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Mit der U-Bahn zum Bowling

Trotz strengster Vorsichtsmaßnahmen hat Ebola die US-Metropole New York erreicht. Ein 33-jähriger Mediziner, der für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Guinea tätig war, hat die lebensgefährliche Krankheit. Bei seiner Einreise auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen am 17. Oktober hatte Craig Spencer nach Angaben der Behörden eine strenge Gesundheitskontrolle durchlaufen.

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Die verschärfte Überprüfung sei Standard bei Reisenden, die aus einem ebolagefährdeten Land kämen, so die Gesundheitsbehörde CDC. Zum Zeitpunkt der Kontrolle zeigte der Arzt aber offenbar noch keine Symptome und konnte ungehindert einreisen.

Nach Fieber sofort in Spital gebracht

Nachdem er am Donnerstag hohes Fieber bekommen hatte, wurde er von einem Spezialteam begleitet in das Bellevue-Spital gebracht, wo er sofort isoliert wurde. Ein erster Test bestätigte den Verdacht auf Ebola. Auch seine Verlobte und zwei weitere Personen, die engen Kontakt zu dem Arzt hatten, seien unter Quarantäne gestellt worden. Allerdings zeige bisher keine der Kontaktpersonen Ebola-Symptome, sagte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio. Der Arzt ist der neunte Ebola-Kranke in den USA und der erste in der größten Stadt des Landes.

U-Bahn-Fahrten, Taxi und Bowling

Die Behörden versuchen nun - unter anderem mittels seiner Kreditkarte und seines U-Bahn-Tickets - im Detail herauszufinden, wo sich der infizierte Arzt in den Tagen zwischen seiner Rückkehr und der Diagnose überall aufgehalten hat. Die Wohnung des Mannes im Stadtteil Harlem in Manhattan wurde versiegelt. Wie sich herausstellte, war Spencer mehrfach mit der U-Bahn gefahren. Noch am Mittwochabend fuhr er nach Angaben der „New York Times“ („NYT“) mit zwei verschiedenen U-Bahn-Linien zum Bowling in den Stadtteil Williamsburg und anschließend mit einem Taxi retour nach Manhattan. Am nächsten Tag habe er dann über 39 Grad Fieber gehabt, so die „NYT“.

Ein Mann mit Schutzmaske misst am Flughafen bei einem Passagier die Temperatur

Reuters/U.S. Customs Border Protection/Melissa Maraj

Auf US-Flughäfen müssen sich alle Reisende aus Ebola-Regionen einer Kontrolle in einer Isolierzone unterziehen und ihre Körpertemperatur messen lassen

Ebola ist erst ansteckend, wenn der Infizierte Symptome zeigt. Auch ist es nicht über die Luft übertragbar, wie die Behörden betonen. „Es gibt keinen Anlass für die New Yorker, beunruhigt zu sein“, so de Blasio. „Mit einem Ebola-Infizierten zusammen in der U-Bahn oder in einem Auto zu sein oder mit ihm zusammenzuleben, ist an sich noch kein Risiko“, sagte er.

Ansteckung „extrem unwahrscheinlich“

Spencer habe zweimal täglich seine Körpertemperatur gemessen, er habe sich nicht krank gefühlt und sei daher vor Donnerstagfrüh auch kein Infektionsherd gewesen, sagte New Yorks Gesundheitskommissarin Mary Travis Bassett. „Wir halten es für extrem unwahrscheinlich, die Wahrscheinlichkeit liegt fast bei null, dass es ein Problem damit gibt, dass er die U-Bahn benutzt hat.“ Übertragen wird das Virus durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von akut Erkrankten.

Zwei US-Krankenschwestern mittlerweile virenfrei

Gute Nachrichten gibt es im Fall jener US-Krankenschwester aus Dellas, die sich bei der Pflege eines mittlerweile verstorbenen Liberianers angesteckt hatte. Nina Pham sei virusfrei, sagte ein Behördenmitarbeiter am Freitag. Für ihre am selben Patienten infizierte Kollegin Amber Vinson hatte es bereits am Donnerstag Entwarnung gegeben. Nach Angaben ihres Vaters hat die 29-Jährige das Virus nicht mehr, muss aber zur weiteren Behandlung noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben.

Erster Fall in Mali

Zum ersten Mal war am Donnerstag auch in Mali ein Fall von Ebola aufgetreten. Ein zweijähriges Mädchen, das kürzlich im Nachbarland Guinea unterwegs gewesen sei, sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Gesundheitsministerium des Landes am Donnerstag mit. Es ist damit das sechste westafrikanische Land, in dem die Krankheit auftritt. Senegal und Nigeria wurden inzwischen wieder für ebolafrei erklärt. Laut WHO werden 43 Menschen beobachtet, die Kontakt mit dem infizierten Mädchen hatten.

Die schwerste Ebola-Epidemie in der Geschichte hat vor allem Liberia, Sierra Leone und Guinea in Westafrika erfasst. Die Seuche wurde aber auch nach Spanien und in die USA eingeschleppt. Im texanischen Dallas steckten sich zwei Krankenschwestern bei der Behandlung eines Ebola-Patienten an. Er war der erste in den USA diagnostizierte Fall. Insgesamt gab es in den Vereinigten Staaten bisher neun an Ebola erkrankte Menschen. Die USA verschärften inzwischen ihre Einreisebestimmungen für Flugpassagiere aus den besonders stark betroffenen Ländern. Der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zufolge haben sich etwa 10.000 Menschen angesteckt. Etwa die Hälfte der Patienten starb an der Infektion.

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