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Wetter wird entscheidend

Die abschließenden Arbeiten für die Abschleppung des 2012 vor der toskanischen Küste havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ zum Hafen von Genua können am Montag beginnen. Die letzte Genehmigung wurde am Samstag von der nach dem Unglück eingerichteten Kontrollbehörde erteilt.

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Wenn das Wetter mitspielt, soll am Montag damit begonnen werden, das Schiff schwimmfest zu machen, hieß es von der Betreiberin des havarierten Schiffes Costa Crociere. Die Arbeiten sollen sechs bis sieben Tage dauern, dann soll das Wrack schließlich nach Genua abgeschleppt werden, wo es verschrottet wird. Bei der ganzen Aktion handle sich um eine „komplexe und einmalige Operation“, so Costa Crociere. Besonders heikel: Das Wrack hält keine Wellen höher als 2,6 Meter mehr aus.

30 Schwimmkästen sorgen für Auftrieb

In den vergangenen Tagen waren an dem Schiff die letzten der insgesamt 30 Schwimmkästen angebracht worden, mit denen das bereits im September 2013 aufgerichtete Wrack wieder schwimmfähig gemacht werden soll. Dafür wird das Ballastwasser mit Druckluft aus den Kästen entfernt, damit das Wrack den nötigen Auftrieb bekommt. In Summe soll der 290 Meter lange Koloss um rund zwölf Meter angehoben werden und damit transportfähig sein.

Costa Concordia nach der Aufrichtung

AP/Andrew Medichini

Im September 2013 wurde die „Costa Concordia“ aufgerichtet

Für den Abtransport soll das vor zweieinhalb Jahren vor der toskanischen Insel Giglio havarierte Schiff noch einen Tiefgang von 18,5 Metern aufweisen. Die 280 Kilometer lange Strecke in den Hafen von Genua soll dann mit einer Geschwindigkeit von zwei Knoten in 72 bis 96 Stunden zurückgelegt werden, berichtete die Tageszeitung „La Stampa“ am Donnerstag.

Niemand darf sich Konvoi nähern

Insgesamt zehn Schiffe begleiten den Abtransport. Zwei Schiffe ziehen das Wrack, zwei weitere stehen für etwaige Notfälle zur Verfügung. Die restlichen Schiffe halten sich zum Einsatz bereit, sollte es etwa zu umweltgefährdenden Zwischenfällen kommen. Der Transport wird auch von Meeresbiologen begleitet, die dafür sorgen sollen, dass sich Delfine dem Konvoi nicht zu sehr nähern. Die „Costa Concordia“ wird bei der Überstellung ein als „Heiligtum der Wale“ genanntes multinationales Meeresschutzgebiet zwischen Sardinien und den Küsten der italienischen Regionen Ligurien und Toskana durchqueren.

Costa Concordia vor der Aufrichtung

Reuters/Alessandro Bianchi

Die „Costa Concordia“ lief knapp vor Giglio auf einen Felsen auf

Schiffe der Küstenwache und der Polizei werden zudem dafür sorgen, dass sich auch kein Mensch in einem Umkreis von drei Seemeilen unerlaubt dem Konvoi nähert. Der Flugraum über dem Gebiet, das vom havarierten Luxusliner befahren wird, wird ebenfalls geschlossen. Medienleute, die über die spektakuläre Operation berichten wollen, werden sich mit den offiziellen Bulletins, Fotos und Videoaufnahmen begnügen müssen, die der Zivilschutz liefern wird. Der Cheflotse in Genua, Giovanni Lettich, wird den Einzug des Schiffes in den Hafen koordinieren. Er war auch bei Einweihung des Schiff 2006 an Bord des Kreuzers.

32 Menschen starben bei dem Unglück

Die „Costa Concordia“ hatte am Abend des 13. Jänner 2012 bei einem riskanten Manöver einen Felsen gerammt und war mit 4.229 Menschen an Bord nur wenige Meter vor der Toskana-Insel Giglio in Schieflage geraten. Bei dem Unglück starben 32 Menschen. Der Kapitän Francesco Schettino verließ das riesige Kreuzfahrtschiff per Rettungsboot und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurück, obwohl die meisten Passagiere noch festsaßen. Er muss sich vor Gericht verantworten.

Die Kosten für die Bergung der „Costa Concordia“ und für die Entschädigungen belaufen sich dem Chef der Reederei zufolge auf 1,5 Milliarden Euro. In dieser Schadenssumme seien die Einnahmeverluste aber noch nicht enthalten, zudem hätte das Kreuzfahrtschiff noch 25 Jahre fahren und erhebliche Gewinne machen können. Das Unternehmen will nach dem Abschluss des Strafprozesses gegen Schettino Schadenersatz gegen ihn geltend machen.

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