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VKI rät, Ansprüche geltend zu machen

Franken-Kredite sind durch die Währungsaufwertung pro Haushalt im Schnitt um 33.000 Euro teurer geworden, hat die Finanzmarktaufsicht am Dienstag errechnet. Einige der Kreditnehmer hatten versucht, sich mit einer Stop-Loss-Order gegen solche Risiken abzusichern, funktioniert hat die Sicherheitsschranke jedoch nicht, kritisiert der Konsumentenschutzverein (VKI).

Die zur Absicherung von Fremdwährungskrediten abgeschlossenen Stop-Loss-Order bzw. Limitaufträge hätten ihre Funktion bei der jüngsten Freigabe des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) nicht erfüllt, so der VKI am Mittwoch. Geschädigte Kreditnehmer haben nach Ansicht der Konsumentenschützer potenziell Ansprüche gegenüber ihrer Bank.

Automatische Umwandlung

Stop-Loss-Order bzw. Limitaufträge sollten eigentlich das Wechselkursrisiko eines Fremdwährungskredits begrenzen. Verändert sich der Kurs einer Fremdwährung - also etwa des Franken - über eine bestimmte vereinbarte Grenze hinaus, sollte der Fremdwährungskredit automatisch in Euro konvertiert werden. Damit sollten Verluste durch weitere Kursverschlechterungen vermieden werden.

Bei der Freigabe des Franken-Wechselkurses, der innerhalb kürzester Zeit zu einer massiven Aufwertung des Franken führte, haben diese Instrumente offensichtlich nicht zu den von den Betroffenen gewünschten Ergebnissen geführt. Viele Kreditnehmer versuchten ihre Darlehen mit einer Stop-Loss-Order knapp unter dem SNB-Mindestkurs von 1,20 abzusichern, die Orders wurden aber zu weit tieferen Kursen - bei 1,00 oder sogar darunter - ausgeführt, und der realisierte Verlust dadurch deutlich erhöht. Oft sei dadurch ein Schaden in deutlich fünfstelliger Höhe eingetreten, so die Konsumentenschützer.

„Kein Instrument zur Verlustbegrenzung“

„Vor Augen hatte man in diesem Zusammenhang gerade auch das Risiko eines Wegfalles der Kursstützung durch die Schweizer Nationalbank und folgende Kursturbulenzen - also genau jenen Fall, der am 15. Jänner 2015 eingetreten ist. Tatsächlich ist die Stop-Loss Order allerdings in derartigen Konstellationen kein Instrument zur Verlustbegrenzung, sondern eher zur Verlustmaximierung“, so der VKI.

Bei raschen Kursveränderungen - wie anlässlich der Franken-Freigabe - sei das Instrument „potenziell ungeeignet“, wie die Praxiserfahrung zeige. Auch von Sachverständigenseite werde das bestätigt. „Für Banken hätte eigentlich klar sein müssen, dass derartige Limitorder in solchen Konstellationen ungeeignet sind. Dennoch wurden Limitorder mit Kreditnehmern vereinbart, welche das Verlustrisiko begrenzen wollten“, kritisiert der VKI. Die Konsumentenschützer raten Betroffenen in jedem Fall zu einem Gespräch mit der jeweiligen Bank und dazu, gegebenenfalls Ansprüche zu erheben.

Erste: Einzelfall anschauen

Bei den beiden größten Franken-Kredit-Gebern in Österreich, Bank Austria (laut Moody’s 12,4 Mrd. Euro an Volumen) und Erste Bank (9,9 Mrd. Euro), sieht man das gelassener: Man könne auf die allgemeine Kritik des VKI nicht eingehen, heißt es von der Erste Bank gegenüber ORF.at. Man müsse sich jeden Einzelfall ansehen, so der Sprecher Michael Mauritz. Es sei jedoch nur mit einem „verschwindend kleinen Anteil“ der Kunden eine derartige Order abgeschlossen worden. Und diese Kunden habe man „explizit“ auf die Risiken aufmerksam gemacht. Die Bank werde sich mit jedem einzeln zusammensetzen, der einen Fehler aufseiten des Kreditgebers sieht.

Bank Austria: Zweistellige Kundenzahl betroffen

Ähnlich die Bank Austria: „Wir haben das nur in einer verschwindend geringen Anzahl“, sagte Sprecher Matthias Raftl auf Nachfrage. Man suche das Gespräch mit den betroffenen Kunden und werde individuell einen „passenden Weg“ finden. Laut Raftl ist nur eine zweistellige Zahl an Kreditnehmern betroffen. Wie es überhaupt dazu kommen kann, dass die Stop-Loss-Order nicht griff, erklärt Raftl mit dem schnellen Kursverfall nach der Aufwertung des Franken. Das Instrument löse erst zum nächsten Kurs aus, der sich am Markt bildet - wenn dieser bereits unter 1,20 Euro ist, dann wurde die Schwelle bereits unterschritten.

Nowotny warnt vor Schnellschüssen

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny warnte jedenfalls am Mittwoch vor panischen Reaktionen auf den Höhenflug des Schweizer Franken. „Man sollte das nicht dramatisieren“, sagte Nowotny auf der Euromoney-Konferenz in Wien. Allein in Österreich seien 18 Prozent aller Darlehen an Privathaushalte Franken-Kredite. „In den meisten Fällen handelt es sich dabei um langfristige Hypothekarkredite. Daher gibt es in den meisten Fällen keine unmittelbaren Auswirkungen und Zeit, sich die Effekte anzusehen“, sagte Nowotny. Alle Betroffenen müssten daher diese langfristige Perspektive im Auge behalten und Schnellschüsse vermeiden.

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