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Schwarzes Frauengewand „wie Talar“

Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner verteidigt gegenüber dem „profil“ Saudi-Arabien und insbesondere seine politische und soziale Verfasstheit. Bandion-Ortner, die im Jänner 2009 vom damaligen ÖVP-Chef Josef Pröll direkt von der Richterbank im Verfahren gegen Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner auf den Sessel der Justizministerin gehievt wurde, relativiert in dem Interview die Praxis der saudi-arabischen Justiz, Verurteilte an Freitagen nach dem Gebet öffentlich auszupeitschen und zu enthaupten.

„Das ist nicht jeden Freitag.“ Sie selbst sei natürlich gegen die Todesstrafe, so die nunmehrige Vizegeneralsekretärin des größtenteils von Saudi-Arabien finanzierten König-Abdullah-Dialogzentrums in Wien. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden in Saudi-Arabien 2013 mindestens 79 Todesurteile vollstreckt. 2014 wurden bisher 60 Menschen hingerichtet.

Nette und gute Behandlung

Bandion-Ortner zog laut der Vorausmeldung vom Samstag eine positive Bilanz der ersten beiden Jahre im umstrittenen König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog (KAICIID): „Saudi-Arabien mischt sich in unsere Arbeit überhaupt nicht ein.“ Auch ihre persönlichen Erfahrungen in Saudi-Arabien schilderte sie gegenüber dem „profil“ durchgehend positiv, auch wenn als Frau dort zu leben „sicher nicht einfach“ sei. Als emanzipierte Frau „hätte ich sicher meine Schwierigkeiten dort“, aber sie sei sehr gut und nett behandelt worden, so Bandion-Ortner.

Wie alle Frauen in Saudi-Arabien musste sich Bandion-Ortner mit einem weiten, schwarzen Gewand (Abaya) und einem gleichfarbigen Kopftuch verhüllen. „Aber ich muss sagen: Die (Abaya, Anm.) ist praktisch. Ein angenehmes Kleidungsstück. Sie hat mich ein bisschen an den Talar erinnert.“ Sie habe an einem Damenabend gebildete hochintelligente Frauen, Managerinnen, Universitätsprofessorinnen getroffen und sei sich vorgekommen „wie in Österreich bei einer Damenrunde. Da war eigentlich kein Unterschied.“

Glaubt an langsame Veränderung

Durch die Dialogbereitschaft könne sich in Saudi-Arabien langsam etwas verändern, glaubt Bandion-Ortner. „Der König steht da wirklich sehr dahinter, ich habe mit dem König persönlich darüber gesprochen.“ Auch werde das Zentrum in Wien am 18. und 19. November eine Konferenz mit hohen religiösen Repräsentanten zum Thema „Religionsführer gegen Gewalt im Namen der Religion“ veranstalten. Genaueres könne sie nicht bekanntgeben, denn „so eine Konferenz ist auch ein Sicherheitsrisiko“, so Bandion-Ortner im „profil“.

Ende August hatte Bandion-Ortner angekündigt, dass das KAICIID eine Veranstaltung plant. Religion werde von Terrormilizen wie dem Islamischen Staat (IS) nur instrumentalisiert. „Wir wollen religiöse Führungspersönlichkeiten und politische Entscheidungsträger zusammenbringen, um dem Terrorismus Einhalt zu gebieten“, ergänzte sie damals.

Kritik: Institut für Imagepolitur

Das König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog wird größtenteils von Saudi-Arabien finanziert. Kritiker sehen in der Institution einen Versuch Riads, sein international wegen Menschenrechtsverletzungen ramponiertes Image aufzupolieren.

KAICIID wird von einem Board of Directors geleitet, das aus Vertretern der großen Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus) und Kulturen besteht. Das Dialogzentrum wird von den Regierungen von Saudi-Arabien, Spanien und Österreich, von denen jede im Council of Parties des Zentrums vertreten ist, unterstützt. Auch aus dem Vatikan erhält das Institut Unterstützung.

AI: „Handfester Menschenrechtsskandal“

Der Generalsekretär von Amnesty International (AI) Österreich, Heinz Patzelt, bezeichnete die Äußerungen von Bandion-Ortner als „handfesten Menschenrechtsskandal“. Sie verharmlose die Hinrichtungspraxis in Saudi-Arabien, das zu den „Top Fünf“ jener Länder gehöre, in denen Menschen exekutiert werden, so Patzelt gegenüber der ZIB 20.

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