Themenüberblick

„Der Mann, der Kameras meidet“

Mit der Sicherung von Rohstoffvorkommen und milliardenschweren Infrastrukturprojekten hat sich China in den letzten Jahren zu einem gewichtigen Player in Afrika entwickelt. An Ort und Stelle setzt China auf mit der Region vertraute Mittelsmänner, und hier kommt mit Sam Pa ein von Mythen umrankter Geschäftsmann ins Spiel, der nicht nur wichtige Türen öffnet, sondern sich damit offenbar auch ein wahres Imperium aufbauen konnte.

Geht es nach der „Financial Times“ („FT“), steht der 56-Jährige hinter einem undurchsichtigen Firmengeflecht, dessen Portfolio unter anderem auch Geschäfte mit den Rohstoffgiganten BP, Total und Glencore umfassen soll. Im Zentrum stehen soll dabei die in Hong Kong ansässige Queensway Group, die auch Luxusappartements in Singapur, eine Airbus-Flotte sowie indonesische Gas- und Ölraffinerien ihr Eigen nennt und auch vor nicht näher genannten Deals mit dem Regime in Nordkorea nicht zurückschrecken soll.

In einer offiziellen Funktion sucht man Pa bei Queensway dennoch vergeblich, und auch China will von einem engen Geschäftsverhältnis offenbar wenig wissen - für „FT“ steht aber außer Frage, dass das genannte Firmenkonglomerat eine Schlüsselrolle bei Chinas Aufstieg in Afrika spielte und noch immer spielt.

Auf Sanktionsliste von US-Handelsministerium

Erst durch Queensway sei es den Angaben zufolge etwa gelungen, umstrittene und von Korruptionsvorwürfen begleitete Öldeals in Angola und Nigeria einzufädeln - offenbar immer mit Anwesenheit des als Repräsentanten auftretenden Pa. Dennoch existieren von diesem kaum Bilder, vielmehr gilt Pa etwa für das Onlineportal Bulawayo24 als „der Mann, der die Kameras meidet“. Dazu kommt gleich eine Reihe von Alias-Namen, darunter etwa Sampa, Samo, Sam King, Sa Muxu, Xu Songhua, Xu Jinghua und Ghui Ka Leung - zudem seien etliche Geschäfte auch von Pas Lebensgefährtin bzw. Ehefrau (der genaue Status gilt als nicht bekannt) gezeichnet.

Screenshot bulawayo24.com

www.bulawayo24.com

Bulaway24 zeigt eines der wenigen bekannten Bilder von Pa

Pa scheint somit durchaus um einen Ruf als mysteriöser Mittelsmann bemüht - das verhinderte dennoch nicht, dass er etwa zuletzt auch ins Visier der US-Behörden geriet und sich sein Name seit letzten Sommer auf einer Sanktionsliste des US-Handelsministeriums findet. Der genannte Vorwurf: Unterstützung des Regimes von Langzeitmachthaber Robert Mugabe in Simbabwe, wo mit China Sonangol ein ebenfalls Queensway zugerechnetes Erdölunternehmen und der Eigentümer des als „The Corner“ bekannten ehemaligen JPMorgan-Hauses in der New Yorker Wall Street groß ins Rohstoffgeschäft eingestiegen ist.

23 Wall Street

CC BY-SA 3.0

Von Sonangol gekauft: Das als „The Corner“ bekannte ehemalige JPMorgan-Haus in der New Yorker Wall Street

Am Pranger findet sich Pa aber auch bei der auf Rohstoffausbeutung, Korruption und Missachtung von Menschenrechten spezialisierten Nichtregierungsorganisation Global Witness. Diese wirft Pa unter anderem vor, Mugabes Wiederwahl finanzkräftig unterstützt und sich im Gegenzug Schürfrechte in den Minenfeldern von Marange und Zugang zu Simbabwes Baumwollindustrie gesichert zu haben.

Ehemaliger Geheimdienstler?

Obskure und umstrittene Deals begleiten laut „FT“ aber ohnehin den Weg des von der Zeitung einerseits als „Führer eines Imperiums“ und gleichzeitig als „Geist“ bezeichneten Pa. Gesicherte Informationen seien allerdings nicht nur über dessen weltweite Geschäftstätigkeit, sondern auch über Pas Vergangenheit Mangelware. Offenbar 1958 in Zentralchina geboren, soll Pa bereits als Kind nach Hong Kong übersiedelt sein und neben der chinesischen auch die angolanische Staatsbürgerschaft besitzen.

Einem ehemaligen Geschäftspartner zufolge sei Pa als Mitglied des chinesischen Geheimdienstes bereits in den 80er Jahren für Chinas Expansion nach außen zuständig gewesen, und in dieser Funktion sei er schließlich auch zu einem „Big Player“ im Öl-, Diamanten-, aber auch im Waffengeschäft geworden. Als größtes Kapital sollten sich schließlich Pas enge Kontakte in die Amtstuben der afrikanischen Machthaber erweisen: Gelang es China - so zumindest die „FT“ - doch erst durch die „alles zählenden“ persönlichen Beziehungen Pas, viele Wege ins „unbekannte Terrain“ Afrika zu ebnen.

Links: