Österreichs Diplomaten sehen neue Weltordnung

Zehn österreichische Botschafter, vorwiegend aus Krisenregionen, haben gestern Abend bei einer Diskussion im Wiener RadioKulturhaus zu aktuellen Konflikten etwa im arabischen Raum und der Ukraine Stellung bezogen. Eine große Herausforderung sei, dass internationale Regeln derzeit häufig gebrochen werden, so der Tenor. Es bahne sich eine neue Weltordnung an.

Österreichs Botschafter in der Ukraine, Wolf Dietrich Heim, sieht etwa die Lage dort „nicht sehr optimistisch“. Würde Kiew auf Moskaus Forderungen eingehen, käme das einer Ohnmacht und der Aufgabe ukrainischen Territoriums gleich, sagte Heim. Zugleich verwies er darauf, dass Österreich einer der großen Investoren in der Ukraine sei, vor allem im Finanzsektor.

Plassnik kritisiert Putin heftig

Es sei sehr schwierig, mit jemandem zu arbeiten, der sich nicht mehr an internationale Abkommen halte, sagte die frühere ÖVP-Außenministerin Ursula Plassnik. Putin spiele ein „Verwirrspiel“ und habe das ihm entgegengebrachte Vertrauen mehrmals gebrochen, sagte Plassnik, die als Botschafterin in Paris im Einsatz ist. Alles, was einmal gegolten habe, scheine derzeit außer Kraft gesetzt.

Das Brechen von internationalen Abkommen ist aber nicht nur in der Ukraine-Krise einThema, sondern auch in den Konflikten im asiatischen Raum. Die in Peking stationierte Botschafterin Irene Giner-Reichl sprach davon angesichts des Inselstreits zwischen China und Japan. „Das Verletzen von Spielregeln ist ein großes Thema geworden“, sagte auch der derzeit in London stationierte Botschafter Emil Brix angesichts der Entwicklungen in aktuellen Konflikten.

„Neue Ordnungen“ überall

Ein neues globales Kräfteverhältnis bahne sich an, der Ausgang sei derzeit noch offen, so der Tenor der Diplomaten. China habe sich in den letzten Jahren sehr um eine Annäherung an die USA bemüht. Die Ukraine-Krise verändere aber das Kräfteverhältnis, sagte Giner-Reichl.

Die Beziehungen zwischen Peking und Moskau gestalteten sich zurzeit „wesentlich wärmer und enger“, etwa auf wirtschaftlicher Ebene. Neue Ordnungen brächten auch die Konflikte in Syrien und im Irak mit sich.

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bahne sich eine Allianz zwischen den USA, dem Iran, Saudi-Arabien und weiteren Staaten in der Region an. Die „alte Ordnung“ im Nahen Osten – im Libanon, in Syrien und im Irak – gibt es laut Syrien-Botschafterin Isabel Rauscher „nicht mehr“.

Die Konflikte griffen ineinander, man erlebe in der Region derzeit „einen Vulkanausbruch“. Die Konflikte würden „noch länger nicht vorbei“ sein. Die anderen Diplomanten stimmten zu. Wie die „neue Ordnung im Nahen Osten“ am Ende aussehen werde, so der in Tel Aviv stationierte Franz Josef Kuglitsch, „weiß man nicht“.