Dutzende Tote bei Anschlägen in Bagdad

Bei zwei Bombenanschlägen in mehrheitlich schiitischen Vierteln der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindestens 28 Menschen getötet worden. Im nördlichen Viertel Sadr City riss gestern eine Explosion in der Nähe eines Kindergartens mindestens zehn Menschen in den Tod und verletzte 29 weitere, wie Sicherheits- und Rettungskräfte mitteilten.

Der zweite Anschlag ereignete sich nahe einer Tankstelle im zentralen Viertel Karrada. Dabei gab es der Polizei zufolge 18 Tote und 37 Verletzte. Die Anschläge trugen die Handschrift sunnitischer Extremisten wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Kommandanten im Nordirak berichteten unterdessen, der IS belagere erneut das Sindschar-Gebirge, um die dort versteckten Jesiden anzugreifen.

Jesiden weiter in Lebensgefahr

Der jesidische Kommandant Dawud Dschundi sagte, am Montag seien 300 IS-Kämpfer mit gepanzerten Fahrzeugen in die Dörfer am Fuß der Berge eingedrungen. Nun würden sie zu Fuß in die Berge aufsteigen, um die Jesiden aufzuspüren. Dschundi klagte, es gebe noch rund 2.000 Familien, deren Situation „sehr schlecht“ sei. Zur Verteidigung stünden den Kämpfern nur leichte Waffen zur Verfügung.

Im Sommer hatte der Vorstoß der Dschihadisten Zehntausende Jesiden zur Flucht in die Sindschar-Berge gezwungen. Mit internationaler Unterstützung gelang es schließlich kurdischen Kämpfern, die meisten Jesiden aus den Bergen in Sicherheit zu bringen.

Die Dschihadisten betrachten die Jesiden als „Teufelsanbeter“ und drohen den Angehörigen der kleinen Religionsgemeinschaft mit dem Tod, wenn sie nicht zum Islam konvertieren. Am Dienstag hatte die UNO der IS-Miliz „versuchten Völkermord“ an den Jesiden vorgeworfen.