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Geld „ist kein Thema“

Seit Monaten grassiert das tödliche Virus Ebola in Westafrika. Fast 5.000 Menschen fielen ihm bereits zum Opfer, erprobte Medikamente gibt es dagegen noch nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöht jetzt den Druck bei der Entwicklung von Impfstoffen - erste großangelegte Tests in Westafrika können nach Einschätzung der WHO möglicherweise schon im Dezember beginnen.

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Das erklärte die stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny am Freitag in Genf. Noch vor wenigen Tagen war die WHO von einem Start im Jänner ausgegangen. „Das zeigt, wie derzeit mit Hochdruck gearbeitet wird“, sagte sie. Allerdings schränkte Kieny ein, dass erste kleinere klinische Tests der beiden vielversprechendsten Impfstoffe gerade erst begonnen hätten. Es sei noch immer möglich, dass sich die Stoffe nicht als effizient erwiesen.

Große logistische Herausforderungen

Verlaufen die Tests positiv, so sollen laut WHO im ersten Halbjahr 2015 mehrere hunderttausend Impfdosen zur Verfügung stehen, bis Jahresende solle die Zahl in die Millionen gehen. Kieny verwies darauf, dass es auch dann noch immer enorme logistische Herausforderungen gebe. So müsse der Impfstoff konstant auf minus 80 Grad Celsius gekühlt werden, damit er wirksam bleibt.

Derzeit wird bereits in den USA, Großbritannien und Mali mit Impftests gearbeitet, wie Kieny erläuterte. Weitere wissenschaftliche Versuche seien demnächst in der Schweiz und in Deutschland geplant. Als am aussichtsvollsten gelten derzeit zwei Präparate - ein in Kanada entwickelter Impfstoff mit dem wissenschaftlichen Kürzel rVSV und ein Impfstoff des britischen Unternehmens GlaxoSmithKline mit dem Kürzel ChAd3. Darüber hinaus könnten bis März die Tests für fünf weitere Impfstoffe starten.

Erste Impfungen sollen in Liberia stattfinden

Die ersten Impfungen in Westafrika sind in Liberia geplant, wie Kieny sagte. Dort gab es bisher die meisten Ebola-Erkrankungen und Todesfälle. Dann soll Sierra Leone folgen. In Guinea sei die Infrastruktur dagegen noch nicht so entwickelt, dass man die Menschen dort in größerem Umfang impfen könne. Sobald die Ergebnisse der beschleunigten Tests an Freiwilligen zeigten, dass die Präparate sicher seien, werde man erst Risikogruppen impfen. Das ist etwa medizinisches Personal in den betroffenen westafrikanischen Ländern.

Pharmariesen versprechen erschwingliche Preise

Die Impfungen seien „keine Wunderwaffe“, so Kieny. Aber, wenn sie bereit stehen, könnten sie zu einem Gutteil dazu beitragen, in dieser Epidemie das Blatt zu wenden. Kieny äußerte sich auch zum Thema Kosten. Es gäbe Einverständnis darüber, dass Institutionen wie die Weltbank und internationale Charity-Einrichtungen wie Ärzte ohne Grenzen die Entwicklung der Impfstoffe unterstützen würden. Auch die EU-Kommission will ihre Mittel zur Bekämpfung von Ebola deutlich aufstocken.

Pharmaunternehmen hätten außerdem ihr Wort gegeben, dass die Entwicklung der Medikamente zu erschwinglichen Preisen geschehe. „Es gibt ein breites Einverständnis darüber, dass Geld kein Thema ist“, so Kieny. Pharmaunternehmen hätten auch zugesagt, zusammenarbeiten zu wollen, um für eine Beschleunigung zu sorgen.

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