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UNO warnt vor Treibhausgasen

Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hat nach einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) 2013 einen neuen Höchststand erreicht. Zugleich seien die gasabsorbierenden Ozeane von einer „beispiellosen“ Übersäuerung betroffen.

Die Kohlendioxidkonzentration ist seit 30 Jahren nicht so stark angestiegen wie von 2012 auf 2013. Das ist dem Anfang September in Genf veröffentlichten Jahresbericht der UNO-Organisation zu entnehmen. Die CO2-Konzentration sei im vergangenen Jahr auf 142 Prozent des vorindustriellen Wertes (1750) gestiegen, schreiben die Klimaexperten. Die Methan-Konzentration sei bei 253 Prozent, die Lachgaskonzentration bei 121 Prozent des vorindustriellen Wertes gelegen. Alle drei Werte seien neue Höchststände, erklärte die WMO.

„Uns läuft die Zeit davon“

„Wir wissen mit Gewissheit, dass sich das Klima wandelt und die meteorologischen Bedingungen wegen des menschlichen Verhaltens immer extremer werden“, sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorstellung des Berichts. „Wir müssen den Trend stoppen, indem wir den Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen zurückfahren. Uns läuft die Zeit davon.“

Ein weiterer alarmierender Trend, den die WMO feststellte: Der sogenannte Strahlungs- oder Klimaantrieb (Radiative Forcing), der durch die Treibhausgaskonzentration verändert wird, nahm von 1990 bis 2013 um 34 Prozent zu. 80 Prozent davon sei auf CO2 zurückzuführen. Außerdem haben die Gase, die in Ozeanen gespeichert werden, weitreichende Konsequenzen.

Meere sauer wie seit 300 Mio. Jahren nicht

Täglich würden die Weltmeere rund vier Kilogramm CO2 für jeden auf der Erde lebenden Menschen aufnehmen. Der Säuregehalt der Ozeane sei dadurch auf den höchsten Stand seit mindestens 300 Millionen Jahren gestiegen, schreiben die Fachleute.

„Vergangene, gegenwärtige und künftige CO2-Emissionen werden eine kumulative Auswirkung auf die Klimaerwärmung und die Säuerung der Ozeane haben“, sagte Jarraud. „Die Gesetze der Physik sind nicht verhandelbar.“ Konzertierte internationale Aktionen gegen den Klimawandel seien dringender nötig denn je, so Jarraud weiter. Während der CO2-Ausstoß zunehme, gehe die Aufnahmefähigkeit der Biosphäre für solche Gase weiter zurück. „Wir haben die Kenntnisse und auch die Werkzeuge, um den Temperaturanstieg auf unserem Planeten bei maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen und dadurch unseren Kindern und Enkeln eine Zukunft zu ermöglichen“, sagte Jarraud. Es gebe keine Entschuldigung dafür, das nicht zu tun.

„Handlungsauftrag“ und „Warnschuss“

„Der aktuelle UNO-Bericht mit neuen Höchstwerten an CO2-, Methan-und Lachgaskonzentrationen ist ein klarer internationaler Handlungsauftrag“, kommentierte Klima- und Energiesprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000, Johannes Wahlmüller. Anstatt neue Kohlekraftwerke zu bauen, müsse der Ausstieg aus der fossilen Energie „kraftvoll und so rasch wie möglich“ auch in Österreich angegangen werden.

Greenpeace beurteilte den veröffentlichten Bericht „als einen Warnschuss für die Weltgemeinschaft, sich jetzt für ambitionierte Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen einzusetzen“. Es bleibe keine Zeit mehr, die Klimakatastrophe auf die lange Bank zu schieben.

China und USA am Pranger

Hinter China sind die USA der größte Klimasünder. Beide Länder blasen die mit Abstand größten Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft. US-Präsident Barack Obama hatte den Kampf gegen den Klimawandel bereits 2008 zum Wahlkampfthema gemacht.

Der große Wurf aber gelang ihm - auch wegen der starken Opposition im eigenen Land - trotz einiger erfolgreicher Initiativen bis heute nicht. Auch bei internationalen Konferenzen traten die USA, gemeinsam mit China, bisher meist auf die Bremse.

Düstere Aussichten für USA

Doch ein im Mai veröffentlichter Klimabericht der Regierung zeigt für die USA düstere Perspektiven auf und versucht, die Öffentlichkeit wachzurütteln: Die Temperaturen dürften in den kommenden Dekaden um ein bis zwei Grad Celsius anziehen. Der Meeresspiegel könnte bis zum Ende des Jahrhunderts erheblich ansteigen - mit schweren Folgen für Küstenstädte wie etwa Miami. Millionen Amerikaner seien von den Folgen des Klimawandels konkret betroffen, Experten sprachen von einem „Weckruf“.

Obamas Ziel: Bis 2030 sollen die US-Kraftwerke insgesamt 30 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als noch 2005. Ob die geplante Regulierung allerdings wie geplant 2015 verbindlich wird, bleibt ungewiss. Denn Energielobby und Republikaner halten den Plan für „verrückt“. Sie wollen erbitterten Widerstand leisten.

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