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Erste Tage besonders kritisch

Durchschnittlich zehn Häftlinge pro Jahr nehmen sich in österreichischen Gefängnissen das Leben. Kritisch sind dabei vor allem die ersten Tage in Untersuchungshaft und die Zeit um die Urteilsverkündung. Ein Fragenkatalog, der bei der Aufnahme von Insassen ausgefüllt werden muss, soll die Justiz auf eventuelle Gefährdungen aufmerksam machen.

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Die Suizidrate ist bei Untersuchungshäftlingen deutlich höher als bei Strafgefangenen. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter im November des Vorjahres hervor.

Hochgerechnet auf 100.000 Untersuchungshäftlinge betrug die Suizidrate 176,6 pro Jahr. In der Strafhaft beträgt die Suizidrate 32,8, im Maßnahmenvollzug 113,5. Binnen zehn Jahren, von 2003 bis 2013, begingen 45 Untersuchungshäftlinge Suizid. Bei der Gesamtbevölkerung liegt die Suizidrate bei 12,8 pro 100.000 Einwohner (Durchschnittswerte der Jahre 2007 bis 2011).

Zahl der Suizide leicht rückläufig

In den Jahren 1991 bis 2005 lag die Selbstmordrate in Österreichs Gefängnissen bei durchschnittlich zwölf pro Jahr, mit der niedrigsten Zahl von acht Fällen und einem Höchststand von 20 Suiziden. Im Dezember 2007 wurde das Viennese Instrument for Suicidality in Correctional Institutions (VISCI) eingeführt. 2008 sank die Anzahl der Suizide daraufhin auf sechs.

Alijew als „Grün“ eingestuft

VISCI ist ein Formular mit 20 Fragen - u. a. zur sozialen Situation, der kriminellen Vergangenheit und der psychologischen Geschichte des Häftlings -, der die Vollzugsbeamten gleich bei der Einlieferung auf Umstände aufmerksam machen soll, die bei anderen Insassen zu einem Suizid oder Suizidversuch geführt haben.

Das VISCI-System funktioniert wie eine Ampel: Rot bedeutet hohe Gefährdung, Gelb heißt unsicher, bei Grün ist nichts zu erkennen. Liegt ein erhöhtes Risiko vor, soll der Betreffende unverzüglich von einem Facharzt untersucht werden, der dann weitere Schritte veranlasst. Bei Gelb wird der Häftling zumindest nicht allein untergebracht. Alijews Suizidgefährdung wurde als Grün eingestuft - also nichts zu erkennen.

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