Industrie der Euro-Zone schwächelt weiter

Die Industrie in der Euro-Zone wächst auch im Herbst wegen der Schwäche in Frankreich und Italien nur langsam. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Oktober zwar um 0,3 auf 50,6 Punkte, wie das Markit-Institut heute zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mitteilte. Das Barometer hielt sich aber nur knapp über der Marke von 50 Zählern, ab der es ein Wachstum anzeigt.

„Die Unternehmen haben Schwierigkeiten, nach dem Mitte des Jahres erlittenen Dynamikverlust wieder in Schwung zu kommen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Eine durchgreifende Besserung deutet sich derzeit nicht an. „Die Nachfrage bleibt angesichts der schwachen Binnenmärkte weiterhin verhalten, das Exportwachstum geht derzeit zurück, und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten belasten die Konjunkturentwicklung“, sagte Williamson.

Angst vor Deflation

Auch die Kluft zwischen den einzelnen Ländern gebe weiterhin Anlass zur Sorge. „Kräftige Zuwächse in Irland, den Niederlanden und Spanien stehen in starkem Kontrast zu den Rückgängen in Italien, Griechenland, Frankreich und Österreich“, sagte der Chefökonom. „Konjunkturmotor Deutschland verzeichnete indes nur ein geringfügiges Wachstum.“

Auch die Gefahr einer Deflation - eines für die Konjunktur schädlichen Preisverfalls auf breiter Front - bleibt bestehen. „Zwar konnten viele Unternehmen Öl und andere Materialien günstiger beziehen, doch gleichzeitig verhinderte ein hoher Wettbewerbsdruck ein Steigen der Verkaufspreise“, sagte Markit.

Strafzinsen und niedriger Leitzins

Im Kampf gegen Konjunkturflaute und Deflationsgefahr hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gedrückt und den Banken Strafgebühren aufgebrummt, wenn sie Geld bei ihr parken, statt es an Firmen und Haushalte zu verleihen.

Gleichzeitig können sich die Institute bei der Zentralbank zu extrem günstigen Bedingungen mit Kapital eindecken. Zuletzt begann die EZB zudem mit dem Kauf von Pfandbriefen, um die Bilanzen der Banken zu entlasten und so Platz für neue Darlehen zu schaffen.