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Durch Vorhang „isoliert“

Jene spanische Krankenschwester, die sich bei der Behandlung eines aus Afrika ausgeflogenen spanischen Missionars mit Ebola infiziert hat, hat den Gesundheitsbehörden mindestens dreimal gesagt, dass sie Fieber habe, bevor sie unter Quarantäne gestellt wurde.

Die Pflegerin Teresa Romero Ramos ist die erste Person, die sich außerhalb Afrikas mit dem Virus infizierte. Erstmals habe sie im Spital Carlos III., in dem sie arbeitet, am 30. September über leichtes Fieber und Müdigkeit informiert, sagte ein Vertreter der Madrider Regionalregierung. Sie kontaktierte dabei eine Abteilung, die für berufsbedingte Risiken zuständig ist. Da das Fieber nicht über 38,6 Grad Celsius gestiegen sei, wurde sie angewiesen, die örtliche Ambulanz aufzusuchen. Dort wurde ihr laut spanischen Medienberichten das fiebersenkende Mittel Paracetamol verschrieben.

Ehemann und Hund der mit Ebola infizierten spanischen Krankenschwester Teresa Romero Ramos

AP/PACMA

Auch der Mann der Pflegerin befindet sich in Quarantäne

Mehrere Tage später rief Romero Ramos laut der Zeitung „El Pais“ erneut das Spital an und klagte über ihr anhaltendes Fieber. Es wurde aber nichts unternommen. Offenbar wurde nicht berücksichtigt, dass die Krankenschwester aufgrund des Kontakts mit dem verstorbenen Missionar besonders gefährdet war.

Keine Vorsichtsmaßnahmen

Am Montag dieser Woche habe sie das Krankenhaus erneut angerufen und betont, dass sie sich schlecht fühle. Daraufhin wurde sie aber nicht von einem Krankenwagen in das Spital, in dem die Missionare behandelt wurden, gebracht. Vielmehr wurde ihr gesagt, den Notruf zu wählen und das nächstgelegene Krankenhaus aufzusuchen. Sie wurde daraufhin von Sanitätern, die keine Schutzkleidung trugen, in ein anderes Spital gebracht.

Bei der Ankunft im Spital warnte die Frau das medizinische Personal, dass sie möglicherweise ebolainfiziert sei. Trotz dieser Warnung sei sie in die Notaufnahme gebracht worden - von den anderen Patienten nur durch Vorhänge getrennt, wie der „Guardian“ am Mittwoch berichtete.

Warnungen ignoriert?

Der Koordinator der Notfallzentralen im spanischen Gesundheitsministerium, Fernando Simon, räumte ein, dass es besser gewesen wäre, Romero Ramos gleich bei ihrem ersten Anruf stationär aufzunehmen. Unklar ist, ob die Warnungen der Pflegerin nicht ernst genommen wurden oder ob es sich um Unachtsamkeit bzw. Schlampigkeit handelte. Die 44-Jährige und ihr Ehemann befinden sich weiter in Quarantäne.

Streit über Hund

Nach der Infektion der 44-jährigen Krankenschwester brach in Spanien ein Streit über das Schicksal ihre Hundes aus. Die Madrider Behörden gaben die Anordnung, ihn einzuschläfern. Tierschützer machten im Netz dagegen mobil.

Gegenüber „El Mundo“ sagte die erkrankte Pflegerin, sie glaube, alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten zu haben. Sie habe „nicht die geringste Ahnung“, wie sie sich angesteckt habe, und wies den Vorwurf, einen Fehler gemacht zu haben, zurück. Die BBC berichtete dagegen, dass Romero gegenüber „El Pais“ sagte, sie könnte sich angesteckt haben, als sie ihren Schutzanzug auszog. „Ich glaube, der Fehler war das Ausziehen des Anzugs“, sagte die 44-Jährige demnach am Telefon. „Ich kann mir denken, wann es passiert ist, aber ich bin mir nicht sicher.“

Rajoy weist Kritik zurück

Ministerpräsident Mariano Rajoy wies unterdessen Kritik am Gesundheitssystem seines Landes aufgrund der Ebola-Infektion zurück. „Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt“, sagte der Regierungschef am Mittwoch im Parlament. „Wir sollten die Mediziner ihre Arbeit tun lassen.“ Die spanischen Behörden überwachen laut eigenen Angaben derzeit rund 50 Personen mit Verdacht auf Ebola. Unter den Verdachtsfällen finden sich Mitglieder des Betreuungsteams der beiden mittlerweile verstorbenen Missionare und Pflegepersonal in dem Spital, in das Romero Ramos eingeliefert wurde.

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