Themenüberblick

Unabhängigkeit von Russland als Ziel

Ab 2017 sollen die USA über eine neue Shuttle-Flotte verfügen und Astronauten selbst zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Damit will die Weltraumbehörde NASA von Russland unabhängig sein, ein Wunsch, den der Streit mit Moskau wegen der Ukraine-Krise wohl verstärkt hat. Nicht zuletzt sind mit Indien und China längst zwei weitere Länder in das Match um den Weltraum eingestiegen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Für künftige bemannte Flüge ins All sei ein neuer Transportshuttle in Auftrag gegeben worden, teilte die NASA im September mit. Mit der Entwicklung wurden die beiden Luft- bzw. Raumfahrttechnologieunternehmen Boeing und SpaceX beauftragt - Kostenpunkt: 6,8 Mrd. Dollar (rund 5,3 Mrd. Euro).

NASA-Direktor Charles Bolden, Kennedy-Space-Center-Direktor Bob Cabana, Crew-Programmmanagerin Kathy Lueders und Astronaut Mike Fincke

AP/John Raoux

NASA-Chef Charles Bolden, der Direktor des Kennedy Space Center, Bob Cabana, Programmmanagerin Kathy Lueders und der frühere ISS-Astronaut Mike Fincke bei der Präsentation der neuen Shuttle-Pläne

NASA-Direktor Charles Bolden sprach bei der Bekanntgabe der Pläne von einem „der aufregendsten und ehrgeizigsten Kapitel in der Geschichte der NASA und der bemannten Raumfahrt“. Der Plan verfolge vor allem auch das Ziel, unabhängig von Russland zu werden. Die USA hatten wegen der Eskalation der Ukraine-Krise schon im April NASA-Kooperationen mit Moskau auf Eis gelegt.

Shuttles im Museum

Allerdings sind sie bei Flügen von und zur ISS nach wie vor auf die russische Sojus-Flotte angewiesen, seit der letzte US-Spaceshuttle 2011 außer Dienst gestellt wurde. Die NASA hatte die alten Shuttles aus Sicherheits- und auch aus Kostengründen ausgemustert. Als letzte US-Raumfähre hob die „Atlantis“ ab, mittlerweile sind die verbliebenen Raumfähren nur noch als Museumsstücke zu bestaunen. Rund 30 Jahre lang hatten die Raumfähren, die als Amerikas ganzer Stolz und Garant der US-Vormachtstellung im All galten, zuvor Astronauten in den Weltraum gebracht. Allerdings verunglückten zwei mit jeweils siebenköpfiger Besatzung an Bord: die „Challenger“ 1986 und die „Columbia“ 2003.

Eichelförmige Raumkapsel geplant

Der Luft- und Raumfahrtriese Boeing plant nun eine eichelförmige Raumkapsel mit dem Namen CST-100, die bis zu sieben Astronauten zur ISS fliegen soll. Die vergleichsweise kleine und junge Firma SpaceX des Unternehmers Elon Musk führt im Auftrag der NASA bereits seit 2012 mit ihrem Raumtransporter „Dragon“ Versorgungsflüge zur ISS durch. Für die Beförderung von Astronauten entwickelt SpaceX derzeit eine neue Version des „Dragon“.

SpaceX-Chef Elon Musk vor einer SpaceX-Dragon-V-Raumkapsel

APA/AP/Jae C. Hong

SpaceX-Eigentümer Elon Musk mit seinem Weltraumprojekt „Dragon“

„SpaceX ist zutiefst geehrt von dem Vertrauen, das die NASA in uns gesetzt hat“, sagte Musk. „Das ist ein wichtiger Schritt auf einer Reise, die uns letztlich zu den Sternen führen und die Menschheit zu einer Spezies auf mehreren Planeten machen wird.“ Einen Tag später als geplant startete „Dragon“ Sonntagfrüh zur ISS. Der ursprünglich für Samstag geplante Start hatte wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden müssen.

Löwenanteil des Auftrags für Boeing

Boeing erhält von der NASA mit 4,2 Milliarden Dollar den weit größeren Anteil für den Bau einer Raumfähre, SpaceX muss sich mit 2,6 Milliarden Dollar zufriedengeben. „Es war keine einfache Wahl, aber es war die beste Wahl für die NASA und die Nation“, sagte Bolden bei der Pressekonferenz. Die NASA hat seit 2010 mehr als 1,4 Milliarden Dollar ausgegeben, um die Privatwirtschaft bei der Entwicklung von bemannten Raumfähren zu unterstützen. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Sierra Nevada, das ebenfalls in die engere Auswahl gekommen war, ging am Dienstag leer aus.

