Team Stronach will Armenhäuser wiederbeleben

Mit ungewöhnlichen Vorschlägen, um das „Ausnutzen unseres Sozialsystems“ zu verhindern, wartet der Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Christoph Hagen auf: Er will Armenhäuser und Lebensmittelmarken ins Auge fassen, wie er gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ (Dienstag-Ausgabe) sagte. Mit der Mindestsicherung würden die Menschen „zum Nichtstun erzogen“.

„Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“, so Hagen. „Warum braucht ein Alleinstehender eine Zweizimmerwohnung, die von der BH (Bezirkshauptmannschaft, Anm.) gestellt wird? Warum braucht ein Mindestsicherungsempfänger ein Handy, einen Fernseher oder einen Laptop?“, fragt sich der Abgeordnete.

„In Armenhäusern wird man versorgt“

Seiner Meinung nach hätte etwa das Wiederbeleben von Armenhäusern Sinn: „Wenn du da mal drinnen bist, dann bemühst du dich, wieder einen Job zu bekommen.“ Er wolle niemanden fallenlassen, „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, meinte Hagen.

„In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang.“ Ein kleines Einzelzimmer mit Bett solle die Privatsphäre garantieren.

Bei Familien müsse man natürlich schauen, dass „die Kinder nicht unter die Räder kommen“, nach Hagens Vorstellungen aber nicht in Form von rein finanziellen Zuschüssen, sondern gezielt über Lebensmittelmarken, die nicht gegen Zigaretten und Alkohol eingetauscht werden könnten.

NEOS „schockiert“

NEOS zeigte sich in einer Reaktion „schockiert“ über das „mittelalterliche Menschenbild“ des Teams Stronach (TS). „Die Forderung nach Armenhäusern und Lebensmittelmarken stellen jegliche Errungenschaft moderner Sozialstaaten infrage“, meinte Sozialsprecher Gerald Loacker in einer Aussendung.

Die Pläne von Hagen würden „zu einer Erniedrigung sozial bedürftiger und meist ohnehin schon stigmatisierter Menschen führen“, so Loacker. Im Bürgergeldmodell von NEOS zahle sich Erwerbstätigkeit aus, ein Zuverdienst neben einer Sozialleistung würde diese nur um einen Teil verringern, anstatt sie ganz wegfallen zu lassen, so Loacker.