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Sechs Geiseln in Supermarkt

Im Osten von Paris hat ein schwer bewaffneter Mann Freitagmittag in einem jüdischen Lebensmittelgeschäft sechs Geiseln genommen. Bei dem Angreifer handelt es sich unbestätigten Medienberichten zufolge um jenen Mann, der am Donnerstag südlich der französischen Hauptstadt eine Polizistin erschossen haben soll.

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Bei der Attacke auf das jüdische Geschäft an der Porte de Vincennes soll es Verletzte gegeben haben. Berichtet wurde auch über mindestens zwei Tote, darüber gibt es derzeit allerdings widersprüchliche Berichte. Laut dem „Figaro“ soll der Geiselnehmer mit der Ermordung der Geiseln gedroht haben, sollte die Polizei die Druckerei östlich von Paris stürmen, in der sich die mutmaßlichen Urheber des Terroranschlags auf „Charlie Hebdo“ verschanzt haben.

Sicherheitskräfte in Paris

APA/EPA/Ian Langsdon

Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt

Schwer bewaffnet in Supermarkt eingedrungen

Der Mann drang gegen 13.00 Uhr in den kleinen Supermarkt ein. Er schoss Ermittlern zufolge um sich und nahm Geiseln, darunter offenbar auch mehrere Kinder. Ein Angestellter konnte offenbar flüchten. „Das ist der Schütze von Montrouge“, versicherte ein Ermittler der Nachrichtenagentur AFP. Französische Medien berichteten zudem, er habe beim Betreten des Geschäfts gerufen: „Ihr wisst, wer ich bin.“ Weder bestätigt noch dementiert wurden bisher Spekulationen über einen weiteren Täter.

Die Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot am Tatort an. Das Gebiet um das jüdische Geschäft wurde abgeriegelt, Schulkinder in der Gegend dürfen die Schulen derzeit nicht verlassen. Auch die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Man sei zudem aufgefordert worden, sich den Fenstern nicht zu nähern, teilte eine Hotelangestellte ORF.at mit. Gesperrt ist zudem die nahe gelegene U-Bahn-Station. Auch die Stadtautobahn an der Porte de Vincennes wurde in beide Richtungen gesperrt.

Auch der Place de Trocadero gegenüber dem Eiffelturm im Stadtzentrum von Paris wurde am Freitag vorübergehend evakuiert. Es habe sich jedoch um einen falschen Alarm gehandelt. Obwohl ebenfalls weit entfernt von den beiden Tatorten, wurden laut AP auf Anordnung der Polizei im Viertel Marais Geschäfte geschlossen. In dem Viertel im Zentrum von Paris sind viele jüdische Geschäfte und Restaurants angesiedelt.

Zusammenhang mit „Charlie Hebdo“-Anschlag

Zwischen dem tödlichen Angriff auf die Polizistin vom Donnerstag und dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am Mittwoch in Paris sehen die Ermittler seit Freitag einen Zusammenhang. Es gebe eine „Verbindung“ zwischen den mutmaßlichen Tätern der beiden Angriffe, wie ein Polizeivertreter am Vormittag bestätigte. Die beiden mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter halten sich derzeit nordöstlich von Paris mit mindestens einer Geisel verschanzt.

Screenshot twitter.com

twitter.com/Französische Polizei

Der mutmaßliche Todesschütze wurde zusammen mit seiner Freundin zur Fahndung ausgeschrieben

Die Behörden hatten zunächst erklärt, es gebe keinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten. Am Donnerstag übernahm dennoch die Anti-Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschat die Ermittlungen zu der Bluttat von Montrouge. Am Freitag verlautete aus Ermittlerkreisen, der mutmaßliche und noch auf der Flucht befindliche Täter sei identifiziert. Bei dem Verdächtigen soll es sich um den amtsbekannten Amedy Coulibaly handeln, der zusammen mit seiner Freundin Hayat Boumeddiene zur Fahndung ausgeschrieben wurde.

Mitglieder von „Buttes-Chaumont-Netzwerk“?

Das französische Magazin „Le Point“ hatte zuvor berichtet, alle drei mutmaßlichen Attentäter hätten dem nach einem Park im 19. Pariser Bezirk benannten „Buttes-Chaumont-Netzwerk“ angehört, das Dschihadisten zum Kampf gegen die US-Truppen in den Irak geschickt haben soll. Bei der Terrororganisation soll es sich um einen Ableger von Al-Kaida gehandelt haben. Als Kopf des „Buttes-Chaumont-Netzwerkes“ gilt der radikale Prediger Farid Benyettou, der Medienberichten zufolge bereits vor Jahren zu einer Art Mentor von Cherif Kouachi, einem der „Charlie Hebdo“-Attentäter, geworden sein soll.

Polizeieinsatz nahe Paris

Reuters/Youssef Boudlal

Tausende Polizisten sind im Einsatz

Nun soll dieser zusammen mit seinem Bruder Said für den schwersten Terroranschlag in Frankreich seit über 40 Jahren verantwortlich sein. Insgesamt starben bei dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ zwölf Menschen, darunter praktisch die gesamte Führungsmannschaft des Pariser Satiremagazins. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, sie befinden sich Cazeneuve zufolge aktuell aber nicht mehr in Lebensgefahr.

TV-Hinweis

ORF2 widmet sich in „Im Zentrum: Europa in Angst - Das Ende der Toleranz?“ am Sonntag um 22.00 Uhr den aktuellen Ereignissen in Frankreich.

Einen Tag später eröffnete schließlich in der Nähe der Porte de Chatillon im Süden von Paris ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Schnellfeuergewehr das Feuer auf Polizisten, die zu einem Unfall gerufen worden waren. Eine Polizistin wurde in den Rücken getroffen und verstarb wenig später an den schweren Verletzungen. Ein ebenfalls getroffener Mitarbeiter der Straßenreinigung liegt weiterhin schwer verletzt im Spital.

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