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Neuer EZB-Bau von Coop Himmelb(l)au

Die Vorgeschichte des gigantischen Projekts „EZB neu“, bei dem auf 184.000 Quadratmetern rund 2.600 Arbeitsplätze untergebracht werden, reicht weit zurück. 2003 wurde die erste Wettbewerbsphase durchgeführt. Bis die Sieger des Architekturwettbewerbs, das Wiener Büro Coop Himmelb(l)au, Detailplanungen beginnen konnten, vergingen sieben Jahre.

Ende 2014 zogen die Mitarbeiter um, am Mittwoch wird offiziell eröffnet. Der ursprünglich auf 850 Millionen Euro veranschlagte Kostenrahmen - zu Preisen von 2005 - wurde auf 1,3 Milliarden Euro erweitert. Die endgültigen Baukosten sollen frühestens Ende des Jahres feststehen. Allein der Preisanstieg von Baumaterialien und -leistungen schlug dabei mit rund 220 Mio. Euro zu Buche. Die Integration der denkmalgeschützten Großmarkthalle war zudem schwieriger und teurer als veranschlagt. Es mussten auch 600 Arbeitsplätze mehr als geplant untergebracht werden. Zu Hochzeiten arbeiteten 1.400 Arbeiter auf der Baustelle.

Das neue EZB-Gebäude in Frankfurt

ORF.at/Zita Köver

Das neue EZB-Gebäude verbindet alte mit neuer Architektur

Eine der Vorgaben für das Gebäude war es, ein weithin sichtbares Zeichen zu sein. Eine andere war die Integration der 2004 geschlossenen, denkmalgeschützten Großmarkthalle, in der nicht nur mit Obst und Gemüse gehandelt wurde, sondern in deren Kellern ab 1941 auch Judentransporte zusammengestellt wurden. Mehr als 10.000 Juden wurden aus der Großmarkthalle mit Zügen in die NS-Vernichtungslager abtransportiert. Daran wird künftig eine eigene Gedenkstätte erinnern.

Jedes Geschoß mit anderer Form

„Von der Großmarkthalle haben wir die Proportionen übernommen“, sagte der Architekt Wolf D. Prix noch in der Bauphase. Im Eingangsbereich prallen Alt und Neu hart aufeinander: außen das kleinteilige Fensterraster von 1928, innen Glas, Stahl, Beton. Der Kontrast ist Konzept: „Wir wollten neue Räume schaffen, in denen man das alte Gebäude erleben kann“, sagte Frank Stepper, ein ebenfalls an dem Bau beteiligter Architekt.

Das Hauptgebäude besteht aus zwei Türmen – 185 und 164 Meter hoch -, zwischen denen massive, stählerne Querstreben Stütz- und Stabilitätsfunktionen übernehmen und drei Ebenen Verbindungen schaffen. Prix sprach von einer „dreidimensionalen Ikone für die EU“. Dieser Turm folge nicht den „Regeln“ eines Hochhauses - ein Geschoß mal hundert -, sondern jedes Geschoß sei von der Form anders, sagte Prix im Ö1-Interview. „Dadurch entsteht eine Form, die man sich merkt.“ Von jedem Blickpunkt sehe man eine andere Form. „Die größte Anforderung bei Bankgebäuden ist, dass man öffentlichen Raum trotz der Sicherheit schaffen kann.“ In der Großmarkthalle sei das der Fall, so Prix.

Kein Höhenrekord

Durch Vorhängen einer Glasfassade wird der Zwischenraum zu einem hohen, in Richtung Frankfurter Innenstadt weisenden Atrium. Die beiden schmalen Türme folgen einem schwindelerregenden Konstruktionsprinzip. Einer der Türme ist unten schmäler als oben. Auf der anderen Seite ist es umgekehrt. Prix: „Das Gebäude hat eine sehr komplexe Geometrie. Das macht es unverwechselbar.“

Das war auch eine der Aufgaben, die bei dem Wettbewerb gestellt wurden. Man habe ein Gebäude gewollt, das Transparenz und Kommunikation ausdrückt, so der Architekt. Das höchste Gebäude Frankfurts durfte der EZB-Tower allerdings aufgrund einer Vorgabe des Auftraggebers nicht werden. Diesen Rekord hält der Commerzbank Tower von Norman Foster mit 259 Metern.

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