Hochspannung im Irak vor schiitischem Pilgerfest

Bei Anschlägen im Irak sind am Wochenende mindestens 34 Menschen getötet worden. Die Attentate schürten Befürchtungen, die radikalsunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) könnte gezielt Hunderttausende schiitische Pilger ins Visier nehmen, die derzeit in die Stadt Kerbela strömen.

Die Anschläge am Wochenende, bei denen auch Dutzende verletzt wurden, richteten sich unter anderem gegen zwei Zelte, aus denen schiitische Pilger mit Getränken versorgt wurden. Allein 20 Menschen starben, als sich ein Selbstmordattentäter mit seinem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen an einem Kontrollpunkt an der südlichen Zufahrt nach Bagdad in die Luft sprengte.

Höhepunkt des Aschura-Fests

Das Aschura-Fest ist das wichtigste Fest im schiitischen Islam. Dabei gedenken die Schiiten des Märtyrertodes des Imams Hussein, eines direkten Nachkommen des Propheten Mohammed, vor mehr als 1.300 Jahren. Derzeit steuern die Feierlichkeiten auf ihren Höhepunkt zu. Die größten Feiern finden im Iran, Irak, Libanon und in Pakistan statt.

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Tausende Soldaten im Einsatz

Die Milizionäre des IS, der seit Juni weite Teile des Irak kontrolliert, verüben immer wieder Anschläge auf Angehörige der schiitischen Mehrheit, die sie als Ketzer betrachten. 25.000 Soldaten sowie 1.500 Milizionäre waren am Wochenende im Einsatz, um die Pilger zu schützen. Die schiitischen Feierlichkeiten sind auch ein Test für den Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, ob er mehr Sicherheit für die Menschen im Irak gewährleisten kann.

IS tötet 200 Clanmitglieder

Allerdings richtet sich die Gewalt des IS nicht nur gegen Schiiten und Nichtmuslime, sondern auch gegen Sunniten, die sich ihm widersetzen. In der Westprovinz Anbar töteten IS-Kämpfer nach übereinstimmenden Angaben von gestern binnen weniger Tage mehr als 200 Menschen, die zum sunnitischen Clan Albu Nimr gehören. Womöglich versuchen die Dschihadisten mit gezielten Tötungen den Widerstand der örtlichen Stämme zu brechen.

In Anbar wurden daraufhin Rufe nach einer Aufrüstung der dortigen Stämme laut. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, sagte, die Bewohner dort brauchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen die Dschihadisten verteidigen zu können. Seinen Angaben nach gibt es bereits Beratungen mit der Regierung in Bagdad auch bezüglich der Forderung nach raschen Waffenlieferungen.