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Osteuropa in Sorge

Kroatien prüft wegen des Höhenflugs des Schweizer Frankens weitere Maßnahmen zum Schutz heimischer Kreditnehmer. Die Regierung denkt darüber nach, ob sie nach dem Vorbild Ungarns eine Umwandlung von Franken-Krediten in Darlehen in der Landeswährung durchsetzen soll. Banken müssten zwar profitabel bleiben, aber die Risiken müssten geteilt werden, so Ministerpräsident Zoran Milanovic am Mittwoch vor dem Parlament.

Wie viele andere Osteuropäer hatten auch zahlreiche Kroaten vor der Finanzkrise wegen der günstigen Zinsen Franken-Kredite aufgenommen. Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Euro-Mindestkurs vergangene Woche überraschend aufgegeben hatte, legte der Franken kräftig zu. Deswegen müssen die Kreditnehmer in lokalen Währungen deutlich mehr Geld zurückzahlen und könnten dadurch in die Bredouille geraten.

Erste Maßnahme: Wechselkurs fixiert

Die kroatische Regierung hat bereits angekündigt, den Wechselkurs der Landeswährung Kuna zum Franken für ein Jahr festzusetzen. Sie hofft nun auf die Zustimmung des Parlaments. In Kroatien haben rund 60.000 Hausbesitzer in Schweizer Währung ausgegebene Darlehen im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro aufgenommen.

Ungarn hatte Banken bereits gezwungen, Franken-Kredite zu für sie ungünstigen Wechselkursen in Forint-Darlehen zu tauschen. Auf den Verlusten bleiben die Institute sitzen. Auch Rumänien will in die Klemme geratenen Kreditnehmern helfen. Diese sollen leichter an Umschuldungsprogrammen teilnehmen können. In Polen, wo neben Österreich besonders viele Menschen Franken-Kredite haben, hatte Notenbank-Gouverneur Marek Belka bereits „außerordentliche“ Maßnahmen und eine mögliche Kürzung der Kreditraten angekündigt.

RBI ist unbesorgt

Die Raiffeisen Bank International (RBI) erwartet jedenfalls keine größeren Schwierigkeiten mit ausstehenden Franken-Krediten in Osteuropa. „Ich sehe es nicht als großes Problem. Das einzige Land ist Polen, wo es ein größeres Volumen gibt, aber in Polen sehen wir, dass die Schweizer-Franken-Kreditnehmer eher die Wohlhabenden sind“, sagte RBI-Chef Karl Sevelda am Dienstag am Rande einer Konferenz in Wien. Die Anzahl der faulen Kredite werde daher „maximal gering“ steigen. Die RBI gehört zu den größten Kreditgebern in Osteuropa. In Polen hatte die Bank zuletzt Franken-Kredite mit einem Volumen von 2,9 Milliarden Euro ausstehen.

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