Bombenalarm an Terrortatort in Kopenhagen

Nach dem Fund eines verdächtigen Briefs am ersten Terrortatort in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen haben Sprengstoffexperten das Gelände heute Früh untersucht.

Mit Hunden fahndeten Ermittler am Cafe des gleichnamigen Kulturzentrums Krudttönden im Stadtteil Österbro nach Spuren. Mehrere Polizeiwagen standen an dem abgesperrten Gelände, wo ein Terrorist am Wochenende einen 55-Jährigen erschossen hatte.

Der Brief enthalte Botschaften, die in Zusammenhang mit dem Attentat am Samstag stünden, sagte die Polizei der Nachrichtenagentur Ritzau. Es handle sich aber nicht um hasserfüllte Aussagen, hieß es. Angeblich hätten Mitarbeiter des Kulturcafes die Ermittler alarmiert.

Suchaktion in Kopenhagen

In der Nacht hatten Polizisten laut Medienberichten das Wohngebiet Mjölnerparken im Stadtteil Nörrebro, wo der Attentäter vom Wochenende gewohnt haben soll, durchkämmt.

Die Polizei bestätigte dem Sender, dass den Ermittlern ein junger Mann in Tarnkleidung entkommen sei. „Wir suchen nun danach, was er weggeschmissen haben könnte, als er vor uns weggelaufen ist“, sagte ein Sprecher. Mehrere Kellerräume seien mit Hunden durchsucht worden. Dass die nächtliche Aktion mit den Terroranschlägen zusammenhänge, bestätigte er nicht.

Kopenhagen: Zehntausende trauerten um Terroropfer

Am Vorabend hatten sich in Kopenhagen rund 40.000 Menschen zu einer Gedenkstunde für die beiden Opfer der Terroranschläge versammelt. Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte: „Wir bestehen auf unserer Freiheit. Wir passen aufeinander auf." Thorning-Schmidt weiter: „Ein Angriff auf die Juden ist ein Angriff auf Dänemark - auf uns alle.“

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kopenhagen, Dan Rosenberg Asmussen, rief Muslime und Juden zu Zusammenhalt auf. „Die Situation in Europa ist nicht so schlimm, das Leben in Europa ist nicht so katastrophal“, sagte Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior in Reaktion auf Aufrufe der israelischen Regierung, Europas Juden sollten nach Israel auswandern.

Immer mehr Details zum Täter

Unterdessen werden immer mehr Details übe den Attentäter bekannt. Entgegen anfänglichen Annahmen der dänischen Sicherheitsbehörde mehren sich die Hinweise auf ein islamistisches Motiv. Wie dänische Medien berichteten, wollte sich der arabischstämmige Todesschütze der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen. Die Polizei nahm zwei mutmaßliche Komplizen des 22-Jährigen fest, die wegen Verdachts der Mithilfe in Untersuchungshaft kamen.

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