Parlamentswahl in Tunesien ohne befürchtete Gewalt

Knapp vier Jahre nach dem Arabischen Frühling ist in Tunesien ein neues Parlament gewählt worden. Mehr als 5,2 Millionen Einwohner des nordafrikanischen Landes waren gestern aufgerufen, 217 Abgeordnete zu bestimmen. Die befürchteten Anschläge von Extremisten blieben aus. Sowohl die EU als auch US-Präsident Barack Obama strichen Tunesiens Beispiel einer geordneten demokratischen Wahl als vorbildhaft für den arabischen Raum hervor.

Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent und damit zehn Prozent höher als bei der letzten Wahl unmittelbar nach dem Sturz von Machthaber Zine el Abidine Ben Ali. Der islamistischen Ennahda-Partei, die in der verfassunggebenden Nationalversammlung die Mehrheit hält, sowie der säkularen Partei Nidaa Tounes wurden die meisten Sitze prognostiziert. Letztere reklamierte nach Wahlschluss bedeutende Zugewinne für sich.

Wahl für Ministerpräsident „historisch“

Die Parteienlandschaft in Tunesien ist sehr zersplittert, weshalb mit einer schwierigen Koalitionsbildung gerechnet wurde. Ein vorläufiges Ergebnis muss bis Donnerstag bekanntgegeben werden, das Endresultat ist erst in einem Monat zu erwarten.

An der Spitze des nordafrikanischen Landes steht seit Anfang dieses Jahres eine Regierung von Fachleuten unter Ministerpräsident Mehdi Jomaa. Er bezeichnete die Wahl nach seiner Stimmabgabe als „historisch“. Der Tag sei ein Hoffnungsschimmer für die „jungen Menschen in der Region“, sagte Jomaa mit Blick auf die instabile Lage in anderen Ländern des Arabischen Frühlings.