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Kampf mit allen Bandagen

Simbabwes langjähriger Machthaber Robert Mugabe hat im Dezember seine Frau Grace in eine Führungsposition der Regierungspartei ZANU-PF gehoben. Zum Abschluss des mehrtägigen Parteitags wurde Grace Mugabe zur Vorsitzenden der einflussreichen Frauen-Liga gewählt und gehört damit automatisch dem Politbüro der ZANU-PF an.

Die mehr als 40 Jahre jüngere Ehefrau des 91-jährigen Mugabe bringt sich damit einmal mehr als Nachfolgerin für ihren Mann in Stellung. Bereits im Oktober hatte Grace Mugabe erklärt, sie wolle ihren Mann im höchsten Amt des südafrikanischen Landes beerben. Damals forderte die First Lady auch gleich die bisherige Vizepräsidentin des Landes, Joice Mujuru, zum Rücktritt auf. Diese dürfe sich nicht einbilden, die Einzige zu sein, die Mugabes Amt übernehmen könne, so die Präsidentengattin.

Schmutzkübelkampagne gegen Vizepräsidentin

Mujuru hatte gute Aussichten darauf, Mugabe im Amt zu beerben. Doch Grace Mugabe ließ es nicht bei dieser einen Attacke bewenden. Sie hätte die Politikerin „wochenlang öffentlich gegeißelt“ und sie „inkompetent“, „korrupt“ und „eine Lügnerin“ genannt, schrieb die „Financial Times“ („FT“) im November. Der schwerwiegendste Vorwurf lautete jedoch, die Vizepräsidentin habe ein Attentat gegen Robert Mugabe geplant.

Der Schmutzkübelkampagne war am Ende Erfolg beschieden. Mujuru wies zwar alle Vorwürfe von sich, verlor aber noch vor dem Parteitag ihren Vorstandsposten innerhalb der ZANU-PF. Ebenso wurde die Partei von allen Anhängern der Vizepräsidentin gesäubert - unter ihnen war der bisherige Parteisprecher Rugare Gumbo, der wütend von einem „Schlafzimmerputsch“ sprach.

Robert Mugabe ließ es sich freilich nicht nehmen, am Parteitag noch einmal gegen seine ehemalige Stellvertreterin zu wettern. „Ich bin offen gegenüber Konkurrenz, aber nicht wenn dazu gehört, mich auf Kabila-Weise aus dem Weg zu räumen“, so der Präsident. Mugabe spielte damit auf den ehemaligen Präsidenten des Kongo, Laurent-Desire Kabila, an. Dieser war 2001 einem Attentat durch einen seiner Leibwächter zum Opfer gefallen.

Von „Gucci Grace“ zu „Präsidentin Grace“

Die heute 49-jährige Grace heiratete 1996 den Langzeitmachthaber Mugabe - vier Jahre nach dem Tod seiner erster Frau. In den vergangen Jahren war die First Lady Simbabwes vor allem für ihre Leidenschaft für Luxusshopping bekannt. Nun ist „Gucci Grace“ - so ihr nur wenig schmeichelhafter Spitzname - aber tatsächlich in einer guten Ausgangsposition, um eines Tages das politische Erbe ihres Mannes zu übernehmen.

Einerseits wurde sie zur Vorsitzenden der einflussreichen Frauenliga gewählt - ein Amt, für das sie bereits im August nominiert worden war. Damals war laut BBC auch das erste Mal von „Präsidentin Grace“ die Rede. Andererseits wurde ihr Mann, der Simbabwe seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 ohne Unterbrechung regiert, beim Parteitag wie erwartet als Parteichef bestätigt und als Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl nominiert.

Präsident mit neuen Vollmachten

Die Zeitung „The Herald“ hatte bereits in der vergangenen Woche Quellen aus Mugabes Partei ZANU-PF zitiert, wonach sich deren Mitglieder darauf geeinigt hätten, „Präsident Mugabe die Ernennung aller Mitglieder des Politbüros zu ermöglichen“. Das beinhalte die Ernennung des Parteivizepräsidenten und des nationalen Vorsitzenden. Damit solle „der Entstehung verschiedener Machtzentren“ entgegengewirkt werden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Parteikreise.

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