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Anwalt zweifelt an Suizid

Der ehemalige kasachische Botschafter in Wien, Rachat Alijew, ist tot. Der Insasse der Justizanstalt Wien-Josefstadt hatte in der Nacht auf Dienstag in seiner Einzelzelle Suizid begangen. Alijew habe sich in der Nasszelle erhängt, teilte Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion, mit.

Der Suizid geschah wenige Stunden, bevor Alijew am Dienstag in einem Prozess gegen zwei ehemalige Zellengenossen als Zeuge aussagen sollte. Ihnen wird die Erpresseung Alijews vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hatte am 22. Dezember Anklage gegen die beiden Männer erhoben.

Erpresser sollen Schutzgeld verlangt haben

Die beiden vermeintlichen Erpresser, mit denen Alijew die erste Zeit in Untersuchungshaft gemeinsam in einer Zelle verbracht hatte, sollen Schutzgeld von Alijew verlangt haben. Laut Anklage sollen sie dem Kasachen gesagt haben, in der Justizanstalt gebe es „viele verrückte Leute“. Wenn er, Alijew, überleben wolle, müsse er Schutzgeld bezahlen, ansonsten könne ihn jemand während des Waschens im Duschraum umbringen und das wie einen Selbstmord aussehen lassen.

Die angeblichen Erpresser wiesen die gegen sie erhobenen Vorwürfe als von Alijew inszeniert zurück. Dieser habe damit nur die Verlegung in eine Einzelzelle erreichen wollen, was auch geglückt sei. Wegen der Drohungen war Alijew auf eigenen Wunsch in eine Einzelzelle verlegt worden.

Verteidiger zweifeln an Selbstmord

Auch vom kasachischen Geheimdienst sah sich Alijew permanent bedroht. Dieser habe ausreichend Agenten auch in Österreich, um ihn hier zu töten, so Alijew gegenüber Medien. In Kasachstan sei ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro auf ihn ausgesetzt, so Alijew.

Für seine Verteidiger ist es schwer vorstellbar, dass sich der 52-Jährige selbst das Leben nahm. „Ich habe daran erhebliche Zweifel, ohne jemanden beschuldigen zu wollen. Ich habe ihn gestern noch besucht. Es konnte überhaupt keine Rede von Suizidgefahr sein“, so Klaus Ainedter, der gemeinsam mit seinem Vater Manfred Ainedter seit mehreren Jahren Alijew strafrechtlich vertreten hat, in einer ersten Reaktion. Jetzt gelte es die Ermittlungen abzuwarten: „Wir vertrauen darauf, dass der Tod genauestens untersucht und die Todesursache eindeutig festgestellt wird.“

Galt nicht als suizidgefährdet

Der Ex-Diplomat befand sich auf eigenen Wunsch in einer Einzelzelle der Sonderkrankenanstalt in der Justizanstalt. „Er galt nicht als selbstmordgefährdet“, so Prechtl. Im internen System der Justizanstalt lief Alijew unter „Grün“, was bedeutet, dass er ohne Bedenken alleine in einer Zelle sein durfte. „Er dürfte viel an seinen Akten gearbeitet haben“, so Prechtl. Die Zelle Alijews sei regelmäßig kontrolliert worden, allerdings ist die Nasszelle samt WC und Dusche dabei nicht einsehbar.

Prozessbeginn stand bevor

Ende März, Anfang April sollte im Wiener Landesgericht der Prozess gegen Alijew beginnen. Dabei sollte geklärt werden, ob Alijew, der mitangeklagte Ex-Chef des kasachischen Geheimdiensts KNB, Alnur Mussajew, sowie ein ehemaliger Leibwächter Alijews an der Entführung, Verschleppung und Ermordung zweier kasachischer Banker beteiligt waren.

Der frühere Botschafter wies die Vorwürfe als Intrige seines Ex-Schwiegervaters, des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, zurück. Er sollte demnach kaltgestellt werden, nachdem er Interesse am Amt des kasachischen Präsidenten geäußert hatte.Die kasachische Justiz begann mit der Verfolgung Alijews, nachdem sich dieser im Jahr 2007 mit Nasarbajew überworfen hatte. Zwei Auslieferungsbegehren Kasachstans wurden von Österreich abgelehnt, nach längerem Tauziehen begann die österreichische Justiz 2011 selbst mit Ermittlungen in dem Fall.

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