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„Die Atmosphäre ist aggressiv“

Mit einer Welle der Gewalt hat der Protesttag der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung gegen die europäische Krisenpolitik in Frankfurt begonnen. Demonstranten bewarfen in der Innenstadt der deutschen Metropole Polizisten mit Steinen. Durch Reizgas seien Dutzende Polizisten verletzt worden, berichtete der TV-Sender n-tv.

Zudem wurden rund 350 Aktivisten in der Innenstadt festgesetzt. Sie hätten zuvor an verschiedenen Stellen der Stadt Straftaten begangen und randaliert, hieß es vonseiten der Polizei. Von einem Kessel wollte man aber nicht sprechen. Zuvor hatte die Polizei laut Augenzeugenberichten von der Heftigkeit der Gewalt überrascht gewirkt.

Feuerwehrmänner löschen brennende Autos

APA/AP/Michael Probst

Auch Polizeiautos wurden in Brand gesteckt

„Die Atmosphäre ist aggressiv“, sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski Mittwochfrüh der Deutschen Presse-Agentur. Im Frankfurter Ostend, wo die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz hat, gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mistkübel, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Brände zu löschen. Zahlreiche Gewalttäter seien festgenommen worden.

Protest gegen EZB-Prestigebau

Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB, deren neuer Prestigebau am Mittwoch offiziell eröffnet wird, zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt. Es habe an mehreren Stellen Angriffe auf Polizisten gegeben, sagte die Sprecherin weiter. Die Demonstranten attackierten auch Feuerwehr und Straßenbahnen mit Steinen. Die Feuerwehr sei dadurch am Löschen gehindert worden. Mindestens sieben Polizeiautos wurden in Brand gesetzt. Vermummte Demonstranten wurden beim Weglaufen gesehen.

„Wir reden hier mittlerweile über schwere Straftaten“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, dem Fernsehsender n-tv am Mittwoch. „Der Begriff Demonstrant wird in diesem Fall falsch verwendet.“ Mit weiteren Ausschreitungen müsse man rechnen.

„Polizei hat Bürgerkriegsszenario aufgemacht“

Blockupy kritisierte unterdessen das Vorgehen der Polizei. Die Polizei habe Teile der Demonstration angegriffen, sagte Blockupy-Sprecher Hendrik Wester der dpa. „Das ist nicht so, wie wir von Blockupy den Tag geplant haben. Aber man muss auch feststellen, dass offensichtlich das Bürgerkriegsszenario, was die Polizei da aufgemacht hat, (...) von vielen Leuten als Herausforderung und als Provokation begriffen worden ist.“ Das Bündnis hoffe aber, dass die Lage nicht weiter eskaliere. Blockupy sprach von Tränengaseinsätzen der Polizei.

Ein Demonstrant schlägt gegen eine Fensterscheibe

APA/EPA/Arne Dedert

Vermummte Aktivisten schlugen Fensterscheiben ein

Die Polizei hielt sich an den Rändern der Sperrzone zunächst zurück und konzentrierte sich auf den Schutz der EZB. Am Vormittag will die EZB ihre neue Zentrale - die sie bereits seit mehreren Monaten nutzt - mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen. Die Blockupy-Bewegung hatte schon vor längerem angekündigt, die Feier mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams verhindern zu wollen. Die Polizei rechnet im Tagesverlauf mit mindestens 10.000 Demonstranten. Am Nachmittag sind mehrere Demonstrationszüge geplant.

„Wir haben mit Gewalt gerechnet“

Die Demonstranten blockierten laut Polizei bereits in der Früh die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt. Vor dem EZB-Gelände hatte eine Mahnwache von Kapitalismusgegnern in der Früh zunächst ruhig begonnen. Demonstranten berichteten aber von einem Tränengaseinsatz der Polizei. Von Angriffen auf Beamte wisse man nichts, sagte eine Blockupy-Sprecherin. „Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz“, sagte die Polizeisprecherin. „Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre.“

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