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Österreicher fahren der Krise davon

Unsichere Wirtschaftslage, schwächelnder Konsum und weltweite Krisen hin oder her - die Österreicher verzichten heuer offenbar besonders ungern auf ihren Urlaub. Die Reiselust hat sich gegenüber den Vorjahren laut einer aktuellen Umfrage deutlich verstärkt.

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„Die Buchungen, die bisher bereits getätigt worden sind, sind sehr gut angelaufen - wir sind um zwei bis drei Prozent besser als im Vorjahr“, sagte der Generaldirektor des größten heimischen Tourismuskonzerns Verkehrsbüro Group, Harald Nograsek, im Jänner auf der Ferien-Messe in Wien. „Wir sind sehr zuversichtlich für 2015.“

Die Reisefreude habe zugenommen, sagte der Verkehrsbüro-Chef und verwies auf eine aktuelle Karmasin-Umfrage zu Reiseplänen, Urlaubsbudgets und Buchungsverhalten der österreichischen Bevölkerung, die im Auftrag seines Hauses durchgeführt wurde. Demnach planen heuer 90 Prozent der Befragten zu verreisen - ein Rekordwert, heißt es aus dem Verkehrsbüro gegenüber ORF.at: Im Vorjahr gaben 88 Prozent an, verreisen zu wollen, tatsächlich machten 83 Prozent der Österreicher Urlaub - vor zwei Jahren wollten 77 Prozent verreisen, 2012 waren es 74 und 2011 77 Prozent.

Grafik zeigt Reisebudget und geplante Reisen der Österreicher

APA/ORF.at

Auf der Suche nach „totaler Entspannung“

„Das Bedürfnis nach Urlaub steigt, je mehr der soziale Druck auf die Menschen steigt“, resümiert Meinungsforscherin Helene Karmasin. Der Wunsch, Urlaub zu machen, habe dieses Jahr nochmals zugenommen. Die Menschen wollten „eine Gegenwelt erleben und alles hinter sich lassen“. Das korreliere mit dem Motiv der totalen Entspannung - auch bei den Jungen, den bis 30-Jährigen. In dieser Gruppe sei das neu. „Das heißt, die Stimmung bei den Leuten ist ganz gut - Urlaub machen ist ein Bestandteil der Lebenskultur“, so Nograsek, „rund ein Drittel möchte heuer länger verreisen und die Reisekasse aufstocken.“

Immer öfter auf Achse

„Ein positiver Faktor ist, dass auch die Reisehäufigkeit zunimmt“, so der Chef des Tourismuskonzerns, zu dem unter anderen die Austria Trend Hotels und die Ruefa-Reisebüros gehören. Fast 50 Prozent der Befragten wollen heuer ein- bis zweimal pro Jahr verreisen, 30 Prozent drei- bis viermal. Der Trend gehe dabei vor allem in Richtung Städtereisen. Die gefragtesten Destinationen sind 2015 Berlin, London und Rom - dicht gefolgt von Hamburg und Barcelona.

„Da wird auch wirklich Geld ausgegeben - etwa für eine schöne Unterkunft“, so Karmasin. 45 Prozent buchen für ihre Städtereise Hotels in der Vier- und Fünfsternekategorie, 26 Prozent entscheiden sich für Bed and Breakfast und 23 Prozent für ein Low-Budget-Haus. Ein Großteil (38 Prozent) gibt dabei für eine Übernachtung im Schnitt 51 bis 80 Euro pro Person aus, 25 Prozent 30 bis 50 Euro und 20 Prozent 81 bis 120 Euro.

Der Norden ist im Kommen

Stärker nachgefragt werden zudem Lissabon und Städte im hohen Norden wie Stockholm, Oslo und Helsinki, so Birgit Reitbauer vom Verkehrsbüro gegenüber ORF.at. Im Kommen sei hierbei ein neuer Trend: die Zweistädtekombination. Als Beispiele nennt Reitbauer Lissabon - Porto, London - Paris und Kopenhagen - Oslo. Vor allem die Metropolen in Nordeuropa werden immer öfter im Rahmen von kleinen Dreitageskreuzfahrten angeboten.

Hafen von Stockholm

Fotolia/SergiyN

Stockholm wird immer öfter von den Österreichern bereist

Aus zwei mach eins

Kreuzfahrten verzeichnen laut Reitbauer generell zweistellige Zuwachsraten. Auch bei ihnen zeichne sich ein Trend zu mehr Individualisierung und bisher unüblichen Kombinationen ab - etwa zu längeren Aufenthalten an Anlegestellen und zu Kombinationen mit klassischen Badeurlauben im Anschluss.

Reisen werde generell immer maßgeschneiderter, so die Touristikerin. Es gehe um „das Besondere im Urlaub“. Stark nachgefragt sind demnach generell Themen- und Sportreisen. Immer öfter würden Aktiv- und klassische Erholungsurlaube miteinander verbunden, gereist werde kombiniert per Schiff, Bus, Flugzeug und Bahn. Auch Stop-over-Aufenthalte liegen demnach im Trend.

Geheimtipp: Lateinamerika statt Asien-Trip

Der Umfrage zufolge wollen 81 Prozent heuer nicht allzu weit wegfahren - also vor allem in Europa bleiben. Ganz oben auf der Wunschliste steht Österreich - dahinter rangieren Italien, dann gleichauf Deutschland und die Schweiz vor Kroatien, Spanien bzw. den Kanarischen Inseln sowie ebenfalls gleichauf Griechenland, das heuer an Fahrt aufnimmt, und England/Irland/Schottland. Leicht rückläufig ist hingegen heuer die Türkei, die aber weiter auf hohem Niveau rangiert. Das Krisenland Ägypten konnte zuletzt wieder aufholen.

Bus in Nicaragua

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Für entdeckungsfreudige Urlauber ist Nicaragua ein Geheimtipp

Da viele mehrere Reisen in Erwägung ziehen, kann sich die Hälfte der Befragten zugleich auch für ein Fernreiseziel erwärmen. Am beliebtesten sind hier trotz des derzeit hohen Dollar-Kurses die USA - und das deutlich vor Thailand, den Malediven, Sri Lanka und der Dominikanischen Republik. Auf der Überholspur befindet sich laut Verkehrsbüro Lateinamerika. Als Geheimtipp mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis nennt Reitbauer Nicaragua und Kolumbien, „für Winter wie Sommer“.

„Preise bleiben auf Vorjahresniveau“

Die verstärkte Nachfrage macht den Urlaub offensichtlich nicht teurer: „Die Preise bleiben auf Vorjahresniveau - außer bei Destinationen mit Dollar-Preis. Dorthin kosten Reisen um durchschnittlich drei Prozent mehr“, sagt Verkehrsbüro-Vorstandsdirektor Martin Bachlechner. Das Urlaubsbudget der meisten Österreicher sei heuer gegenüber dem Vorjahr „eigentlich gleich geblieben“, so Nograsek.

Denn mehr als die Hälfte verfügt heuer laut Umfrage über ein ähnliches Urlaubsbudget wie 2014. Immerhin 29 Prozent haben allerdings mehr Geld für den heurigen Urlaub zur Verfügung, 16 Prozent müssen dafür sparsamer sein. Heuer gibt der Österreicher für seine Reisen im Durchschnitt insgesamt etwa 1.278 Euro aus, errechnete das Verkehrsbüro.

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