EU will Maßnahmen gegen Massenexodus aus dem Kosovo

Die Europäische Union hat von der kosovarischen Regierung rasche Maßnahmen zur Eindämmung der massenhaften Auswanderung gefordert. Die Zeitung „Koha Ditore“ zitierte heute einen namentlich nicht genannten EU-Diplomaten: „Die kosovarischen Behörden sollten nicht versuchen, das Gewicht des Problems zu relativieren.“ Auf dem Spiel stehe die geplante Visabefreiung.

Der hochrangige Diplomat drückte seine große Besorgnis über den Massenexodus der vergangenen Wochen aus. Im Dezember und Jänner sollen mehr als 50.000 Bürger den Kosovo via Serbien in Richtung Österreich, Deutschland und Ungarn - auch mit Hilfe von Schleppern - verlassen haben. Im gesamten Vorjahr waren es insgesamt 24.000 gewesen.

Kosovo gilt als sicherer Drittstaat

Grund für den Emigrantenstrom ist die Sozialmisere. Der stellvertretende Minister für EU-Integration, Ramadan Ilazi, sprach von einer „menschlichen Tragödie“ wegen der „schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lage, des Fehlens von Arbeitsplätzen“. Ein „gut organisiertes Netz“ mache den Menschen weis, dass sie Asyl erhalten könnten, sagte Ilazi der „Revista Televizive te Mbremjes“. Dagegen wolle man nun vorgehen.

Das Kosovo gilt für Österreich seit Jahren als sicherer Drittstaat. Damit besteht kaum eine Chance, Asyl zu erhalten. Österreich hat ein Abkommen mit dem Kosovo zur Rückführung von Personen, die sich illegal hier aufhalten. Laut Medienberichten belastet die Auswanderungsbewegung die kosovarische Wirtschaft zusätzlich - denn so wird im Kosovo weniger gekauft. 100 Millionen Euro hätten die Auswanderer schätzungsweise bei sich und werden diese nun wohl nicht im Kosovo ausgeben.