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Warnung an Damaskus

Die USA haben eine neue Phase im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak eingeläutet. Erstmals bombardierte die US-Luftwaffe ein Ziel südwestlich der Hauptstadt Bagdad, um irakische Truppen zu unterstützen.

US-Kampfflugzeuge hatten die Extremisten zuvor lediglich im Norden des Landes angegriffen, wo diese große Gebiete kontrollieren. Mit den Angriffen sollten unter anderem bedrohte Minderheiten geschützt werden. Im August waren Zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden vor dem Vorstoß der IS-Kämpfer in das nördliche Sindschar-Gebirge geflüchtet. In einer Rede hatte US-Präsident Barack Obama vergangene Woche verstärkte Angriffe auf IS-Stellungen angekündigt.

Hilfe bei Start von Offensive

Wie das US-Zentralkommando mitteilte, war die Attacke auf die IS-Stellung nahe Bagdad vom Montag der erste Schritt des von Obama angekündigten „ausgeweiteten“ Einsatzes. Ziel war es demnach, den irakischen Truppen beim Start einer Offensive zu helfen. Ein Vorrücken von IS-Kämpfern in Richtung Bagdad sei nicht der Grund des Angriffs gewesen. Der US-Sender CNN zitierte einen US-Regierungsvertreter, wonach der Angriff rund 35 Kilometer entfernt von der Hauptstadt erfolgte. Nach Angaben des Militärs wurden am Sonntag bei Luftangriffen in der Sindschar-Region zudem sechs IS-Fahrzeuge zerstört.

Syrien vor Angriffen auf US-Jets gewarnt

Ein ranghoher US-Beamter warnte am Montag die syrische Armee von Staatschef Baschar al-Assad vor Angriffen auf US-Flugzeuge, sobald diese mit Luftangriffen gegen IS-Kämpfer in Syrien vorgingen. Das US-Militär werde in einem solchen Fall zurückschlagen, um die eigenen Piloten zu schützen. Ein syrischer Minister hatte nach der Ankündigung von US-Luftangriffen auf den IS in Syrien gesagt, jeder Angriff gegen die Gruppe auf syrischem Territorium ohne Zustimmung aus Damaskus werde als Angriff auf Syrien gewertet.

IS rekrutiert in Türkei

Die Terrormiliz rekrutiert nach Informationen der „New York Times“ zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu 1.000 Türken hätten sich bisher der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt am Montag (Ortszeit) unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben. Die neuen Kämpfer fühlten sich sowohl von der Ideologie der Miliz als auch von der Bezahlung angezogen.

Das Blatt berichtete von einem 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen al-Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen.

Allianz steht

Vertreter von mehr als 20 Ländern hatten sich am Montag bei einer Konferenz in Paris auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die sunnitischen Extremisten verständigt. Dazu sollten in Absprache mit der irakischen Regierung alle notwendigen Mittel eingesetzt werden. Das umfasst nach dem Willen der beteiligten Länder auch ein militärisches Vorgehen.

Die Pariser Konferenz einigte sich nach Angaben des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier und seines französischen Kollegen Laurent Fabius darauf, auch gegen die Finanzquellen der Terrormiliz vorzugehen. Dazu werde es bald eine Initiative aus Bahrain geben, kündigte Fabius an.

Enthauptungen „strategischer Fehler“

Die Miliz hatte am Wochenende ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel im Internet veröffentlicht. Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als „strategischen Fehler“. Aus Wut über diese Morde hätten sich die Amerikaner schnell für einen Militäreinsatz gegen die Extremisten ausgesprochen, zitierte die „New York Times“ den Präsidenten.

Keine Infos zu Verbleib von Geiseln

In Syrien halten die Extremisten auch einen 47-jährigen Briten gefangen, mit dessen Ermordung sie gedroht haben. Der britische Außenminister Philip Hammond sagte in Paris, die Suche nach ihm und möglichen anderen Geiseln sei bisher erfolglos. „Wenn wir wüssten, wo sie sind, wäre das eine andere Geschichte, aber wir wissen nicht, wo sie sind“, sagte Hammond über einen möglichen Einsatz von Spezialeinsatzkräften. Der Mann aus Manchester hatte sich im vergangenen Jahr an einem Hilfskonvoi für syrische Kinder beteiligt und war in die Hände des IS geraten.

Verteidigungsminister Chuck Hagel und Generalstabschef Martin Dempsey sollen das weitere Vorgehen nun vor dem Streitkräfteausschuss des Senats erläutern. Dabei müssen sie sich auf harte Fragen der Mitglieder gefasst machen. Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Obama gefordert die „moderaten“ syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen den IS. Die Terrormiliz kontrolliert auch Teile des Nachbarlandes Irak.

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