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Bau dürfte etwa 75 Jahre alt sein

In einem Naturpark im Nordosten Argentiniens sind Archäologen auf einen Gebäudekomplex gestoßen, der höchstwahrscheinlich als Versteck für flüchtige Größen der Nationalsozialisten gedacht war. Gesichert ist diese These noch nicht, aber mehrere Indizien deuten darauf hin.

Der Fundort liegt laut der argentinischen Tageszeitung „Clarin“ etwa 1.000 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Buenos Aires in einem Waldgebiet im Naturpark Teyu Cuare (Provinz Misiones). Nicht nur die versteckte Lage, auch die Bauweise sei für die Region absolut untypisch. Die großen Fragen lauteten nun: „Was waren diese Gebäude einmal? Wer baute sie? Wofür?“ Derzeit deute alles darauf hin, dass die Anlage tatsächlich als Versteck für flüchtige Nazis gedacht war, schrieb das Blatt unter Berufung auf das Zentrum für Stadtarchäologie (CAU) am Wochenende.

Eine Ruine

Screenshot clarin.com

Eine der Ruinen im Regenwald

In den drei entdeckten Gebäuden seien deutsche Münzen aus den Jahren 1938 und 1941 gefunden worden, sagte der Leiter des Archäologenteams der Universität Buenos Aires, Daniel Schavazelon. Außerdem seien die Forscher auf Reste von Meißner Porzellan bzw. Scherben mit dem Aufdruck „Made in Germany“ gestoßen. Die Datierung des Baus auf Anfang der 1940er Jahre und die deutschen Fundstücke seien kein zwingender Beweis für ein Nazi-Projekt, räumte Schavelzon ein.

Absolut untypisch für die Region

Es gebe allerdings praktisch keine andere Erklärung für einen derart kostspieligen Bau in einem damals unzugänglichen Ort, noch dazu mit Materialien, die nicht der lokalen Architektur entsprächen. Laut „Clarin“ führt der Weg zu den rätselhaften Bauten vom Eingang des heutigen Naturparks durch unwegsames Gelände.

Ein Stück Porzellan

Screenshot clarin.com

Ein Stück deutsches Porzellangeschirr

Offenbar hätten die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ein geheimes Projekt, für den Fall einer Niederlage Zufluchtsstätten für ihre Anführer zu bauen, verfolgt, sagte Schavelzon der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung. Diese Verstecke seien in abgelegenen Gegenden gebaut worden, „an unerreichbaren Orten, mitten in Wüsten, Gebirgen, an einer Klippe oder wie hier mitten im Dschungel“. Nach Angaben des Forschers wurden die Gebäude nie benutzt - möglicherweise, da es für flüchtige Nazi-Größen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Argentinien recht einfach gewesen sei, im „normalen“ Stadtleben unterzutauchen.

Karte von Argentinien

APA/ORF.at

Eichmann, Priebke, Mengele

Die nationale Kommission zur Aufklärung von Nazi-Aktivitäten (CEANA) schätzt, dass sich mindestens 180 Kriegsverbrecher in das südamerikanische Land abgesetzt haben. Zu den prominentesten zählte Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer und hauptverantwortlich für die Deportation und Ermordung von Millionen Menschen. Eichmann wurde von israelischen Agenten in Argentinien aufgespürt und 1962 in Israel hingerichtet.

Weiters der SS-Hauptsturmführer Erich Priebke, verantwortlich für das Geiselmassaker in den Ardeatinischen Höhlen in Italien 1944, später in Italien zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die später in Hausarrest umgewandelt wurde, und der KZ-Arzt Josef Mengele, der 1979 in Brasilien starb. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum geht davon aus, dass Tausende deutsche, kroatische und italienische Faschisten nach Argentinien flohen, wo ihnen der damalige Präsident Juan Peron Zuflucht gewährte.

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