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„Vergeltung für Militäroffensive“

Aus Rache für die amerikanischen Luftschläge im Irak hat die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben einen US-Journalisten enthauptet. Die Gruppe veröffentlichte am Dienstag ein Video im Internet, das die Tötung des Fotografen James Foley zeigen soll. Der Reporter wird nach Angaben seiner Unterstützer seit 2012 vermisst. Er habe sich zuletzt in Syrien aufgehalten.

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Die Terroristen gaben laut „Washington Post“ an, Foley aus Vergeltung für die Militäroffensive gegen sie umgebracht zu haben. Es handle sich um „eine Botschaft an Amerika“. Sollte Washington seine Luftschläge nicht einstellen, würden weitere Reporter sterben. In dem Video erscheint laut der Zeitung auch ein anderer US-Journalist, der ebenfalls während der Berichterstattung in Syrien verschwunden war.

Archivbild des US-Pressefotografen James Foley

APA/EPA/Nicole Tung

James Foley

Geheimdienste prüfen Echtheit

Die Echtheit des Videos wurde zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt. „Die Geheimdienste arbeiten so schnell wie möglich, um die Authentizität festzustellen“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates von US-Präsident Barack Obama. „Falls es echt ist, dann sind wir entsetzt über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten.“ Obama wurde noch auf dem Rückflug in den Urlaub an Bord der Air Force One vom stellvertretenden Sicherheitsberater Ben Rhodes über das Video informiert.

Was auf dem Video zu sehen ist

Das Video zeigt zunächst Fernsehbilder von Obama, wie er die jüngsten Luftangriffe auf Stellungen von IS im Irak bekanntgibt. Anschließend ist ein kniender Mann zu sehen, bei dem es sich um Foley handeln soll. Dieser ruft seine Familie und Freunde auf, gegen die US-Regierung als „eigentlichen Mörder“ vorzugehen. Ein zweiter, maskierter Mann mit einem Messer steht neben Foley. Dieser wirft den USA vor, bei den Luftangriffen Muslime getroffen zu haben. „Sie kämpfen nicht mehr gegen einen Aufstand“, sagt er an die USA gerichtet. „Wir sind eine islamische Armee und ein Staat, der von einer großen Zahl von Muslimen weltweit anerkannt wird.“ Danach wird die Enthauptung gezeigt.

Auch zweiter Vermisster offenbar in Gefangenschaft

Zuletzt wird ein zweiter Gefangener vorgeführt, der in einem Schriftzug als Steven Sotloff identifiziert wird. „Das Leben dieses amerikanischen Bürgers, Obama, hängt von Ihrer nächsten Entscheidung ab“, sagt der Maskierte. In dem Video werden arabische und englische Schriftzüge verwendet. Der maskierte Mann spricht Englisch mit britischem Akzent. Foley war fünf Jahre in Syrien tätig und wurde am 22. November 2012 von Unbekannten entführt. Sotloff wird seit Juli 2013 vermisst, ebenfalls in Syrien.

Foley gilt als renommierter Fotograf, der als freier Journalist für verschiedene Redaktionen arbeitete. Zahlreiche seiner Kollegen äußerten sich in Sozialen Medien bestürzt über seinen möglichen Tod. Unterstützer riefen dazu auf, das Video nicht anzuschauen oder zu teilen, um den Terroristen keine Genugtuung zu verschaffen.

„In Blut ertränken“

IS droht auch mit Terrorzielen im Ausland. Bereits Montagabend tauchte laut Reuters ein Drohvideo gegen die USA auf. Angesichts der Luftschläge im Nordirak werde IS Bürger der USA „überall“ angreifen, sollten bei den Luftschlägen IS-Kämpfer sterben. In dem Video wird laut Bericht der Nachrichtenagentur ein Foto von einem Amerikaner gezeigt, der während der US-Besetzung im Irak geköpft wurde. Auch Opfer von Scharfschützen wurden gezeigt. „Wir werden euch alle in Blut ertränken“, hieß es in einem englischen Statement in dem Video. Ob bereits in diesem Video die Hinrichtung Foleys zu sehen ist, ist unklar.

Erste Erfolge gegen Dschihadisten

Die US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf die Terrormiliz fort. Auch Dank des US-Einsatzes gelingt es kurdischen Kämpfern und den irakischen Streitkräften, die Dschihadisten allmählich zurückzudrängen. Die USA rechnen jedoch nicht mit einem baldigen Ende ihrer Militäroperationen in dem ölreichen arabischen Land. Nach der Rückeroberung des Staudamms von Mossul begann am Dienstag eine Militäroffensive zur Vertreibung der Dschihadisten aus der Stadt Tikrit, der Geburtsstadt des hingerichteten Langzeitmachthabers Saddam Hussein. Die Armee meldete wenige Stunden später erste Erfolge.

Irakische Soldaten rückten Sicherheitskreisen zufolge in Begleitung von Kampfhubschraubern nach Tikrit vor und schlugen die Extremisten in die Flucht. Staatliche Medien meldeten, dass Regierungstruppen das Gebäude der Provinzregierung von Salaheddin zurückeroberten. Auch einige Universitätsgebäude und ein Krankenhaus wurde laut Sicherheitsbehörden unter die Kontrolle der Armee gebracht. Tikrit liegt rund 170 Kilometer von Bagdad entfernt. Die schwer bewaffneten IS-Kämpfer hatten die Stadt im Juni erobert. Mehrere irakische Versuche, die Stadt zurückzuerobern, waren bisher gescheitert.

Obama bereitet Amerikaner auf längeren Einsatz vor

Im Norden des Landes werden die Kurden im Kampf gegen IS von US-Kampfflugzeugen unterstützt. US-Präsident Obama stellt sich auf einen längeren Militäreinsatz ein. „Es wird Zeit brauchen“, sagte Obama am Montag (Ortszeit) in Washington. „Es sollte keinen Zweifel daran geben, dass das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin die begrenzten Einsätze ausführen wird, die ich gebilligt habe.“

Es gehe weiter darum, die Extremisten zurückzudrängen, um Amerikaner und US-Einrichtungen zu schützen. Zugleich stellte Obama klar: „Wir schicken nicht Tausende US-Truppen zurück auf den (irakischen) Boden.“ Den Vorstoß kurdischer Kämpfer zum strategisch wichtigen Mossul-Staudamm lobte Obama als wichtigen Schritt. Ein Bruch des Staudamms würde Tausende Menschenleben sowie die große US-Botschaft in Bagdad gefährden. Obama drängte den designierten irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, eine neue Regierung unter Einschluss aller Volksgruppen zu bilden. „Der Wolf steht vor der Tür“, sagte er über den Vormarsch des IS im Irak.

Kein NATO-Einsatz

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte dem WDR/NDR-Studio Brüssel: "Das sind Terroristen. Die werden eine Bedrohung darstellen. Und zwar nicht nur für den Irak, sondern für die ganze Welt, wenn wir deren Vormarsch nicht aufhalten." Ein NATO-Einsatz im Irak - vergleichbar dem in Afghanistan - stehe aber derzeit nicht zur Debatte.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) will neue Hilfslieferungen für rund eine halbe Million Menschen in den Nordirak bringen. Ab Mittwoch sollen Lufttransporte sowie Lieferungen über Land und über das Meer aus der Türkei, Dubai und Jordanien in die Krisenregion kommen. Rund 1,2 Millionen Iraker sind seit Anfang 2014 wegen der heftigen Kämpfe in ihrem Land und des Vormarsches der IS-Miliz auf der Flucht.

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