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Die Gefahren der totalen Vernetzung

Die boomende Vernetzung von Geräten und Systemen birgt laut dem US-Geheimdienst CIA unzählige Gefahren. Denn durch die Anbindung an das Internet würden auch bisher „dumme“ und sichere Geräte wie Kühlschränke, Thermostate, Waschmaschinen und Glühbirnen immer anfälliger für Angriffe durch Hacker.

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Rund um den Jahreswechsel gab es laut dem Sicherheitsunternehmen Proofpoint eine breit angelegte Spamwelle, bei der rund 750.000 Spam-E-Mails verschickt wurden. Der große Unterschied zu anderen Massen-E-Mails waren die dabei verwendeten Geräte: Neben zumindest einem Kühlschrank waren auch Mediaplayer und smarte, also mit dem Internet vernetzte, Fernseher daran beteiligt. Insgesamt 100.000 Geräte wurden laut Proofpoint bei dem Angriff eingesetzt. Laut dem Internetmagazin Quartz wurde damit das erste Mal aufgezeigt, dass auch Gadgets wie bisher vor allem Computer zu ferngesteuerten Zombies werden können.

Wenn Kleidung den Träger „verrät“

Und die Möglichkeiten für Hacker werden schnell mehr. Auch Glühbirnen und Kleidung seien mittlerweile immer öfter „intelligent“ und würden nicht nur im Zuge des Cyberwars eine ganze neue Bedrohung darstellen, warnt Dawn Meyerriecks, CIA-Direktorin für Wissenschaft und Technologie, bei einer Sicherheitskonferenz in Aspen in den USA laut dem Internetmagazin Defenseone. Kleidung, die etwa darauf ausgelegt ist, den Gesundheitszustand eines Menschen zu überwachen, könnten im Gegenzug auch zu Problemen bei der Sicherheit und Transparenz führen, fürchtet Meyerriecks.

„Es geht um die Zusammenführung der physischen und der digitalen Welt“, so Meyerriecks, „wenn wir das nicht ordentlich hinbekommen, haben wir sehr große Probleme.“ Dabei geht es neben einer Fernsteuerung auch um die Datenhoheit. Denn mit der Menge der gesammelten Daten wächst auch der Wunsch, drauf zugreifen zu können - etwa vom Arbeitgeber, der überprüfen möchte, ob seine Mitarbeiter auch gesund sind oder in naher Zukunft ausfallen könnten.

Das Ziel der Vernetzung ist schließlich, dass die Geräte untereinander und mit Serviceanbietern Daten austauschen. Damit ist es dann etwa möglich, dass ein Kühlschrank automatisch Milch nachbestellt, sobald keine mehr da ist - im Fall eines Hacks womöglich auch mehrere Hektoliter.

Auch Glühbirnen und Autos können gehackt werden

Beispiele für Angriffe auf smarte Geräte gibt es reichlich: Anfang Juli wurde bekannt, dass vernetzte LED-Glühbirnen nicht nur vom Wohnungsinhaber via Smartphone gesteuert werden können. Der Securityspezialist Context Security fand heraus, dass LIFX-Glühbirnen bei der Kommunikation Zugangsdaten für das jeweilige WLAN mitschickten. Die Information konnte ausgelesen werden, indem eine weitere Leuchte virtuell ins Netzwerk eingefügt wurde. Mit den so erhaltenen Daten konnten dann schließlich alle Leuchten von den Spezialisten kontrolliert werden, berichtet die BBC. Die Lücke wurde mittlerweile vom Anbieter geschlossen.

Auch Autos sind vor Hackerangriffen nicht mehr gefeit. Chinesischen Studenten ist es gelungen, ein Elektroauto des Herstellers Tesla zu hacken - bei voller Fahrt. Sie öffneten alle Türen und das Schiebedach, betätigten die Hupe und schalteten die Lampen ein. Gegenüber dem „Spiegel“ (Onlineausgabe) erklärte Tesla, sich umgehend um das Problem zu kümmern. Demnach brauchten die Hacker einige Tage, um in das Auto einzudringen - geschafft haben sie es aber. Auf einer Hackerkonferenz schafften es Hacker vergangenes Jahr auch, die Bremsen eines Toyotas fernzusteuern.

Ganze Gebäude könnten vernetzt werden

Die Zahl der vernetzten Geräte steigt laut dem US-Marktforscher Gartner exponentiell: Bereits 2020 sollen 26 Milliarden physische Objekte digital vernetzt sein, der Mobilfunkausrüster Ericsson erwartet gar 50 Milliarden. Dabei geht es nicht nur um den Haushalt oder den Arbeitsplatz. Die weitverbreitete Zukunftshoffnung der Smart City baut ebenfalls auf möglichst breite Vernetzung - sei es die Straßenlampe, die über Mobilfunknetz ferngesteuert werden kann, oder der Parkplatz, der automatisch Bescheid gibt, sobald er frei ist, bis hin zum „intelligenten“ Mistkübel und dem „intelligenten“ Stromnetz, das Strom etwa in unbenutzten Elektroautos speichert.

Schließlich sollen ganze Gebäude auf Basis gemessener Daten autonom Entscheidungen treffen - etwa bei der Regulierung des Klimas im Gebäude. In den USA gab es vor kurzem eine Warnung, dass auch Verkehrszeichen nicht vor Angriffen von Hackern gefeit sind, nachdem etwa in San Francisco eine Warnung vor Godzilla auf einem solchen Zeichen erschien.

Kein Gerät ist vor Angriffen sicher

Grundsätzlich ist kein vernetztes Gerät vor einem Angriff sicher - nicht zuletzt, weil in vielen Geräten die gleichen digitalen Bauteile verbaut werden. Zudem achten zu wenige Hersteller - auch mangels Erfahrung in diesem für sie meist neuen Bereich - auf ausreichende Sicherheit bei ihren smarten Geräten.

Vor kurzem haben sich Branchengrößen wie Intel und Samsung aber darauf verständigt, einen gemeinsamen Standard für die Kommunikation schaffen zu wollen, damit auch Geräte unterschiedlicher Hersteller miteinander Daten austauschen können. Intel will dabei auch gleich ein Anti-Viren-Programm in jeden Chip einbauen.

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