Türkei: Proteste nach Mord an Studentin weiten sich aus

Die versuchte Vergewaltigung und der Mord an einer jungen Frau hat in der Türkei wütende Proteste ausgelöst. Am Wochenende versammelten sich unter anderem in der Hauptstadt Ankara, der Metropole Istanbul, dem westtürkischen Izmir und dem südosttürkischen Gaziantep zahlreiche Menschen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren, wie türkische Medien berichteten.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter wurde auch für heute zu Demonstrationen aufgerufen. Unter dem Hashtag #sendeanlat („Erzähl auch du es“) teilten Frauen in der Türkei heute ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung mit. Viele Frauen berichteten auch, sie hätten Angst, alleine nach Hause zu gehen oder sich ohne männliche Begleitung in Busse zu begeben.

Kritik an AKP-Politiker

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu verurteilte den Mord als „blutrünstigen Angriff“. Sowohl Davutoglu als auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprachen der Familie des Opfers nach Angaben türkischer Medien ihr Beileid aus.

Frauenorganisationen kritisierten wiederum, sexistische Bemerkungen von AKP-Politikern würden ein frauenfeindliches Klima begünstigen. Vor allem Erdogans Ansichten über die Rolle der Frau sind in der Türkei umstritten. Erst im Jänner hatte er erklärte, Frauen und Männer wären nicht vollständig gleichberechtigt. Er hatte den Türkinnen außerdem immer wieder nahegelegt, mindestens drei Kinder zu bekommen.

Busfahrer erschlug Studentin

Am Freitag hatte die Polizei die Leiche einer seit Mittwoch als vermisst gemeldeten 20-Jährigen in der südtürkischen Provinz Mersin gefunden. Sie war nach Angaben türkischer Medien mutmaßlich von einem Minibusfahrer ermordet worden.

Der inzwischen festgenommene und geständige Busfahrer sagte nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“ aus, er habe versucht, die Studentin zu vergewaltigen, nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen seien. Als sie sich wehrte, habe der Mann auf sie eingestochen und ihr mit einem Eisenstab auf den Kopf geschlagen. Die beiden mutmaßlichen Komplizen, die ihm geholfen haben sollen, die Leiche zu verstecken, seien ebenfalls festgenommen worden, so „Hürriyet“ weiter.