IS-Terror: Mehrere Tote bei Kurdenprotesten in der Türkei

Bei den Kurdenprotesten in der Türkei gegen die Tatenlosigkeit Ankaras angesichts der drohenden Eroberung der syrischen Kurdenstadt Ain al-Arab (kurdisch: Kobane) durch Dschihadisten sind laut Medien mindestens vier Menschen getötet worden. In anderen Berichten war bereits von mindestens zwölf Toten die Rede. Zahlreiche weitere seien verletzt worden, als es in mehreren Städten des Landes zu Zusammenstößen kam, berichteten türkische Medien gestern Abend.

Protest gegen Haltung Ankaras

Die Proteste richteten sich gegen die Haltung der Regierung in Ankara, der die Demonstranten Tatenlosigkeit angesichts des drohenden Falls der Grenzstadt an die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) vorwerfen. Das Parlament hat zwar den Einsatz der Armee in Syrien und dem Irak autorisiert, doch hat die Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bisher keine militärische Intervention gestartet. Die Kurdenpartei HDP hatte deshalb zu den landesweiten Protesten aufgerufen.

In zahlreichen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. In der südöstlichen Großstadt Diyarbakir wurden zwei Menschen getötet und zehn weitere bei einem Schusswechsel zwischen Demonstranten und islamistischen Gruppen verletzt. Ein Polizeifahrzeug, weitere Autos, Geschäfte und Regierungsgebäude wurden in Brand gesteckt oder anderweitig beschädigt. In den kurdischen Provinzen Diyarbakir, Mardin, Siirt und Van wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Erdogan sieht Stadt „vor dem Fall“

Angesichts des Einrückens des IS in Ain al-Arab wächst die Furcht vor einem Fall der strategisch bedeutsamen Kurdenhochburg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte, die Stadt stehe „vor dem Fall“ und sprach sich für eine internationale Bodenoffensive aus. Auch der UNO-Syrien-Gesandte Staffan de Mistura forderte eine sofortige internationale Intervention zur Rettung Kobanes.

Nach Angaben von Aktivisten lieferten sich IS-Kämpfer und Kurden erbitterte Straßenkämpfe im Süden und Westen der Stadt an der türkischen Grenze. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Dschihadisten hätten trotz erneuter Luftangriffe der US-geführten internationalen Militärallianz mehrere Gebäude in ihre Gewalt gebracht. AFP-Reporter auf der türkischen Seite der Grenze berichteten von mindestens acht Luftangriffen.

Bisher 400 Tote

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bisher mehr als 400 Menschen auf beiden Seiten bei den Gefechten getötet worden. Auch Zivilisten finden sich unter den Todesopfern. Die Dunkelziffer wird allerdings weitaus höher geschätzt.

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Zahlreiche US-Luftschläge

Die US-Streitkräfte erklärten, dass bei fünf Angriffen am Montag und Dienstag mehrere Fahrzeuge, Luftabwehrgeschütze sowie ein Panzer und eine „Dschihadisteneinheit“ beschädigt oder zerstört worden seien. Der kurdische Aktivist Mustafa Ebdi sagte jedoch, die Luftangriffe hätten wenig bewirkt. Sie hätten lediglich ein Plateau südlich von Ain al-Arab getroffen, wo sich keine IS-Kämpfer aufhielten. Er sagte, die Kurden blieben aber optimistisch, Ain al-Arab halten zu können.

Auch Kanada billigt Militäreinsatz

Das kanadische Parlament hat einem Militäreinsatz im Kampf gegen die IS zugestimmt. Mit den Stimmen der konservativen Mehrheit billigte das Haus den Plan von Regierungschef Harper, sich an der US-geführten Koalition zu beteiligen. 157 Abgeordnete stimmten für den Einsatz, 134 dagegen. Harper hat den Einsatz von Bodentruppen ebenso wie US-Präsident Obama ausgeschlossen. Sein Plan sieht vor, sechs Kampfjets vom Typ F-18 sowie weitere Militärflugzeuge für einen Einsatz im Irak zu entsenden.