Tausende Kosovo-Flüchtlinge in Ungarn festgenommen

Binnen sechs Tagen sind in Ungarn nach Behördenangaben fast 8.000 illegal eingereiste Kosovaren festgenommen worden. Täglich seien im genannten Zeitraum zwischen 667 und 1.696 Menschen in Gewahrsam genommen worden, teilte die ungarische Polizei gestern mit.

Bei den Festgenommenen handle es sich zu 95 Prozent um Staatsangehörige des Kosovo. Die meisten von ihnen seien südlich der Stadt Szeged nahe der Grenze zu Serbien aufgegriffen worden.

Seit dem Winter stieg die Zahl der Flüchtlinge aus der früheren serbischen Provinz stark an. In Ungarn treffen derzeit ganze Familien ein, von denen viele nach Westeuropa wollen. Seit Jahresbeginn beantragten bereits etwa 13.000 Menschen Asyl. Im gesamten vergangenen Jahr waren es etwa 43.000 - nach nur 2.200 Anträgen im Gesamtjahr 2012.

Anlaufstelle für Asylanträge

Kosovaren benötigen ein Visum für die EU. Wenn sie beim illegalen Grenzübertritt ertappt und festgenommen werden, stellen sie in der Regel Asylanträge in Ungarn. Das EU-Land muss sie daraufhin zumindest vorübergehend beherbergen, was die örtlichen Behörden vor massive logistische Probleme stellt.

Das Kosovo hatte sich im Jahr 1999 im Zuge eines blutigen Konflikts unter Beteiligung der NATO von Serbien abgespaltet. Im Jahr 2008 erklärte Prishtina seine Unabhängigkeit, die jedoch bis heute von Belgrad nicht anerkannt wird. Der Kleinstaat zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Etwa 40 Prozent der 1,8 Millionen Einwohner leben in Armut.