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Landeshauptmann-Partei braucht Partner

Aus Sicht der ÖVP war die Landtagswahl in Vorarlberg am Sonntag keine gelungene Generalprobe für das Wahljahr 2015. Die Landeshauptmannpartei verlor die absolute Mehrheit und blieb gerade noch über 40 Prozent. Die ORF-SORA-Wählerstromanalyse zeigt relativ klare Tendenzen - jedoch auch Überraschungen.

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Besonders viele Wähler verlor die ÖVP an Grüne und FPÖ - von 91.000 Stimmen bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2009 wanderte immerhin fast jede neunte Stimme an die FPÖ (10.000) und jede zehnte Stimme (9.000) an die Grünen. Nicht in erwartetem Maße konnte NEOS von der Abwanderung aus dem Wählerpool der ÖVP profitieren - an diese Partei gingen lediglich 3.000 ehemalige ÖVP-Stimmen. Sogar im Pool der Nichtwähler sammelten sich mit 5.000 mehr ehemalige ÖVP-Stimmen.

Dieter Egger (FPÖ), Sabine Scheffknecht (NEOS), Markus Wallner (ÖVP), Johannes Rauch (GRÜNE) und der Michael Ritsch (SPÖ)

APA/Georg Hochmuth

Die Spitzenkandidaten der im neu gewählten Landtag vertretenen Parteien

Eindeutige Trends

Die treuesten Wähler haben ÖVP und Grüne, wie die Wählerstromanalyse ausweist. Die Volkspartei konnte 66 Prozent der Wähler von 2009 erneut für sich gewinnen, auch die Grünen schafften das. Die FPÖ kam hier auf 57 Prozent, die SPÖ auf 56 Prozent. Doch die Trends zeigen eine für die ÖVP alarmierende Entwicklung: So kam die Partei bei den unter 29-Jährigen auf einen Stimmenanteil von nur 13 Prozent. Besonders stark war in dieser Wählerschicht die FPÖ mit 37 Prozent - die SPÖ kam gerade einmal auf sieben Prozent. SPÖ und ÖVP kamen in dieser Altersschicht zusammen auf 20 Prozent.

Wahltagsbefragung Vorarlberg 2014

ISA/SORA/ORF

NEOS fischte vor allem im Pool der Nichtwähler, etwa die Hälfte der Wähler der erstmals angetretenen Partei waren 2009 nicht zur Wahl gegangen. Ansonsten kamen Stimmen in geringem Ausmaß von allen anderen Parteien, jedoch weit weniger als im Vorfeld erwartet von der ÖVP.

ÖVP bei Frauen besser

Auch im Wahlverhalten nach Geschlecht gab es eine Besonderheit: So konnte die ÖVP bei Frauen (44 Prozent) besser punkten als bei Männern (38 Prozent). Alles im bundesweiten Trend hingegen bei den übrigen Parteien: Die FPÖ schnitt insbesondere bei Männern stark ab (35 Prozent), die Grünen bei Frauen (21 Prozent). Sowohl bei der SPÖ (elf Prozent) als auch bei NEOS (acht Prozent) war der Zuspruch von Frauen höher - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Wahltagsbefragung Vorarlberg 2014

ISA/SORA/ORF

Wahlbeteiligung zurückgegangen

Die Wahlbeteiligung ging unterdessen deutlich zurück. 63,83 Prozent beträgt sie laut dem vorläufigen Endergebnis. Da kommen noch rund zehn Prozent der Briefwahlstimmen und die Wahlkarten aus fremden Wahlkreisen dazu, die am Dienstag ausgezählt werden.

2009 hatte die Aufregung über den „Exiljuden“-Sager von FPÖ-Chef Dieter Egger für eine starke Zunahme der Beteiligung von 7,8 Prozent auf 68,4 Prozent gesorgt. Demgegenüber brach sie heuer - laut dem Sonntag-Ergebnis - um 4,6 Prozent ein. Anders als in den meisten anderen Bundesländern (ausgenommen Oberösterreich und Wien) liegt Vorarlberg aber nicht am historischen Tiefststand. Den verzeichnete das Land 2004, also kurz, nachdem die Wahlpflicht gestrichen worden war, mit 60,6 Prozent.

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern schneidet Vorarlberg allerdings schlecht ab: Nur in Tirol (60,40 Prozent im Jahr 2013) interessierten sich weniger für die letzte Landtagswahl. Die meisten Länder (abgesehen von der Steiermark) liegen über 70 Prozent, der Spitzenreiter Oberösterreich schaffte 2009 noch 80,35 Prozent.

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