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„Wie Privatjet behandelt“

Im Prozess um die „Nussaffäre“ an Bord eines südkoreanischen Flugzeugs hat ein Gericht die Tochter des Chefs von Korean Air zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Gericht befand Cho Hyun Ah unter anderem wegen Gefährdung der Flugsicherheit für schuldig, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag berichtete.

Die Angeklagte habe die KAL-Linienmaschine „wie ihren Privatjet behandelt“, sagte der zuständige Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft für die Tochter von KAL-Chef Cho Yang Ho und ehemalige Vizechefin des Unternehmens gefordert.

Die 40-jährige Cho war in einer Maschine der Fluglinie in Rage geraten, als ihr eine Flugbegleiterin Macadamianüsse in einem Sackerl und nicht in einer Schale reichte. Es kam zu einem Streit. Cho ließ den Chefsteward kurz vor dem Start von Bord werfen, weshalb die Maschine auf dem Rollfeld in New York unmittelbar vor dem Start umkehren musste. Mit ihrem Verhalten zog sie die Kritik vieler Landsleute auf sich.

Cho verteidigte sich

Der Fall schlug hohe Wellen. Cho trat von ihrem Posten als KAL-Vizechefin zurück und entschuldigte sich öffentlich. Sie bestand aber vor Gericht darauf, ihr Verhalten habe daraus resultiert, dass die Besatzung die Vorschriften nicht beachtet habe. Cho bestritt zudem, handgreiflich gegen Chefsteward Park Chang Jin geworden zu sein.

Weniger Toleranz gegenüber „Jaebeol“

Die südkoreanische Wirtschaft wird entscheidend von einigen wenigen Familien und deren Firmenkonglomeraten geprägt, die „Jaebeol“ genannt werden und oft jenseits des Gesetzes agieren. Chefs solcher Firmenimperien, die wegen Wirtschaftskriminalität verurteilt wurden, kamen in der Vergangenheit in der Regel mit bedingten Haftstrafen davon und wurden in der Folge meist pardoniert. Gerichte anerkannten dabei oft den Beitrag der Industriellen zur Umwandlung Südkoreas von einem Entwicklungsland in eine Industrienation.

Die Aufregung über den „Nussskandal“ zeigt diesbezüglich nun ein gesellschaftliches Umdenken an - insbesondere, dass die Südkoreaner gegenüber der zweiten und dritten Generation der Industriellenfamilien weniger nachsichtig sind. Die Erben von riesigen Vermögen klettern rasch die Karriereleiter hinauf - doch die meisten bezweifeln, dass sie dafür auch die Qualifikationen haben.

Anklage zweifelte an Reue

Die Anklagevertreter hatten während des Prozesses an der Reumütigkeit Chos gezweifelt. „Es ist schwierig zu sagen, dass sich Cho aufrichtig entschuldigt hat“, sagte ein Staatsanwalt. Sie schiebe die Schuld für den Streit weiter auf die Besatzung und besonders den leitenden Flugbegleiter. Das Gericht dagegen berücksichtigte laut eigenen Angaben beim Strafausmaß die Reue als mildernd.

Zuvor hatte sich Konzernchef Cho Yang Ho vor Gericht für das unflätige Verhalten seiner Tochter entschuldigt. „Es war ihr Fehler, weil sie ihre Emotionen nicht im Griff hatte“, sagte er vor Gericht in Seoul. „Ich möchte mich bei den betroffenen Mitarbeitern entschuldigen.“ Der Konzernchef kündigte zudem an, die Unternehmenskultur bei KAL zu ändern. Er räumte ein, dass es seiner Tochter nicht zugestanden habe, das Flugzeug zur Umkehr zu zwingen.

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