Explosion des Spaceshuttles Challenger

dapd/Bruce Weaver

Die Explosion der „Challenger“ gilt als Wendepunkt im Spaceshuttle-Programm

Neben Flügen zur ISS verfolgen die USA aber weiterhin auch noch ehrgeizigere Pläne. Das langfristige Ziel Mars ist, wenn auch mit Abstrichen, immer noch aktuell. Erst Ende Juli hatte die „New York Times“ („NYT“) berichtet, die NASA wolle 2020 einen Marsrover starten, der eine Art Vorhut für eine spätere Mission zum Roten Planeten sein soll. Das ferngesteuerte Fahrzeug, dessen Entwicklung umgerechnet fast 1,5 Mrd. Euro kosten soll, solle experimentell Sauerstoff aus Kohlendioxid aus der Marsatmosphäre herstellen. Sauerstoff ist ein zentraler Bestandteil von Raketentreibstoff. Treibstoff für Rückflüge von dem Planeten mitzuführen wäre zu schwer und zu teuer.

Außerdem stellte die NASA erst vor kurzem mehreren Langfristprojekten eine positive Zwischenbilanz aus. Diese liefen besser als erwartet, hieß es, auch bei der Finanzierung sieht man offenbar keine Probleme. Der Marsrover „Curiosity“ soll weiterhin nach Hinweisen für Leben auf dem Planten suchen, die Sonde „Cassini“ vorerst weitere drei Jahre den Saturn umkreisen.

Auch andere haben große Pläne

Im All haben die ursprünglich zwei Raumfahrtnationen USA und Russland inzwischen längst Gesellschaft bekommen. Indien, China und Japan verfolgen ehrgeizige und ernstzunehmende Pläne für bemannte Mondflüge. Peking hatte bereits 2011 ein „Weißbuch Raumfahrtpolitik“ vorgelegt, spätestens am Ende des Jahrzehnts soll auch das eigene Satellitennavigationssystem Beidou weltweit funktionsfähig sein. Ein solches, von einem Netz mehrerer Dutzend Satelliten gebildetes System gilt als eigentlicher Beweis für die Weltraumfähigkeit einer Nation.

Vergangenes Jahr ließ China einen Rover auf dem Mond landen, allerdings bekam „Yutu“ („Jadehase“) Probleme und musste schließlich aufgegeben werden. Indien hatte seine erste Mondsonde „Chandrayaan-1“ bereits 2008 gestartet, keine zehn Monate später riss allerdings der Kontakt ab. Letzten November startete Indien seine erste Mars-Orbiter-Mission (MOM) und schoss die Sonde „Mangalyaan“ ins All. Bisher haben nur die USA und Russland Rover auf dem Mars landen können.

Spaceshuttles flogen 135 Missionen

Vom Jungfernflug des Spaceshuttles „Columbia“ am 12. April 1981 bis Ende 2011 schickte die NASA 135 Shuttle-Missionen ins All. Im Durchschnitt kostete jede Reise 450 Millionen Dollar. Schon die Explosion der „Challenger“ galt als Wendepunkt des Spaceshuttle-Programms, die Finanzkrise ab 2008 bedeutete das endgültige Aus. US-Präsident Barack Obama strich auch das von seinem Vorgänger George W. Bush gestartete „Constellation“-Programm, das auf die traditionelle Kombination aus Trägerrakete und Raumkapsel setzte und bemannte Flüge zu entfernteren Zielen wie Mond und gar Mars ermöglichen sollte. Für das Projekt waren bis 2020 fast 100 Mrd. Dollar (rund 77 Mrd. Euro) veranschlagt.

Discovery-Shuttle

Reuters/NASA NASA

Spaceshuttle „Discovery“ im All

Das Shuttle-Zeitalter folgte auf das Apollo-Programm, mit dem die USA 1969 den ersten Mensch auf den Mond gebracht hatten. Als US-Präsident Richard Nixon 1972 die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs in Auftrag gab, war der Hauptgedanke, die Kosten für Reisen ins All deutlich zu senken. Außerdem hoffte die NASA, Missionen im Wochentakt vornehmen zu können. Doch beide Erwartungen konnte der Spaceshuttle nicht erfüllen.

Links: