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An der Ausgabengewichtung schrauben

Viele Konsumenten kennen das Gefühl, dass die offiziell ausgewiesene Inflationsrate - aktuell bei 1,6 Prozent - nicht zur Teuerung bei den eigenen Ausgaben passt. Die Statistik Austria trägt diesem Gefühl Rechnung und hat am Montag auf ihrer Website einen „persönlichen Inflationsrechner“ gelauncht, mit dem die Teuerung für den eigenen Haushalt mit der offiziellen Inflationsrate verglichen werden kann.

Durch Eintragen der eigenen Ausgabenwerte für bis zu 41 Ausgabengruppen in den „persönlichen Inflationsrechner“ gelangen Konsumenten an die Information, ob der eigene Haushalt stärker oder schwächer von der Inflation betroffen ist als der gesamtösterreichische Durchschnitt. „Aktuelle preisstatistische Daten können mit dem persönlichen Inflationsrechner auf einfache Art und Weise für individuelle Analysen genutzt werden“, sagte Generaldirektor Konrad Pesendorfer.

Durchschnittswerte als Krux des Statistikers

Weil die Inflationsrate von einem einzigen allgemeinen Gewichtungsschema ausgeht, das alle im Inland getätigten Konsumausgaben berücksichtigt, wird damit nicht abgebildet, was subjektiv von Konsumenten empfunden wird. Es sei die Krux des Statistikers, dass er einen Durchschnittswert erhebe, der für den Einzelnen ziemlich danebenliegen kann, so Pesendorfer.

Nun bleibe zwar der Verbraucherpreisindex (VPI) weiterhin wichtig, etwa für Lohnverhandlungen, für den Einzelnen habe man aber den persönlichen Inflationsrechner erstellt. „Der VPI bleibt, es gibt die Notwendigkeit einer durchschnittlichen Referenzinflationsrate, die relevante Dinge für die gesamte Volkswirtschaft zeigt“, sagte Pesendorfer. Aber die nunmehrige Möglichkeit der „individuellen Analyse“ sei auch ein spannendes Instrument.

Beispiel Tabakpreise und Nichtraucher

In der Statistik werden unterschiedliche Ausgabekategorien verwendet, die bei einem persönlich ganz anders ausfallen können. Ein Beispiel wäre hier eine Teuerung bei Tabak - während ich Nichtraucher bin. Dabei schaffen dann auch Spezialanalysen - etwa der Pensionistenpreisindex bzw. Mini- und Mikrowarenkörbe - nicht unbedingt „persönliche“ Abhilfe.

Dank dem persönlichen Rechner könne man aber eben genau an der Ausgabengewichtung schrauben. So könne man als Nichtraucher oder Alkoholverweigerer etwa auch Ausgaben für diese Produkte ganz ausnehmen. Durch die persönliche Gewichtung könne der Konsument laut Pesendorfer gewisse Ausgaben „überdenken“.

Arm und Reich nicht gleich betroffen

Der VPI fiel auch nach Einkommensklassen über die vergangenen Jahre unterschiedlich aus. Seit 2007 gab es laut Pesendorfer Phasen, in denen für das ärmste Zehntel der Haushalte mit im Schnitt Ausgaben von 741 Euro im Monat eine höhere Inflation gemessen wurde als für das reichste Haushaltszehntel. Von 2007 bis 2014 belief sich die Durchschnittsrate nach VPI auf 2,2 Prozent. Für das reichste Haushaltszehntel betrug die Teuerung zwei Prozent, für das ärmste Zehntel aber 2,5 Prozent.

Tendenziell hänge das mit den Kosten für Wohnen und Energie zusammen, die bei ärmeren Haushalten höher gewichtet sind als bei reichen. Im VPI werden diese Kosten mit 18,35 Prozent der Gesamtausgaben berechnet, aber im reichsten Zehntel der Bevölkerung betragen sie lediglich 10,86 Prozent - während die ärmsten Haushalte 35,71 Prozent aller Ausgaben dafür aufwenden.

Damit fällt eine Mietteuerung bei Ärmeren weit stärker ins Gewicht. Aber auch eine Teuerung bei Lebensmitteln kann ein Grund sein, dass ärmeren Haushalten das Geld stärker durch die Finger rinnt. Das war etwa im Jahr 2008 der Fall, aber auch Ende 2009, Anfang 2010 und auch im Jahr 2011 vereinzelt.

Unterschiede „nicht unsignifikant“

Vergleicht man die Jahresinflation zwischen September 2013 und September heuer, lag die Inflation für das Zehntel der Haushalte mit den meisten Ausgaben bei 1,1 Prozent, für die mittleren Haushalte (2.452 Euro monatliche Ausgaben) bei 1,5 Prozent, für die ärmsten Haushalte aber bei 1,9 Prozent - bei einer VPI-Inflationsrate von 1,6 Prozent. Auch aus Sicht des obersten Statistikers sind die Unterschiede „nicht unsignifikant“, wie Pesendorfer sagte.

Schaut man sich die Inflation seit September 2008 bis September 2014 an, erscheint der Unterschied bei der Teuerung nach Haushaltsklassen geringer. Nach VPI beläuft sich diese auf genau zwölf Prozent. Für die reichsten Haushalte sind es 11,2 Prozent, für die Mittleren 12,7 Prozent und für die Ärmsten 13,9 Prozent. Genau wegen dieser Unterschiede werde der VPI schließlich harmonisiert, so Pesendorfer.

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