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Flüchtlingslager wieder geöffnet

Der Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer reißt nicht ab: 2.600 Migranten wurden am Wochenende von der italienischen Marine vor Sizilien gerettet. Ein Fischerboot mit 350 Menschen erreichte am Montagvormittag die Insel Lampedusa. An Bord des Bootes, das aus Libyen abgefahren war, befanden sich Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia.

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Wegen der großen Zahl an Migranten wurde vorübergehend auch wieder das seit Monaten geschlossene Auffanglager auf Lampedusa geöffnet. Die Flüchtlinge sollen mit einer Fähre nach Sizilien überführt werden. Weitere 100 Migranten erreichten die sizilianische Hafenstadt Ragusa. Das Boot schaffte es an der engen Überwachungskette der italienischen Marine vorbei direkt in die Nähe des Strandes.

68.000 Flüchtlinge seit Jahresbeginn

Am Freitag kamen im süditalienischen Hafen Reggio Calabria mehr als 800 Flüchtlinge an, die von der Marine vor der Mittelmeer-Insel Malta aufgegriffen worden waren. Die Menschen, darunter Dutzende Frauen und Kinder, hätten sich auf drei treibenden Boten befunden, teilten die italienischen Behörden mit.

Karte von Lampedusa

APA/ORF.at

Seit Jahresbeginn haben schon über 68.000 Flüchtlinge Italien erreicht und damit mehr als im gesamten Jahr 2011, das bisher die höchste Flüchtlingszahl aufwies. Die meisten Menschen kommen aus Afrika und der Nahost-Region und fliehen vor Armut und Kriegen Richtung Europa. Die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX geht davon aus, dass die Flüchtlingszahlen in den kommenden Wochen weiter zunehmen werden, weil das Mittelmeer während des Sommers besonders ruhig ist.

Papst ruft zu Solidarität auf

Papst Franziskus rief zur Solidarität mit den Flüchtlingen im Mittelmeer auf. Das Problem müsse „mit der Logik der Gastfreundschaft, nicht mit der Logik der Gleichgültigkeit“ angegangen werden, hieß es in einer am Wochenende veröffentlichten Botschaft an den Bischof Lampedusas. Franziskus hatte die Insel vor einem Jahr besucht, um der zahlreichen Flüchtlinge zu gedenken, die bei der Überfahrt ums Leben kamen. „Ein Jahr danach verschärft sich das Problem noch, und es hat leider in schneller Abfolge weitere Tragödien gegeben“, sagte der Papst.

Treffen der EU-Innenminister in Mailand

Italien, das seit Anfang Juli für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz innehat, will die europäische Flüchtlingspolitik nun verstärkt zum Thema machen, da sich das Land unverhältnismäßig stark belastet sieht. Am Dienstag steht die Problematik auf der Tagesordnung eines Treffens der EU-Innenminister in Mailand. Die Regierung in Rom fordert von den anderen EU-Staaten mehr Unterstützung und will den nationalen Marineeinsatz „Mare Nostrum“ zu einer EU-Operation machen, damit Kosten geteilt und Einsatzkräfte sowie Boote aus anderen Ländern entsandt werden.

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