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Österreicher unverletzt

Die Rettungsaktion für die Passagiere der Adria-Fähre „Norman Atlantic“ läuft weiter. Das Feuer auf der in Brand geratenen Autofähre im Mittelmeer konnte nach Auskunft der Reederei ANEK am Sonntagabend unter Kontrolle gebracht werden. Es könnte jedoch weitere Glutnester im Inneren des Schiffes geben, und es qualme weiter.

Bis Montagfrüh wurden insgesamt 329 Menschen in Sicherheit gebracht, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf die Marine des Landes meldete. 149 weitere befinden sich noch auf dem Unglücksschiff. Die Rettung gestaltet sich aufgrund der Bedingungen besonders mühsam, die äußeren Umstände - Sturmböen, enorm hoher Wellengang, beißender Rauch, Kälte und Dunkelheit - liefen einer schnelleren Evakuierung zuwider.

Fähre soll abgeschleppt werden

Griechische Armeehelikopter brachten Menschen paarweise von der Brücke der Fähre zum griechischen Schiff „Europa“. Der Marine zufolge wurden inzwischen Ärzte an Bord gebracht. Das Marineschiff „San Giorgio“ mit 60 Geretteten an Bord übernahm am Sonntagabend die Einsatzleitung. Wohin die Fähre geschleppt wird, war noch nicht ganz klar - möglicherweise ins süditalienische Brindisi.

40 Passagiere, die an Bord des Schiffes „Spirit of Piraeus“ gegangen waren, trafen in der Hauptstadt der Region Apulien, in Bari, ein. An Bord befanden sich auch zwei illegale afghanischen Migranten, teilte der Polizeichef von Bari, Antonio Nunziante, mit. Eigentlich sollte das Handelsschiff in Brindisi anlegen - das sei aber wegen schlechten Wetters nicht möglich gewesen.

Gerettete Passagiere kommen in Bari an

APA/AP/Italian Navy

Mit dem Helikopter werden die Passagiere auf andere Schiffe gebracht

Mann aus Angst ins Meer gesprungen - tot

„Wir machen übernatürliche Anstrengungen in dieser äußerst schwierigen Lage“, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Die Rettungsmannschaften haben indes die Leiche eines Opfers geborgen. Der Grieche soll aus Angst ins Meer gesprungen und dabei gestorben sein, berichtete der Offizier der italienische Küstenwache, Giovanni Pettorino. Die Leiche befindet sich an Bord eines Motorbootes der italienischen Küstenwache und soll in Brindisi eintreffen.

Alle Österreicher „unverletzt und wohlauf“

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren 478 Menschen auf dem unter italienischer Flagge fahrenden Schiff, darunter fünf Österreicher. Zwei Österreicher wurden bereits am Sonntagabend in Sicherheit gebracht. Die Tiroler wurden laut dem Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss, auf ein sich in unmittelbarer Nähe befindendes Schiff gebracht. Beide seien „wohlauf“, so Weiss. Auch die länger an Bord verbliebenen Österreicher seien „unverletzt und wohlauf“.

„Wir werden verbrennen wie die Mäuse“

An Bord spielten sich noch am Abend dramatische Szenen ab, da Rauch und Flammen den Eingeschlossenen immer näher kamen. „Wir wissen nicht, wie lange wir noch aushalten können.“ Der Rauch erschwere das Atmen. Passagiere würden im Schiff immer weiter nach oben steigen und auf dem oberen Deck in der Kälte auf Hilfe warten. An Bord seien auch viele Kinder und ältere Menschen.

„Wir werden verbrennen wie die Mäuse“, sagte ein Augenzeuge namens Nikos im griechischen Radiosender Skai. Ein Mann, der sich auf ein Containerschiff retten konnte, sagte: „Das ganze Schiff steht in Flammen. Meine Frau war in einem anderen Rettungsboot, das ist aber hier nie angekommen.“

Karte von Griechenland

APA/ORF.at

Das Schiff war auf dem Weg vom griechischen Patras ins italienische Ancona, als vor der griechischen Insel Korfu am frühen Sonntagmorgen aus noch ungeklärter Ursache auf dem unteren Parkdeck Feuer ausbrach.

Berichte über Mängel dementiert

Unterdessen wurde bekannt, dass bei einer Inspektion der „Norman Atlantic“ zuletzt Sicherheitsmängel festgestellt worden seien. Wie das staatliche griechische Fernsehen NERIT und andere Medien berichteten, hat eine Inspektion der Hafenbehörde von Patras am 19. Dezember unzureichende Rettungsmittel, undichte Sicherheitstüren, den Zustand der Notbeleuchtung und das Fehlen von Evakuierungsplänen an den Wänden des Schiffes bemängelt.

Der Reederei sei eine zweimonatige Frist zur Behebung dieser Mängel eingeräumt worden, berichtete NERIT. Ob das Schiff dennoch als seetüchtig gelten konnte, blieb unklar. Die italienische Reederei Visentini dementierte die Sicherheitsmängel. Die Fähre sei kürzlich Kontrollen unterzogen worden. Dabei waren kleinere Probleme mit einigen Brandtüren festgestellt worden, die jedoch sofort behoben worden war seien, betonte der Chef der Reederei, Carlo Visentini, nach Angaben italienischer Medien.

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