte das Finanzministerium aus Gründen der Amtsverschwiegenheit keine Namen nennen, die beiden Konzessionsnehmer, das Palais Schwarzenberg und der Novomatic-Konzern, bestätigten jedoch am Freitag ihre neuen Lizenzen für drei Standorte.

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Die Entscheidung des Finanzministeriums kommt überraschend, denn der eigens für die Vergabe der Glücksspiellizenzen eingerichtete Expertenbeirat hatte die Casinos Austria ursprünglich für alle drei Standorte erstgereiht. Doch wie es heißt, soll es starke politischen Interventionen gegeben haben. Unter anderen sei Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) aktiv gewesen, worauf das zuständige Gremium diese Woche offenbar seine Meinung änderte. Auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) soll offen für Novomatic eingetreten sein.

Entscheidungskriterien bleiben geheim

Nach welchen Kriterien der Beirat letztlich entschieden hat und wie viele Punkte die einzelnen Bewerber bekommen haben, wurde am Freitag nicht bekanntgegeben. Aus dem Finanzministerium hieß es schlicht: „Das BMF folgte den Empfehlungen des Beirats, die sich im Wesentlichen auf Unterschiede in den Infrastruktur- und Marketingkonzepten sowie den Realisierungswahrscheinlichkeiten der eingerichteten Projekte gründen.“ Insgesamt seien acht Anträge im Umfang von rund 70.000 Seiten eingelangt.

Glücksspieltempel für Bruck/Leitha

Für die Sieger, also das schweizerisch-deutsche Bieterkonsortium um das Palais Schwarzenberg und Novomatic, ergeben sich infolge der Zuschläge neue Möglichkeiten für deren Glücksspielangebot: So darf Novomatic seine Automatenhalle im Wiener Prater zu einem Vollcasino ausbauen. Die Casinos Austria haben mit ihrem Vorhaben, ebenfalls im Prater direkt neben dem Riesenrad eine Spielbank zu errichten, das Nachsehen.

Zudem darf Novomatic seinem Heimatbundesland Niederösterreich einen 17-stöckigen Glücksspieltempel bauen - in Bruck/Leitha. An das Spielerresort soll ein Luxushotel mit mehr als 260 Betten angeschlossen werden. Die lokalen Grünen hatten sich gegen „Klein-Las-Vegas in Carnuntum“ ausgesprochen, die roten und schwarzen Stadtpolitiker setzten sich dafür ein, immerhin sollen in Bruck etwa 200 Arbeitsplätze entstehen.

Auch für Niederösterreich hatten ursprünglich die Casinos Austria mit ihrem Vorhaben in Krems die Nase vorn, die niederösterreichische Landesregierung stellte dem Casinos-Projekt jedoch in einer Stellungnahme ein vernichtendes Urteil aus. Die Landesregierung sprach sich damit offen gegen das - vergleichsweise viel kleinere - Konkurrenzvorhaben aus.

Politisches „Tauschgeschäft“?

„Durch diese Vergabe sind nun die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir auch in unserem Heimatmarkt Österreich unsere internationale Spielbankenkompetenz unter Beweis stellen und unsere Konzernzentrale am Standort Gumpoldskirchen nachhaltig absichern können“, so Novomatic-Generaldirektor Franz Wohlfahrt in einer Aussendung. 500 neue Jobs sollen entstehen. Die Pläne für Wien wollte der Konzern nicht preisgeben.

Die Niederösterreicher haben Medienberichten zufolge vor, in ihrer bestehenden Spielhalle im Prater noch einmal rund 400 Automaten, insgesamt etwa 800 Geräte, aufzustellen. In der Branche galt es schon lange als politisch ausgehandelt, dass Novomatic in der Bundeshauptstadt zum Zug kommt, da die Wiener Stadtregierung ab 2015 das kleine Glücksspiel verbieten will. Daher soll sich auch Wiens Bürgermeister Häupl bei Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) für das Admiral-Casino starkgemacht haben, um Novomatic zu entschädigen. Ansonsten hätte der Konzern seinen Prater-Standort zusperren müssen.

Weg frei für „Grand Casino Wien“

Die zweite Wiener Lizenz, die unter anderem die begehrte Innenstadt einschließt, geht an die Schweizer Grand Casino Baden sowie den deutschen Automatenkonzern Gauselmann. Sie wollen gemeinsam im Palais Schwarzenberg - der Prunkbau steht seit 2006 leer - ein Casino errichten. Das schweizerisch-deutsche Konsortium möchte das Palais für 50 Mio. Euro umbauen, für weitere 18 Mio. Euro würde eine Wiener Firma eine Tiefgarage errichten.

Sollte das „Grand Casino Wien“ Wirklichkeit werden, will die Stiftung der Familie Schwarzenberg einen Teil des acht Hektar großen Palaisparks der Öffentlichkeit zugänglich machen. Plan B wäre der Bau einer Luxussiedlung. Zielgruppe des Palais-Casinos sind superreiche Gäste aus dem Ausland.

Casinos Austria erwägen Klage - „schwerer Schlag“

Die Casinos Austria sind bitter enttäuscht und erwägen eine Klage. „Für die Casinos-Austria-Gruppe ist es ein schwerer Schlag ins Gesicht. Hat es noch vor wenigen Tagen geheißen, dass wir bei den Konzessionsbewerbungen vorne liegen, scheint die Politik auf Zurufe entsprechende Korrekturen vorgenommen zu haben“, sagte Sprecher Martin Himmelbauer. „Wir werden selbstverständlich die Bescheide detailliert prüfen und analysieren und uns in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat alle rechtlichen Schritte und Vorgehensweisen offenhalten.“

„Mutige Entscheidung der Politik“

Der Investor Michael Tojner indes, der gemeinsam mit den börsennotierten Century Casinos in Tojner Hotel Intercontinental eine Spielbank namens Flamingo Casino errichten wollte, schlug einen weit versöhnlicheren Ton an. Man nehme die Entscheidung des Finanzministeriums zur Kenntnis, betrachte aber das siegreiche Palais Schwarzenberg als „tragfähiges Konzept“.

„Wir befürworten die Vergabe an eine dritte ‚Kraft‘ im Lande ausdrücklich - neben den in Österreich tätigen Konzernen Casinos Austria und Novomatic - und finden dies auch eine von der Politik mutige Entscheidung“, so Tojners Firma WertInvest in einer Aussendung. „Wir hoffen, dass der Standort Palais Schwarzenberg rasch entwickelt werden kann und auch zeitgerecht eröffnet wird, um das touristische Angebot im Glücksspielsektor für Wiener Besucher zu erweitern, wovon die gesamte Stadt profitieren wird“, so der unterlegene Investor.

Bisher freihändige Vergabe an Casinos Austria

In Österreich war der Betrieb von Spielbanken bisher den Casinos Austria vorbehalten. Erst in der Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) musste das Finanzministerium die Glücksspielkonzessionen erstmals europaweit ausschreiben. Bisher wurden diese stets freihändig an die Casinos Austria vergeben. Auch beim neuen Verfahren kam die bisherige Monopolistin zum Zug, sie betreibt weiter ihre zwölf Spielbanken in Österreich.

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