US-Dokumentarfilmer Robert Drew gestorben

Der US-Dokumentarfilmer Robert Drew ist tot. Der Filmemacher, der als Pionier des sogenannten Direct Cinema galt, starb gestern im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Connecticut. Er prägte vor allem den politischen Dokumentarfilm der 60er und 70er Jahre. Sein persönlicher Stil wurde quasi zum Stil eines ganzes Genres, der noch heute als Standard gilt.

Drew, der im Zweiten Weltkrieg als Kampfpilot in Italien nach einem Abschuss drei Monate hinter den feindlichen Linien überlebte, hatte in den 1960er Jahren eine Kamera und ein Mikrofon entwickelt, die kleiner und leichter zu handhaben waren als frühere Geräte und ihm damit einen direkteren Zugang zum Gegenstand seiner Filme erlaubten.

Von JFK bis Jane Fonda

Drews erster Dokumentarfilm „Primary“ (1960) war über den Wahlkampf des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy im Bundesstaat Wisconsin. In „Crisis: Behind a Presidential Commitment“ (1963) setzte er sich mit der Entscheidung Kennedys auseinander, den Zugang schwarzer Kinder zu den Schulen zu unterstützen, die bis dahin den Weißen vorbehalten waren. Für seinen Film „Man Who Dances“ über den New Yorker Ballett-Tänzer Edward Villela gewann er 1969 einen Emmy Award.

Drew beschäftigte sich auch in seinen anderen Filmen mit Stars und Politik. So drehte er 1960 „Yanki No!“ über den wachsenden Antiamerikanismus in Lateinamerika und „The Chair“ (1963) über einen Anwalt, der die Hinrichtung seines Mandanten auf dem elektrischen Stuhl verhindern wollte. In „Jane“ zeichnete er 1962 den Aufstieg der Schauspilerin Jane Fonda nach. Insgesamt drehte Drew mehr als 100 Filme im Genre des Direct Cinema, das sich um einen unmittelbareren Zugang zur Realität bemühte.