Themenüberblick

Meinungen „sehr weit auseinander“

Der geschlechtersensible Umgang mit Sprache wird auch künftig nicht per ÖNORM geregelt. Das habe das Normungsinstitut Austrian Standards nach den heftigen Debatten der vergangenen Monate beschlossen, teilte das Institut am Donnerstag mit. Wegen der stark divergierenden Meinungen zu dem Thema sei kein Konsens möglich und die Materie daher auch nicht als „Normprojekt“ geeignet.

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Normprojekte seien grundsätzlich nur „möglich, wenn dazu ein breiter Konsens erzielbar ist“, so Institutsdirektorin Elisabeth Stampfl-Blaha im Ö1-Morgenjournal am Donnerstag - mehr dazu in oe1.ORF.at. In einer Aussendung des Instituts hieß es weiter: Beim Thema „geschlechtersensibler Umgang mit Sprache“ sei „stark der Wunsch erkennbar gewesen, zu diesem Thema keine normative Empfehlung zu entwickeln.“ Die Vorgeschichte war kurz, aber heftig und getragen von Polemiken und Populismen etwa rund um das Absingen der rein „männlichen“ Bundeshymne durch Schlagersänger Andreas Gabalier.

Proteststurm nach Absage an Binnen-I

Das Komitee „Büroorganisation und schriftliche Kommunikation“ hatte im Frühjahr den Entwurf für die Überarbeitung der ÖNORM A 1080, mit der die Textgestaltung geregelt wird, vorgelegt. Ein Passus nahm Bezug auf geschlechtergerechte Sprache. Dabei wurde aus Gründen der Vorlesbarkeit vom sogenannten Binnen-I ebenso abgeraten wie von Kombinationsformen, etwa mit Schrägstrichen und Klammern. Ein Proteststurm mit rund 1.400 Stellungnahmen war die Folge.

Es darf bezweifelt werden, dass alle Kritiker die Empfehlung des Normungskomitees zu Ende lasen. Dort stand nämlich, dass am besten immer beide Geschlechter getrennt angeführt werden sollten und als Ausweichmöglichkeit Generalklauseln gewählt werden könnten, also der Hinweis, dass mit der männlichen Form die Frauen mitgemeint seien. Die Komiteechefin hatte ihren Entwurf in der Debatte verteidigt und sich gegen die „Durchsetzung zweifelhafter politischer Ziele“ gewendet.

Komitee aufgelöst

Anfang September hatte das Normungsinstitut in der Folge schließlich das Komitee aufgelöst - wegen „schwerwiegender Verstöße gegen Grundregeln der Normungsarbeit“, so die Begründung. Mitte Oktober wurde zu einem Dialogforum zum Thema geladen. Das sorgte ebenfalls für Konflikte, etwa weil die IG Autorinnen Autoren nicht eingeladen worden war. Trotzdem fiel auf Grundlage des Dialogforums nun die Entscheidung der Geschäftsführung in enger Abstimmung mit dem Präsidium, die Frage vom Normungsprozess fernzuhalten.

„Stark abhängig vom kulturellen Umfeld“

Die Positionen seien „sehr heterogen“ und lägen „nach wie vor weit auseinander“, wird vonseiten des Normungsinstituts ausgeführt. Man könne das Thema auch nicht isoliert für die geschäftliche Korrespondenz betrachten, sondern nur im Rahmen des „generellen Sprachgebrauchs“. Außerdem gebe es sehr unterschiedliche „Unternehmens- bzw. Organisationskulturen“, und die Einstellung dazu sei generell „stark abhängig vom kulturellen Umfeld“.

Für den Schulunterricht existiere keine einheitliche Vorgehensweise. Und auch „insgesamt ist stark der Wunsch erkennbar, zu diesem Thema keine normative Empfehlung zu entwickeln“, so das Fazit des Instituts. Die Regeln für den Schriftverkehr - also die ÖNORM A 1080, die derzeit in der Fassung von 2007 vorliegt - sollen indes dennoch überarbeitet werden, nur eben ohne den Gender-Aspekt. Nachdem das ursprüngliche Komitee aufgelöst wurde, wird nun nach einem anderem dafür gesucht.

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